Band 
Zweyter Theil [4].
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2015
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V a s a r i.

Geschichtbuchs (heißt es dann, mit vielem Scharf-sinn) sey, daß so manche Sprüche und Leh-ren großer Künstler mit ihren eigenen Worten,zum Unterrichte der Nachwelt aufbewahrt habe *).Noch an einer andern Stelle seines Werkes (II.Zioi i.) spricht Lanzl, ausführlicher als oben,von vasari's Arbeiten zu Neapel , in dem Re-fektorio der dortigen Olivetaner («544 ), undvornehmlich von den dasigen Beweisen seinerKenntnisse in der Baukunst, welche er für bedeu-tender als seine Malertalente halt, so wie erauch den Geschmack an den sogenannten Stuccizuerst daselbst eingeführt habe Daß er aberin seinen Schriften den Zustand der Malercy zuNeapel so dürftig gefunden, daß er sogar einesAndrea di Salerno keine Erwähnung gethan;daß er hingegen (freylich mit einer gewissenSchminke von Bescheidenheit) rühme, wie erdort **) die Ingenien geweckt, u. d. gl. sey kurz«nd gut Eitelkeit. FioriUo dann (I. 092^-95.)glaubt von dem Unsrigen: Daß er, als Maler,von den übrigen Nachahmern M. Angelo's einerühmliche Ausnahme gemacht, welche in Rohheitder Umrisse, Gewaltsamkeit, und kurz Unrichtig-keit der Zeichnung, und in Mattigkeit der Tintenverfallen seyen. Wenige Maler hatten es ihm indem Gedränge von Figuren, das er in seinenCompositionen anzubringen, und in dem Tonevon Großheit, den er ihnen zu geben gewußt,gleich gethan. «Seine Gestalten" (heißt es dannfreylich weiter)blenden daher auf den erstenBlick; wenn man sie aber naher betrachtet, soverlieren sie ihre Kraft, und stehen, ohne irgendetwas auszudrücken, gleichsam nur durch An-strengung der Kunst da. Dieses Fehlers ungeach-tet, verdunkelte er" (wodurch?)durch die Gunstdes Hofes, die er genoß, alle seine Zeitgenossen,und die Gewogenheit Cosinus I. dessen Lieblings-künstler er war, gab ihm Ansehns genug, seineneue Schule der zeichnenden Künste am Arno zueröffnen, die von einer Menge fähiger Leute besuchtward, deren Arbeiten er in seinen Schriften **'')herzählt;ein Geschlecht von Malern freylich,an dem man" (wie H. FioriHo l. c. 094. selbstsagt)die Vorliebe für Michael Angelo , undsonstNichts wahrnimmt" ch).Denn diesem machteer selbst" (wie es dort heißt)beständig denHof ch's-), und zog ihn bey allen Arbeiten derMaicrey sowohl als der Baukunst zu Rathe.Lvacelers Urtheil dann über unsern Künstlerlautet (auch nicht unfein) wie folgt:Wenigeseines Berufes bewiesen so sehr, wie Er, daßauch die hartnäckigste Arbeit den Mangel des

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Genie nicht ersetzen kann. Er war ein guterZeichner, wackerer Architekt«, und verstand sichrecht wohl auf Verzierung. Seiner Werke sindso viel, daß man kaum denken kann, baß solchedie Frucht des Fleißes eines einzigen Menschenseyen. Wenn sein Pinsel trocken, sein Koloritschwach und hart, seine Drappirung manierirtwar, so ersetzt er diese Gebrechen gewöhnlichdurch Genauheit und Verstand seiner Formen,und durch einen schönen Charakter der Köpfe".Mit alle dem geht auch wareler an seinemSchlüsse so weit zu glauben:vasari's Namewäre vielleicht jetzt völlig vergessen, wenn ernicht geschrieben, und nicht andere große Män-ner durch seine Geschichte uns unvergeßlich ge-macht hätte". Er selbst soll für seinen Prival-charakter ein vortrefflicher Mensch gewesen seyn.Von ihm endlich noch, als Baumeister insbeson-ders lesen wir bey Milizia (Lci. rors. II. 29Z>.) eine Aufzählung seiner vorzüglichsten Werke.Dahin gehört sein Antheil an dem (jetzt fast z.nGrund gegangenen) Pallaste Julius III. vor derPorta del Popolo , beym Scurus-Bogen, vonAußen das Ganze von zierlichem Ebenmaaß, aberin einzelnen Theilen nicht sehr correkt; das In-nere eben nichts Besonderes. Dann sind zuPisa der Pallast und die Kirche der Ritter vonSt. Stephan, und zu Pistoja die schöne Kupolevon Madonna deil' Umilta von seiner Zeichnung.Allein besonders zu Florenz war es, woer den Palazzo Vecchio in bessere Form gebracht,und (sein Beßtes) den Pattast begli Uffici, einender schönsten daselbst, erbauet hatte Miliziagiebt dann die nähere Beschreibung desselben.Endlich folgt auch ein Preis seiner Kunstge-schichte, die sich, neben Andern«, von neuern ähn-lichen Italienischen Werken dadurch Vortheilhastauszeichne, daß sie nicht bloß (doch freylich nochgenug) überspannte Lobreden seiner Helden, son,dern meist eine unpartheyische Charakteristik ihresWerths oder Unwerths enthalte; übrigens mitdem Wunsche begleitet, dem wir ebenfalls bey-pflichten, daß ein geistreicher Mann uns den Kerndieser klar und ohne Ziererei) geschriebenen, aber des-wegen nicht minder oft in ermüdende Breite ge-zogenen Biographieen geben, und den unnützenUeberrest der Vergessenheit überliefern möchte.In Deutschland besitzt, unsers Wissens, von Va-sall einzig die Gallerie zu Dresden : Einentodten Christ, St. Magdalena und noch eineandere Heilige zu dessen Füßen, ein ganz kleinesBild; dann diejenige zu Sanssoucy eine Taufeder Apostel, nach Oesterreich '« Urtheil sehr

