Band 
Zweyter Theil [4].
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2002
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2002

Vann i.

noch so oft, mit wenig Vorsicht restaurirt, den-noch fürdauernde Bewunderung abgewinnt; Zeich-nung und Colorit ganz Barocceseyisch, und miteinem Fleiß ausgemalt, welcher der Feuchtigkeitseiner Stelle widerstanden ist. Auch zu Eiena undanderwerts sieht man Bilder von ihm, welche,mehr als Vivianis und anderer eigentlicherSchüler von Barocci , sich ihrem Vorbilde nähern.So zu Siena seine Verlobung der H. Catharina,al Refugio, mit einer zahlreichen Engelschaar;so seine Madona zwischen verschiedenen Heiligenfür die Kirche Monna Agnese; einen auf dem Meerwandelnden St. Naimondus für die PP. Domi­ nikaner , was Viele für das beßte, häufig besuchteBild zu Siena halten *). Eben so zählt man füreines der vorzüglichsten Bilder in der Hauptkirche zuPisa seinen Sakraments-Disput, den er wetteiferndmit seinem Stiefbruder Ventura Salimbeni malte.So in der Umilta zu Pistoja (Anbetung der Wei-sen), bey den Camaldolensern zu Fabriano u. i.f-u. f. Denn noch kennt man kein vollzähliges Ver-zeichnis; seiner Werke. Mehreres von ihm zu Rom und Siena , nennt von ihm d'Argensville l.1828Z. Dann auch zu Genua in Nocre-Damede Carignan die Legende von St. Maximin, derdie H. Magdalena krönt; und bey den Domini-kanern zu Lucca St. Thomas d'Aquinas, zu denFüßen des Erlösers. Zum öftern werden seineBilder in Kirchen und Galerien mit den Barocci'sverwechselt; so ähnlich ist das Colorit, und beion-ders von gleichem Stempel ihre Kinderköpfe.Aechte Kenner indessen unterscheiden den Meisteran einer größern Zeichnung und freyern Toccirung.Einiges, was vanin für wenig Geld, und ohneStudium gemalt, dergleichen sich Manches zuSiena findet, macht eigentlich Mühe, es für dasSeiniae zu halten, /mirsr (Lcl. terr.) I. Z60l-2.Fiorillo, der (I. ib/z. u. kjiai-z.) von unsermKünstler spricht, bemerkt denn doch, wohl richtigüber ihn: Wenn ein kritisches Aug ihn mit Da-rocci vergleiche, so nehme es bald den Unterschiedwahr, daß letzterer den (größern) Correggio ,vanni hingegen eben nur den (geringern) Barocci vor Augen gehabt. Noch erzählt dann Ebender-selbe zum Beweis, wie hoch er zu Rom geachtetworden, daß er die Ehre gehabt, den Fabio Ghigi,nachherigen Papst Alexander VII. zur Taufe zuhalten. Da er (wird dann ferner irgendwo be-merkt) ein frommer und tugendhafter Mann war,so waren auch geistliche Gegenstände seinem Pin-sel die angenehmsten. Füßli l. 5 g. sagt von Franszen kurz, aber bündig:vanui haue eine leichteund oft sinnreiche Einbildungskraft. Er wußteseine Vorstellungen wohl anzuordnen und vortheilshaft zu grnppiren, zeichnete in einem großen,aber nicht eleganten Styl, und drappirte mitGeschmack, jedoch mit mehr Manier als Wahr-heit; seine Köpfe haben mehr Anmuth als Würde,und im Ausdrucke hat er es in einigen seinerWerke auf eine hohe Stufe gebracht." Beywareler heißt es von ihm: Die Sanftmnkhseines Charakters zog ihn zu der Gattung desCorreggio hi»; und es war vielleicht mehr derAntrieb dieses Charakters, als eine bestimmteNachahmung, daß er dem Barroccio so viel glich";mit dem weiters beygefügten schönen Zeugnisse:Weil entfernt, auf das Talent oder das Glückanderer Künstler neidisch zu seyn, liebte er sie,klarte sie durch seinen Rath auf, und (hört, hört!)wendete oft seinen eignen Verdienst dazu an, Ar-beiten zu kaufen, die sie nicht unterbringen konn-ten. Mit G. Reist war er besonders innig ver-bunden , und genoß das Vergnügen, ihm nütz-lich zu seyn. Von seiner Kunst dann urtheilt

Va nni.

