Band 
Zweyter Theil [4].
Seite
1995
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V a n l o o.

das Costume des Alterthums / indem wir, nebenAnderin / ein Bett, mit einer rothen sammeknenDecke und Borten geschmückt, darauf erbli-cken" *). Seinen Kunstcharakter bezeichnetFioriUo (!. c. öi8 Ig.) wie folgt:vanloogehört zu den wenigen Französischen Künstlern,welche sich in dieser »«gedeihlichen und einschlä-fernden Periode, so weit es das Vermögen ihresGeistes erlaubte, rühmlich hervorthaten. Er be-saß eine manierirte Zeichnung, und ahmte in sei-nen Formen, Physiognomie«» und Stellungennur die gemeine Französische Natur nach, wozuihn sein Naturell hinzog, ohne sich jemals zumhöchsten Styl der Kunst zu erheben; seine Far-bengebung aber ist voll Feuer und Kraft". Inseiner Schule- bildeten sich, nebst seinen Nef-fen **), Carl Amadeus Philipp, Claudius,Franz, Hypolirus und Ludwig Michel, vor-züglich Doyen, la Grenee der altere, Julien,Olioier und de la Rue. vanloo st. mit Ehren-bezeugungen überhäuft 176h. Nach seinem Toderhielt die Wittwe, nebst der Wohnung, ein wahr-haft Königliches Gehalt von 2 s,»00. L Hörenwir nun auch über ihn das Urtheil etlicher seinerLandsleuthe an.

Vörderst des geistreichen Drderor's (I. c. 161.u. ff.) wo es heißt:Carl zeichnete leicht,schnell und grandiose; malte breit; sein Coloritist verständig und kräftig. Ueberhauvt besaß erviel Technisches, aber wenig Jdealisches. Nurschwer gab er sich init seiner Arbeit zufrieden,und doch gehörten die Bilder, welche er zerstörte,oft zu seinen beßten. Er konnte weder lesennoch schreiben, sondern war ein geborener Ma-ler, so wie man etwa zum Apostel geborenwird. (Hierauf das bald unten Folgende,wie er die Critiken seiner Schüler lohnte undbenutzte). Er starb (176L) an einem Blutsturze;doch mochten auch die schmollenden Grazien,welche er kurz vorher auf dem Salon ausgestellthalte, sein End beschleunigt haben; und wär'er auch dem Hieb von jenen entronnen, so hättendie noch später von ihm gemalten Huldgöttinneneinen solchen Todesstreich nicht verfehlt. Mitalledem war sein Hingang ein wahrer Verlust".(In einer Note nimmt dann Diderot seine Critikder vanloo'schen Grazien in so weit wieder zu-rück, daß er bemerkt:Mögen ihm jedoch die-selben, nebst seinem August***) auf dem nämlichenSalon, einigen Verdruß gemacht haben, so konn-ten seine Ecizzen aus dem Leben von St. Gregorund seine keusche Susanna ihn hinlänglich trö-sten ff-). vanloo war überhaupt der Mann,den ein Verdruß anwandeln, und der auf einigeAugenblicke fast verzweifeln konnte, dem aberdoch alle dies nicht am Leben nagte. Alle Symp-tome des Genie äußerten sich an ihm. VonNatur war er sehr aufgeräumten Humor's, ver-fiel dann aber plötzlich in ein Schweigen, das

