Vecellio.
Hand ein Riechflaschgen, und sammelt mit derandern ihr fliegendes Haar. Hinter ihr, ihr grei-ser Liebhaber, der uns denn doch unwillkührlichan einen der Versucher von Susanna erinnert *);dieser verdreyfacht seinen Genuß vermittelst zweyerSpiegel, wovon er den einen ihr vorhält, und indem andern ihre Haarfülle von hinten erblickt.Kann wohl die Kunst die Macht der Augenlustsinniger ausdrücken? Dieß Bild, vbschon es vielgelitten, und in allen Beywerken völlig nachge«dunkelt hat, ist wegen der wunderschönen Haupt-figur noch von höchstem Werthe. Welche wahreFarbe, und was für Fleisch **)! — Endlich nochvier schöne Mannerbildnisse unbekannter Perso-nen ***), von welchen zweye jedoch ungewiß sind.
Hiernachst fanden sich, bis auf die jüngstenTage der großen Nemesis, neben obigen, im Mu-seum Napoleon , als Eroberungen, wenigstens nochfolgende Tiziane.
Erstlich (aus St. Johann und Paul zu Vene-dig ) die berühmte Marter, oder vielmehr Ermor-dung von St. Peter dem Dominikaner , welches(i8< hoch) auf Holz gemalt, durch Hacquin, sehrglücklich auf Holz soll übertragen worden seyn D)Dann die Marter von St. Laurentius, einst (undwahrscheinlich jetzt wieder) in der Jesuitenkirchezu Venedig , ebenfalls eines der wichtigsten Werkevon Tizian , und wegen der kunstreich angebrach-ten Wirkung verschiedentlicher Lichter besondersmerkwürdig ss-sf). — Eine Dornenkrvnung, eben-falls aus dem Venetianischen erbeutet -j-fd, undwieder eines der Hauprbilder des Unsrigen, wozumal der Christuskopf, zwar vielleicht nicht ganzrichtig gezeichnet, eine der Venetianischen Schule
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sonst ungewohnte Würde hat. Die Wuth derHenkersknechte ist wohl nicht stark genug ausge-drückt. Auf der anstehenden Baute erblickt man(als beschämendes? Ecce Homo!) das Brustbilddes — Kaisers Tiberius *). Eine Himmelfahrtder H. Jungfrau (Kirchenraub aus der Cathedralevon Verona ). Die Figur der Madonna ist edel,correkt gezeichnet, und der Kopf voll Adel, sowie auch die Stellungen und Köpfe der Apostelvon »„gemeiner Wahrheit sind. Das Colorit hakein wenig nachgedunkelt **). — Die große Compo-sition, welche, aber wohl in kleinern Figuren,die Anbetung der H Jungfrau vom Doge AntonGrimani ist. 1621.) barst llt, und ein sx votodesselben ist (wahrscheinlich für seine Zurückberu-fung ins Vaterland, aus welchem er wegen Ver-lust der Schlacht bey Lepante auf eine Weileverbannt worden) rührt natürlich ebenfalls vonVenedig her, und gehört zu des Künstlers schwä-cher» Arbeiten, ist aber deswegen nicht ohne^Schönheiten. Landon beschreibt und beurtheiltdas sonderbare Ganze, und giebt davon eine Nach-bildung im Umrisse ***). Einen sehr schönen Chrisstuskopf (den wenigstens Lepicie noch nicht nennt)beschreiben und beurtheilen hingegen Landon >fi),und das Manuel du Musee Fran^ois 'f-f-) undgeben solchen im Umrisse. Sein Werth be-sieht in einfacher Majestät; das Colorit hat, wiees sich hier gebührt, mehr Ernst als Pracht -j-j-f-).Zu den Kunsteroberungen gehört endlich sichernoch ein Bildniß, das sich bey Landon (?ortr.et Dabl. «j. 6enre 1. b?o. 5i.) beschrieben und intKleinen nachgebildet befindet. Dasselbe ist einKnieestück, und stellt den Cardinal Hypoint vonMedicis in militärischer Tracht dar, wieder sichals Liebhaber des Kriegswesens (kirchliche Feyer-
N) Landon giebt dem Kopf (wir wissen nicht nach welcher Physiognomik) nicht über — 4Z Jahre.
