Band 
Zweyter Theil [4].
Seite
1932
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,9Z2 Traur.

Und unter einem gekreutzigten Christus-Bild, soebenfalls hier vorkommt, stehet seine Adresse auffolgende Weise:

Frankfurt am Mayn , bey Wilhelm TraudtFormfchneidcr und Briefmalcr, den Laden aufdem Pfarrcisen".

Aus allem diesem legt sich nun offenbar zuTage, daß er ein hiesiger Künstler war, von demsich vermuthen laßt, daß er seine Kunst ausNoth ohne wettern Unterricht gelernt hat, wieman solches in obigen Retinen bemerken kann:Das offenherzige Gestandniß seiner anfänglichenSchwache, macht ihm übrigens in meinen AugenEhre, es legt ein redliches Herz an Tag, undzeigt, durch die Hofnung es besser zu lernen, zu-gleich einen Mann an, der sich keine Mühe hatverdrießen lassen, um in seiner Kunst sich emporzu schwingen, wie er solches auch durch seineArbeiten in der Folge bewiesen hat. In demMeister-Buch der hiesigen Diamant- und Nubin-schleifcr findet sich unter der Rubrik: »Namenderer so das Schneiden allein gelernt, Bürgerund Meister gewesen, als i 63 o. die Ordnungangefangen", zwey, wovon der eine JohannTraudk, der andere Jacobus Traudt geheißenhaben. Da solche nun zu gleicher Zeit mit un-serm Traudr gelebt, so ist auch zu vermuthen,daß sie Prüder, wenigstens nahe Anverwandtenvon ihm gewesen sind: Wobey mir hauptsächlichaufgefallen ist, daß auch sie ihre Kunst gleich je-nem von sich selbst gelernet, und dadurch Be-weise geben, wie weit die Menschen, durch ei-gene Fähigkeit gelangen können. Im Anfanghatte Wilhelm nur große Buchstaben und Frak-turSchriften, hernach Wappen, und endlich hi-storische Stücke recht schon und mühsam in Holzgestochen, unter welch letzteren die 8 . kleine Holz-täfelger, so er i 6 jg. nach H. van der Borchtund die 2/. dekti, eines in 12° 2 G. 53 . hierherausgegebenen Sprüch-BüHleius, besondersaber eine in gr. 4^. von ihm verfertigte Geiße-lung eines Missethäters nach Lucas Kilian , guteBeweise seiner zugenommenen Geschicklichkeit ab-legen. Sein gewöhnliches Zeichen besteht in denbloßen Anfangs-Duchstaben seines Namens VV. Nmit dem Messergen darneben; er hat auch öftersden Namen ausgeschrieben , und auch -wohl dieJahrzahl darzu gesetzt. Um A°. 1664. muß erhier verstorben seyn."

Traut (Wolfgang), Maler, des obigenHansen Sohn oder Neffe, der den Vater oderOheim in der Kunst noch soll übertreffen haben.Von seiner Hand war die Alrartafel in der Et.Aunenkapclle der Schuster zu St. Lorenzen inNürnberg mit i5c>2. darirt. wolfgang standmit dem Kunsigießer Hermann Fischer (bey dessenunglücklichem Tode er auch zugegen war) in guterFreundschaft, und starb unvcrheirathat in gemeld-tem Nürnberg . Will « Nürnbergische Münz-delustigung IV. 38 - 2 . 368 . Murr G >22. u.332 . Ll'porvsky bemerkt, daß jenes Altarblattvon ihm sich nicht mehr in ermeldter Kirche be-findet. Wo es etwa sonst hingcraihen seyn mag?

Traurenrvolf (Egid.), ein Glasmaler zuMünchen , verfertigte die gemalten Fenster fürdie Pfarrkirche zu U. L. Frau daselbst. Die Far-ben sind in die Glaser eingetränkt oder eigentlichgeschmolzen,nd die Gemälde selbst stellen mei-stens biblische Geschichten vor. Die ganze Süd-seite dieser Kirche war ehemals mit solchen Fen-stern versehen, und bildete dadurch einen schönenbunten Vorhang, um die Sonnenstralen abzuhal-ten, wodurch weder die Menschen geblendet,noch Malereien und andere Kunstsachcn hierdurchabgebleichct oder sonst verdorben werden konnten.Unter dem Snftskustos und Kanonikus v. Des-nard aber, der zur Verschönerung dieser Kirchethätig zu wirken glaubte, wenden viele dieserFenster mit neuen weißen Glastafeln versehen,und die farbigen abwechselnd bald oben bald

Trautmann,

unken beybehalten. Bey dieser Gelegenheit wurdenun eine bemalte Glastafel mit dem Bilde desH. Egids entdeckt, worauf folgende Worte ein-geschmolzen waren: LZicim! TVmtteEo//, pic-tor lVIonsc. ms fecit 1486. 8 oli l)ec> §Ic>rjg.von Gbermayr. M§c. Lipowsky.