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jeden, der ihn nicht kannte, erschrecken mußte.Dies Verstummen dauerte oft ganze Wochen, sodaß er selbst mit seiner Frau, seinen Kindern undSchülern kein Wort sprach, sondern nur vonZeit zu Zeit schrecklich funkelnde Blicke auf siewarf. Jene seine Schüler der sogenannten Kö-niglichen Schule behandelte er übrigens, wie seineKinder, und versammelte sie, wie man weiß,nicht selten um sich her, in der Absicht ihr Urtheilüber seine Arbeiten anzuhören. Erscholl dannunter ihnen ein aufrichtiges, unverhohlenes Wort,so mußten sie alle über Kopf und Hals denReißaus nehmen, damit er sie nicht zu Bodenschlage. Eine Viertelstunde nachher ließ er seinenKunstrichter kommen, und sagte zu ihm: Duhattest Recht! Hier 20 Sols, um diesen Abendin die Comödie zu gehn; ihm solche abzuschlagen,wäre sehr übel aufgenommen worden. Biswei-len sandte er einen aus ihnen, ihm Farben ein-zukaufen, und wenn dieser ihm ein 4, 5. über-zählige Sous zurückbrachte, sprach er: Das be-halt' für dich; was man abermals, ohne eineSzene zu gewärtigen, nicht ablehnen durfte. Erselbst ging alle Abende ins Schauspiel, am Lieb-sten aufs italienische Theater; dann aber befander sich auch früh' Morgens in seiner Werkstatt«;und wenn eine starke Idee ihn lebhaft beschäftigte,spatzierte er oft die ganze Nacht durch in seinemZimmer auf und nieder, wie ein Dieb, der dieMorgenröthe ungeduldig erwartet, um sich davonzu machen. Sein akademischer Freund d'Andrs«Bardon, Welcher lesen und schreiben, aber dafürnicht malen kann, hat einen Abriß von vanloo'sLeben geschrieben, das aber nichts Auffallendesenthält; denn um das Leben eines Künstlers zuschildern, muß man es selbst seyn -j-f-)".

Hiernächst ist kvareler's, wie es uns scheint,parteyloses Urtheil über vanloo folgendes:Erhatte einen gesunden Geschmack und guten Styl,dessen die Französische Schule bedurfte, nachdemsie schon seit lange, durch Conpel und de Lroy,an einen manierirten, theatralischen und affektie-ren sich gewöhnt hatte. Damit verband er eineangenehme Zeichnung, nebst einem starken undzugleich leichten Pinsel. Dann aber fand sichwenige Abwechslung in seinen Köpfen, und über-haupt sehr wenig Geist und Ausdruck in seinenFiguren; man traf bey ihm mehr Adel als einengroßen Charakter, mehr Anmuth als wahreSchönheit an. Allerdings verdiente er im Gan-zen große Achtung; aber er ist bey seinem Lebenzu sehr gelobt worden, da man, in allen Kunst-theilen, ihn den ersten Kunstlichtern (Raphael,Correggio , Tikian) gleichstellte. An diesem über-triebenen Beyfalls rächte sich hinwieder, nach sei-nem Tod, eine allzu ungerechte Critik. Dennwelchen von Frankreichs gleichzeitigen Malernwill man ihm vorziehen" (was freylich weniggesagt ist!)Die Vorlreflichkeit seines Perso-

«) Cs steht in dem großen Marmoriaale zu Sanloucy. Bey Oesterreich S. 4- 43 . wird ein Weites undBreites darüber gedahlt. Coen so, wie wir schon oben vernommen, von dem Marquis d'Argens .

i"--) Nicht Söhnen, wie es bey Fiorillo heißt.

Wie er den Janus-Tempel verschließt-

s) Alle dies befand sich auf dem nämlichen Salon, und nach Gault de St. Gernraiu (S. -3;.) weiter:Die flehenden Künste, und die Bestalln; ebenfalls mit der beygefügten Bemerkung: Vanloo's Preis seyfest jener Ausstellung zusehends ins Abnehmen gerathen, und sein bald darauf erfolgter Tod vollends dasZiel seines Ruhms gewesen.

sf) Vis äs lue äsnx l'^caäemie kapsle etc. äans l'/zssemblse äu 7. 8ept. 1765. aqto ?ai'ir

68 . S. Das Brauchbarste darin ist ein, noch dazu seltsam geordnetes Verzeichniß von des Künstlers vor,züglichsten Werken. Das erste (17-3.) der Samaritaner, einmal im Besitze eines H le Brun'S; das letztesein schon genannter August, der die Pforten des Janus-Tempels beschließt. Dieses und mehr anderevon seinen jüngsten Werken» wurden, nebst seinem von studwig Vanloo, seinem Neffen, zu London ge-malten Bildnisse, kurz nach seinem Tode, als eine Knnsttrophee in dem oft erwähnten Salon aufgestellt.Darunter befand sich auch das allegorische Bild auf die Wiedergenesung der Frau von Pampadour, das derVerfasser »ein eben so sinnreich gedachtes, als kostbar ausgeführtes Meisterstück" nennt.