Trippel.
,'ff. Unter dem Helm liegt eine Waagschale alsSymbol der Gerechtigkeit u. s. w. Herr von Me-chcl billigte das Unternehmen, lud ihn ein, nachseinem Vaterlande zurückzukommen, und Abgüssedavon einigen schweizerischen Ständen anzubieten.Er kam sogleich im Dezember 1775. nach Hause,und erhielt von der Regierung seiner Vaterstadtsowohl als von denjenigen zu Basel und Zürich für die übergebenen Abgüsse, ehrenvolle Belohnun-gen*). Bey seiner Anwesenheit in Zürich mnßteer für Lavater einen Christuskopf über Lebens-größe modelliren, welcher vollkommen wohl ge-lang. Das auf diese Art in der Schweiz zusam-mengebrachte Geld wurde nun auf die Reise nachRom verwandt, wo unser Trippel im Oktober1776. ankam. Hier war unser Künstler eigent-lich in seinem Elemente, und ungeachtet er zuRom so gut wie anderswo sich seinen Unterhaltselbst erwerben und sich auch manchmal kärglichgenug behelfen mußte, auch besonders im An-fange mit Neidern aller Art zu kämpfen hatte,so gefiel ihm doch sein Aufenthalt daselbst sowohl, daß er sich sogleich zurechte fand, und anallen Schätzen der Kunst eine unendliche Freudehakte. Er mußte nicht erst, wie so mancher andregeklagt hat, sich in die Antiken und die beßtenMeiner der neuern Zeiten hineinsiudiren und sichzwingen, Geschmack an ihnen zu finden; es giengihm alles ganz natürlich ein. Seine ersten Werkedaselbst waren eine Bacchantin 2^ hoch in Mar-mor ; ein sitzender Apollo mit der Hirtenflöte, undeine schlafende Diana, die vom Amor überraschtwird. Nachdem diese Arbeiten fertig waren,wurde er nach Basel berufen, um einige Arbei-ten für Herrn Burkardt daselbst zu machen, wo-hin er auch im I. 1778. abreiste; nach einemAufenthalt von vier Monaten kehrte er indessenwieder nach Rom zurück. Lange fehlte ihm dieGelegenheit sich durch ein großes Werk öffentlichzu zeigen. Seine von Natur etwas rauhe Art,und seine mehr als schweizerische Offenherzigkeitmachten, daß er viele Leute, die ihn hatten em-pfehlen und ihm helfen können, vor den Kopfstieß Er behalf sich daher mit kleinern Werke»für seine Schweizerfreunde, die ihn beßtens un-terstützten. Zwar suchte er (1780.) durch ein alle-gorisches Basrelief auf den Teschner Frieden ( 5 ^ins Gevierte a. K. 5 ^ r>. t? br. 2^ hoch) sich denHöfen zu Berlin und Wien zu empfehlen, denener Modelle davon einsandte, für welche er gutbezahlt wurde, aber weder Anstellung noch Pen-sion, wie er hoffte, erhielt. Um eben diese Zeitsowohl als in den nächstfolgenden Jahren verfer-tigte er mehrere andre kleine Werke, unter andernauch den Milon, der in der Spalte eines Bau-mes, den er von einander reisten wollte, mit derHand stecken bleibt und von einem Löwen ange-fallen und zerrissen wird. Trippel hatte einenAbguß desselben dem Dichter Geßner nach Zü rich zum Geschenke gesandt. Eine Gruppe, Marsund Venus vorstellend, und eine andere der älternAgrippina mit dem Aschcnkrug des Germaniensund zwey Kindern, verfertigte er für einen Hrn.Landoir ebendaselbst. Eine Bestalln in Lebens-größe in Marmor neben einem runden Altar ste-hend , wurde nachher an den Hof zu Dresden verkauft. Eine Hebe mit der Nektarschale indurchsichtigem Gewände und mit Rosen bekränzt,ein Ganymed, Venus und Amor, ein Faun miteiner Bacchantin, ein andrer mit dem Wein-lchlauche auf der Schulter, ein Apoll mit derLeyer, eine Pallas, die den Mars einschläfert,Pins VI. wie er den Segen ertheilt, die Büsteder Dcmoiselle Schlözer : Dieses sind ungefährdie vorzüglichsten Werke, die er bis gegen 1785.verfertigt hat. Man sieht hieraus daß Trippel