* Traurmann (Ioh. Georg), geb. zu Zwey-brücken 171a. (nicht um 1725., wie es ander-wärts heißt), wurde anfänglich von seinem Va-ter für etwas ganz anderes als für die Kunstbestimmt. Allein die natürliche Neigung desSohns ließ sich nicht irre machen. Man thatihn bey dem Herzogl. Zweybrückschen HofmalerFerd. Friede. Bellon in die Lehre. Da er diesennach wenigen Jahren weit übertraf, begab ersich nach Frankfurt am Main zu dem alten Schle-gel (etwa zu Theobald, dem Chaisen-Maler?)bey dem er sich eine geraume Zeit aufhielt, undendlich zu dem dortigen Lapetenmaler Kiesewetter,dessen jüngere Tochter er hciratheke, mit der erzwey Söhne erzeugte, und ihr, etliche Jahrenach ihrem Tod, 1769., also 5 V. (nicht, wie dasLex. sagt 85.1 I. alt in die Ewigkeit folgte. DasTapetenmalen trieb er nur wenige Jahre (wohlKiesewctter's Tochter wegen?), schwang sichdann höher, wurde ein geschickter Mann, undals ein solcher in 1761. zum Chur-PfalzischenHofmaler erklärt. Sein hauptsächlichstes Talentbestand in Darstellung nächtlicher Feuersbrunste,im Geschmacke von Daniel von Heil- So hatteer mehrmals den Brand von Troja mit großemBeyfall gemalt; dann Bildniße, in Rembrandts Manier, viele lebensgroße sowohl als kleinere,meist mit großen Bärten, in orientalischer Tracht.In lustigen Bauerngesellschaften hienächst ahmteer die Ostade, Brouwer, Leniers, u. f. f. nach.In geistlichen u. a. Geschichten wählte er stcheinen eigenen und großen Styl Von Bildnißenkennt man von ihm z. B. diejenigen des Land-grafen von Heßen -Homdurg und feiner Gemah-lin (lebte noch 1790.) und sein meisterhaftes ei-genes (1762 ), welches I. G. Pcestcl in punktir-tcr Manier (schön) geliefert hak Ueberhaupt warer ein »»gemein fleißiger Mann, erfindungsreich,und der seine Zeit wohl zu benutzen wußte. Nochkennt man Handzeichnungen von ihm, braunoder schwarz getuscht, und mit der Feder, wieKupferstiche schrafirt, bisweilen auch mit demPinsel ausgemalt, mit seinem gewöhnlichen Na-men bezeichnet, wo über dem ersten Striche desiU. der Zwerg- (Zwerch-) Strich des Buchsta-bens N. steht (?). Auch gcetzc hat er selbst, undnach eigener Erfindung, eine Auferweckung Lazariin Quartformat , und I. F. Haidach ihm eineGeburt, so wie I. Cventgen in Mainz einenMannskopf mit großer Mutze, in Rembrandts Geschmacke, ebenfalls i» Quarto . Von seinenGemälden wird in deutschen Gallerien einzig zuMünchen eine feiner nächtlichen Feuersbrunstegenannt; und heißt der H. von Männlich auch(was er doch wisse» mußte) Eonrad von Männ-lich als Lehrer unsers Künstlers. HüsgenLst. A. S. 347 . u. ff. Noch nennt eine unsererQuellen, als von ihm selbst geetzt, ebenfalls einenBrand, und, als nach ihm von Ernst Gottlobgestochen, vier Bauernstücke. Goethe (Aus mei-nem Leben l. -98.) spricht von ihm, um 1739.lustig genug: »Traurmann rembrandisirte, füreinen damals in unserm Hause einquartütcn Fran-zösischen Offizier, einige Auserweckungswundecdes neuen Testaments, und zündete nebenher Dör-fer und Mühlen an".

(Johann Peter), des obigen Jo-

hann Georgs Sohn und Schüler, geb. ;»Frankfurt 174(1., lebte noch 1790. Von ihm heißtes bey Hüsgen, A- S. 35 o.: »Derselbethat verschiedene Reisen in Deutschland und derSchweiß, und malte fleißige Köpfe, Geschichtenund Bauernstücke, in seines Vaters Manier.Auch besaß er besondere Geschicklichkeit, alte Ge-