Ntt) Dieß Bild (hier rum erstenmal bemerkt) ist entweder das nämliche, welches einst (ursprünglich aus demCabinet der Königin Christina) in der Galerie OrleanS stand, oder ein Doppel desselben. S. cku Vor,6 e 8r. velsis p. 470. Eine treffliche Cvpie in Miniatur, von Mademoiselle Pfenninger, erhielt auf demZürcherischen Salon >8-7- einen der ausgesetzten Preise, und kam bey der Verlosung in die Hand des dor-tigen H. Staatsraths Usteri. Gestochen ist es in ältern Tagen von H. Dankert's; in neuern von Förster(Pr. 8- Fr.), in öffentlichen Blättern, lustig genug, als Pendant von Mükler's — St. Johann nach Do-menichino angekündigt; dann nach Borel's Zeichnung, von Schlvtterbeck, bey Filhol Nro. 455. und imUmrisse nachgebildet hey London (Annal. xn. Nro. 19.), der des Preises desselben nicht satt werdenkann. Die Leichtigkeit der Farbendlüthe daran, so wie die Durchsichtigkeit der Schatten, sey bewunderns-würdig; eben so auch im Manuel du Musee du firanxois Nro. -5.
n»-::-) Sie finden sich in dem ebengenannten Manuel Nro. 21—24. im Umrisse nachgebildet.
-s) Die mehrer» Blätter nach diesem Bilde sind schon oben genannt. Ein neuestes folgt noch unten. AuchLandon III- 17. und das Manuel du Musee Fran^ois geben es im Umrisse.
s-f) Hier bemerken wir «orderst, daß Tizian eben diesen Gegenstand für Philipp iv. aus Spanien gemalt.Von diesem letzter» Bilde hat C. Cort (-57-.) ein prächtiges Blatt geliefert, das in kräftigem Abdruckeselten, und später von E. Sadeler in kleinerm Formate zierlich, so wie auch von C. Moudeker nachge-krochen worden. Dasjenige, aus Venedig nach Frankreich gewanderte dann s. im Umrisse bey Landon(Annal. IV. Nro. 65.), und im Manuel du Musee Zraneois Nro. 2. Wir selbst besitzen eine alteausgeführte treffliche Zeichnung in Rothstein, welche dem Blatte von Cort völlig entspricht, und vielleichtvon ihm selbst, oder von einem andern geschickten Manne, rum Behufe seines Stichs ist gefertigtworden.
s-sf) So heißt es irrig bey Landon, statt aus Madonna beste Grazie z» Mailand .
Ein 20" hohes und -z" breites »on Scaramnccia meisterhaft geetztes Blatt nach demselben führt der
- Wtnklersche Gankatalog an. Zwey andere, aber mit weit weniger Geist haben P. Ghitto und V. leFevre geliefert- Ein neueres für das Musee Napoleon wird unten bemerkt. Auch Filhol hae es unterNro. 4Z7- Im Umrisse s. dasselbe bey Landon (Annal. IV. Nro. 65.) und im Manuel du MuseeFranoais Nro. Z.
S. dasselbe im Umrisse bey Landon vm. Nro. n.
Z. Annal. XI. Nro. 29. Wobey wir jedoch bemerken, daß in einem alten schönen Holzschnitte (29" br.15" hoch) der Doge Franz Donato heißt, auf den somit London '« ganze obige Erzählung von Grimaninicht paßt! Auch ist es wahrscheinlich dasjenige Bild, was Fiorillo oben den Glauben nennt, welcheseinst in dem Pallaste des Doge stand. Das Manuel -u Musee giebt es ebenfalls unter Nro. n. derBilder von Tizian , und sagt davon: Die übrigens schön gemalte Figur des Donatair's sehe einem —Donquirorte ähnlich.
4 ) Annal. XV. Nro. 51.
ff-j-) Oben nennt Fiortllo noch als italienische Kunstbeute zwey Ehebrecherinnen, die eine aus Verona , dieandere aus Moden«, welche bey Landon sich nicht befinden.
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