") Ausführliche (kehr lesenswerthe) litterarisch-kritische Untersuchungen nickt bloß über die bevden ersten, son-dern auch über alle folgenden Ausgaben der Vasarischen Kunstgeschichte, und über die Quellen, woraussolche geschöpft sind, s. in Fiorillö's RI. Schr. I. S. yy-i 3 r. Den Entwurf einer neuen Bearbeitungderselbe», welchen eben dieser Schriftsteller (Gesch. d. zeichnenden Nünsie B. I. S. 393 . A»m. <>) zumBeschlusse seiner Untersuchungen versprochen, haben wir leider! darin nickt gefunden; so wie wir uns hin-gegen freuen, daß die in 17ZZ. von dem H. von Murr angekündigte deutsche Uebersetzung nicht zu Standegekommen ist. Die uns bekannte neueste Ausgabe der Vasari, ist wohl diejenige, wovon »ni 1808. in derMailändische» l'ipogritssL cie ciassici lmliani die zwey ersten Bande erschienen waren, und welcher manübrigens, den schönen Druck ausgenommen, kein besonderes Verdienst zugestehen kann. Für die brauch-barste halten wir die in >,. Oktavdänden 17929,. zu Siena erschienene. Einige neuere italienische Knnst-fchriststeller, welche ihre Notizze» aus Archiven schöpften, machen Vasari freylich den, nickt immer unver-dienten Vvrwnrs: Er theile die von ihm angeführten Kunstwerke oft unrechten Künstlern zu, und verfalle,besonders bey den ältern, namentlich auch von seiner eigenen (der Florentinische») Schule, sonst noch inmancherley Jrthümer.

üs) ker gusnto xc extenäeva >1 mio xoco xspsre!

»n») Besonders auch in seinen: kaggwnsmenti. 4w kttren?« 588 . und in neuern Tagen zto /3oee2o 762.

-f) Die Schrift: Winkelmann u. s. Jahrh. S. 299. macht die richtige Bemerkung: Selbst die bedingteste,,Nachahmer Rapbaels: Bagnoccavallo, Garoffalo, Jnocenz da Jmola u. a. sind noch gefällige Künstler, de-ren Arbeiten doch immer Vergnügen gewähren, dahingegen Bronzino, Salviatti, Vasari u. «. Nachahmerdes Michael Angelo mit ihrer unangenehmen Einförmigkeit ermüden, und von ihnen Alle» wahr »st, wasein geistreicher Italiener namentlich von dem geschätztesten Werke des Bronzino sagte: »Hier ist viel Kunstaufgewendet worden, um ein schlechtes Gemälde zu machen."

fs) Hier verdient die Bemerkung Raum, daß Vasari den berühmten Moses von Buonarvti einem wirklichenHeiligen, oder dock einem erzürnten Fürsten ähnlich findet, mittlerweile Kichardson u. a. urtheilen,daß er einem Geisbocke gleiche. Kaum kann hier und noch zum öfter» die Wahrheit in derMitte liegen.

fff) Auch Morgenstern nennt ihn ein prächtiges Gebäude, l. (2.) 297.

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