Warelet:Seine Manier war zwar allerdingsder des Darroccis ähnlich; aber nicht immer ihreAnmuth. Man kann bisweilen selbst Fehler derHarmonie und ganze Farben an ihm tadeln; aberin seinen bessern Werken ist sein Kolorit zartund angenehm. Er zeichnete gut, namentlich auchdie Extremitäten und die Hände; die Köpfe sindsehr schön gemalt, u:,d haben gewöhnlich einengraziösen Charakter. Sein Pinselstrich ist lieblich,breit und leicht. In der Composition allein zeigter wenig Genie. Auch die Architektur verstander gut, und hakte ausgebreitete Kenntnisse in derMechanik." In deutschen Galerien befinden sichvon unserm Künstler: In der K.K. zu Wste»:Madonna mit dem Kinde, das einen Vogel in dieHöhe hält; zur Seite der kleine Johannes, halblebensgroßes Knieestück. ZuSchlelsbeim angeblicheine Flucht nach Egypten, ganz lebensgroßeFiguren.Dresden : Wieder eine Madonna mit dem Kinde,das den kleinen Johannes liebkost, den St. Eli-sabeth ihm auf den Armen bringt; zur Seitesitzt St. Joseph 5 " hoch, g" br.). DasFranzösische Museum hatte von ihm ein einzi-ges Bild (wahrscheinlich Kunsteroberung): H. Fa-milie auf der Flucht nach Egypten, wo Josephdas Kind mit ein Paar Kirschen neckt, wasLands» (X. 7.) wo er davon Beschreibung undAbbildung im Umrisse giebt, unangemessen (-faut lle convernancs) findet. Was er dannweiter von dem Leben und der Kunst des Unsrisgen sagt, zeigt, daß man in Frankreich überbeydes im Dunkeln war. Nach ihm war er einPisaner, und st. ibbo. 6i. I. alt; dann nennter ihn einen aufgeweckten und allgemein beliebtenMann, und seine Kunst mittelmäßig. Alles dießläßt uns vermuthen, daß er ihn mit dem nach-folgenden Joh. Baptist van», verwechselte.Immerhin aber rühmt er das vorliegende Bild;den edel» und naiven Ausdruck im Kopfe derMutter, den harmonischen Farbeton, und diegeistreiche Toccirung der Landschaft. Ein DutzendHandzeichnungen von ihm in mannigfaltiger Ma-nier, darunter St. Francisc in Entzückung, wahr-scheinlich für das schöne Blatt von A. Carracci bestimmt, besaß noch 1810. das Kabinet paig-uon-Dljonval zu Paris ; und das Königl. Mu-seum: Gott den Vater mit mehrern Heiligen,wahrscheinlich für ein Titelblatt; wieder St. Fran-cisc auf den Knieen, vor einem Kreuze, undGt. Dominik, der ein Kind anferweckk. Vonvanni selbst geeyt kennt man verschiedene Blät-ter, und bedauert nur, daß deren nicht mehreresind. So eine kleine Madonna, Halbfigur, dasKind auf den Knieen; St. Catharina von Sienain Betrachtung vor einem Kruzefix; St. Bernard;Madonna mit dem Kind in der Höhe; St. Franszisc de Paula, unter einem Baume liegend, dasCruzefix in den Armen; Ebendasselbe, in Hinge-wandter Darstellung, und in den Wolke» ein En-gel, der auf der Violin spielt; Ebendasselbe inder ersten Stellung (Copie, jedoch auch mit demEngel: L'ar. ks. i 5 g 5 .) Hinwieder haben nachihm gestochen und geetzt: Ch. Albcrti, E. de Al-fiano, ein Anonymus, in Ph. Advents, eln Ande-rer in le VlondS, ein dritter in Douenfaiits Ver-lage, Blooteling, J.Callot, B. Capitelli, A. Car­ racci , D. Cavaleriis, I. Coelcmans, I. B. Co-riolano, ein Anonymus in D. Custodis Verlage,I. Episcopius, I. Florian, D. M. Fontana,die Galle's , R. Guidi, P. de Jode, L- Kilian,Minar, P. E. Moitte, Moreau, St. Mulinari,Ragot, G. Rousselet, I. Just. und R. Sadelcr,A. Scacciati, G Schärer, Ph. Tbomassin, ).Lurpin, ein Anonymus in A. Vaccario's Verlage,

U) Cochin I. 227,.». nennt von ihm zu Siena , in der St. Catherinen-Kammer des Pallastes, neben A»<derm, einen Tod dieser .peil'gen, mit schönen Köpfen; dann in St. Quirico ein Scce Homo, gut gezeich-net, von trefflichem Ausdruck, in Varoccis Manier gemalt, aber härter; und eben daselbst eine sehr schöneFlucht nach Egvpren; den Kopf der Mutter eben nicht von gutem Charakter, aber sehr artig, wohl cveffitt,lind von zartem Ausdrucke. Bey den Dominikanern zu Lucca sah und rühmt ebenfalls Lochst! (l. c. II.Y 5 -) einen Christus am Kreuze, der dem St, Thomas erscheint.