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sich meistens in dem bekannten Kreise der My-thologie gehalten und Werke gebildet hat, diedurch sich selbst allgemein verständlich waren, undkann hievon einzig die Allegorie auf den Lesch-ner Frieden und einen andern noch nicht angezeig-ter Entwurf eines Denkmals auf Joseph II. aus-nehmen, das mehrere allegorische Figuren enthal-ten sollte. Die Bildhauerei) ist ihrer Natur nachin jedem Werke nur auf sehr wenige Figuren ein-geschränkt, und kann daher, wenn sie Ideen aus-drücken oder große Begebenheiten darstellen will,dieses nur auf eine sinnbildliche (symbolische) Artthun. Hiese Anwendung der Kunst aber erfor-dert natürlich eine sehr große Ausbildung desGeistes, einen Schatz von mannigfaltigen Kennt-nissen, und ein richtiges, durch Erfahrung undBeobachtung der Menschen gebildetes Gefühl,welches allemal gerade dasjenige an einem Ge-genstände herauszufinden weiß, was das Ver-ständlichste ist, und was allgemein interessirt. Danun Trippel in der Jugend, wo man allein denGrund zu wissenschaftlichen Kenntnissen legen kann,ganz ohne seine Schuld hierin zurückbleiben mußte,so wurde dieser Mangel in seinen spätern Wer-ken, wo er sich eben der Anspielungen und Alle-gorien häufiger bediente, um so sichtbarer, je vor-treflicher die wirkliche Ausführung der Figurenihm gelungen war. Er hatte zwar durch die Be-trachtung der Kunstwerke alter und neuer Zeit, dieer in Rom und anderswo fand, eine Menge vonKunstideen aufgefaßt, aber durch die unwissen-schaftliche Verbindung derselben war in seinemKopfe ein so wunderliches Gemisch entstanden,daß er gerade dann, wenn er etwas recht Sinn-reiches und Bedeutungsvolles erfinden wollte, aufdie sonderbarsten und unverständlichsten Vorstel-lungen geriech. Einen Beweis davon gab dasDenkmal des Grafen Tzernichew, die erste großeArbeit, die er in Marmor ausführte, und wo-durch er vorzüglich allgemein bekannt und be-rühmt wurde. Hier stellte er die Regierung unddie Traurigkeit vor, welche am Sarge seinen Hel-den beweinen. Auf dem Basrelief des Sargesführt Saturn den Grafen fort; die Stadt Mos kau , deren Gouverneur er war, will ihn zurück-halten; der Uebcrfluß, die Gerechtigkeit und dieStandhaftigkeit folgen ihm nach; Merkur undCharon stehn erwartend am Lelhefinß. So vor-trrfiich und schön auch die Ausführung diesesDenkmals nach dem einstimmigen Zeugnisse allerderer seyn maß, die es gesehen haben, so un-verständlich und überladen ist die Erfindung des-selben. Indessen wurde er durch dieses Werk mitRecht berühmt, und für den ersten der damalsin Rom levenden Bildhauer anerkannt. Zu An-fange des Jahrs 1787. erhielt er das DiplomeineS Ehrenmitgliedes der Berlinischen Akademieder Künste und mechanischen Wissenschaften. DiePreußischen Minister von Herzberg und von Hei-nitz suchten ihn nach Berlin zu ziehen, nachdemer den Entwurf eines große» Denkmals auf Fried rich II. eingesandt hatte, das aus neun Figurenbestehen sollte. Die Statue des Königs zu Pfer-de in der Mitte, sollten vier Generale, stehend ,zwey Gelehrte und zwey Minister sitzend umgeben.Man hatte ihm sogar Hoffnung gemacht, ihmdie Grelle des verstorbenen tzofbildhauers Tas-saert zu geben. Allein diese Unterhandlung zer-schlug sich wieder, und Trippel schrieb diesenunangenehmen Ausgang der Sache in seinem Un-muthe den Ränken eines Berliner-Künstlers zu,der ehmals sein Schüler gewesen war. Im Jahr1789. verfertigte er die Büsten von Göthe undHerder , die sich damals beyde in Rom befanden,und führte sie auch in Marmor aus**). In dem-selben Jahre bekam er von Zürich aus den Auft
) Eine Critik dieses Werks s. in Mensel'« Arch. l. «.) zr. wo Trippel'« Todesjahr, wehl durch argenDruckfehler, iu 1770. gesetzt wird.
-) ..Eine getreue Nachbildung von Herder's Schädel" (sagte Trippel eines Tags) »brachte mich fast rurVerrn'eiflung. *