Band 
Zweyter Theil [4].
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2042
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2042 Vecellio.

benreiz und Feinheit der Charaktere. Eine fünfte,wo die Mutter das in ihrem Schovß auf einemKissen liegende Kind mit gefalteten Handen an-steht, mittlerweile ein Engel das Kissen zu unter-stützen scheint, und ein zweyter das Kind mitEhrfurcht betrachtet, hat ebenfalls für Coloritund Ausdruck schöne Theile *). Ein Ecce Homomittlerer Größe ist gut componirt, und hat nochviel Ausdruck, aber die Farbe ist verdorben.Eine Grablegung ( 4 ' 5 " hoch, 6^ 7" br.) dannist eines der schönsten Bilder unsers Künstlersfür Composition, Wahrheit der Lokalfarben, schöneToccirung und große Manier. Dasselbe kam vonMankua nach England, und alsdann durch H.Jabach an den König **). Eben so das nochmerkwürdigere Bild der Jünger von Emaus, unterdem Namen la Rappe bekannt (b< 3 " hoch, 7^7 ss" br.), und wegen allerley Verstoß gegen Co-stum und Würde in altern und neuern Tagen sehrscharf beurtheilt; aber darum nicht minder einesder wichtigsten Werke in allen denjenigen Kunst-theilen, in welchen Tizian ein so großer Meisterwar ***). Nach einer Ueberlieferung soll der Jün-ger zu Christi Rechten Carl V. -f-), der andere,als Pilgrim gekleidet den Cardinal Timenes,und der aufwartende Bediente Philipp II. vorstellen.Eine reuende Magdalena, in gewohnter Stellungund Ausdruck, ist ein kleines aufHolz gemaltesBild,in sehr schlechtem Zustande, und das überdiesnicht aus Tizians guter Zeit seyn mochte -s-s-).St. Hieronymus in einer Grotte auf den Knieen,im Begriffe, mit einem Kiesel sich auf die Brustzu schlagen. Das Hauptlicht fällt auf die Figurdes Heiligen; ein sehr schönes Bild für Zeichnung,großen Charakter und kräftige FärbungEine schöne Skizze, welche die erste Sitzung deSTridentinischen Conziliums darstellen soll ( 5 ^ 7"hoch, 5 ^ br.). Jupiter und Antiope (6< 1"hoch, 12^ 3 " br.), wieder eines der größten undschönsten Werke des Unsrigen, einst von Philipp IV. von Spanien an Carl I. von England ge-geschenkt, und nach dessen Tod ins Franz. Cabi-net verkauft: Jupiter in der Gestalt eines Satyrs,in großer Manier gezeichnet; er hebt die Deckevon der schlafenden Nymphe, in seinem Gesichtder vereinte Ausdruck von Neugierde, Lust undLiebe; die Lage der Antiope leicht und natürlich,

Veceiliv.

ihr Nacktes von schöner Wahl, und fließendenund reinen Umrissen. Dann allerley Beywerkedie mehr und minder zu einer Jagdscene gehören;ehemals sehr schöne Landschaft, die sich aber nachund nach auslöschen will *). Perseus , der dasUngeheuer bekämpft, und Andcomeden befreyt(t? hoch, 7/ 2" br.). Die letztere nackt an denFelsen geheftet, drückt das Schreckliche ihrer Lageaus. Perseus , in den Lüften, beginnt den Streitvoll Kraft; in der Entfernung eine Stadt, undMenge Volks am Ufer. Das Ganze überhauptin großer Manier gezeichnet, und von guter Fär-bung **,. Lucretia , die sich gegen den UeberfallTarquin des Stolzen vertheidigt hoch, 4 s-br.)Er faßt sie mit der Linken, mit der Rechten hebter drohend den Dolch empor. Sie strengt alleKräfte an, dem viehischen Angriff zu widerstehen;Schmerz und Schrecken sind auf ihrem, Begierdeund Wuth auf seinem Gesicht ausgedrückt. DieComposition ist eben so einfach, als groß, ohne»»nöthiges Beywerk. Das Bild, obgleich sehrbeschädigt, zeigt immerhin Tizian als großen Co-loristen ***). Von Bildnissen bekannter Personendann: Vörderst dasjenige Franz I. (schon von des-sen Zeiten her in dem Königl. Kabinet aufbewahrt),im Profil dargestellt, und auch wegen dem son-derbaren Costum bemerkenswerth; dabey vortreff-lich erhalten, und wie erst gestern gemalt 4°).Dasjenige des Marquis von Guast (Alfons d'Ava-los) Feldherrn Carl V. der in i 544 - die berühmteSchlacht von Cerizoles gegen Franz von Bourbon,Prinz von Enguien, verlor. Dieses seltsam, undzum Theil unverständlich historirte Bild mittlererGröße stellt den bepanzerten Krieger so dar, daßer seine Rechte auf die Brust einer schön geputz-ten Frau legt, die eine gläserne Kugel in der Handhält und aufmerksam zuhört, wie eine andere,junge lorbeergekrönte Frau (wohl eine Viktoria)mit Gebehrden der lebhaftesten Ueberzeugung zuihr spricht. Vor ihr steht ein Amor mit einemPfeilgebund. Eine dritte Figur, deren Kopf mannur in Verkürzung sieht, halt in den gehobenenHänden einen Blumenkorb. An diesem Bildewird man nie müde, den schönen lieblichen Ton,die Rundung und das Relief, zumal in dem Amor-kopfe zu bewundern - 4 -f-). Tizian und sein soge-nanntes Liebchen 'j-fH). Sie hält mit der einen

--) S. es bey London (Annal. xv. S- iZ--) im Umrisse. Mutter und beyde Engel müssen wohl wunder-schön seyn. Das Kind lullt an dem Finger.

kousseler -c. Und im Umrisse bey London VII. Nro. 57.

s»-:-) LI-ASON sc. Unübertrefflich. Auch F. Chauveau (desselben schönstes Blatt) sehr gut. Im Umrisse s. esauch bey London III. Nro. 5. Das Massonsche Blatt wurde schon zum öfter«, in guten Drücken, mit20. und mehr Dukaten bezahlt.

f) Morirtte glaubt: Der Marquis del Quasto, für den das Bild gemalt worden.

44 ) p. i^ombsrä Andere, wohl schönere, diesen Gegenstand darstellende Blätter haben M. Nota mit großerFeinheit des Grabstichels, und C. Cort (letzterer ein seltenes, mit der schönen Jnnschrift: credo Komi,--iooeiu keccsroiuw) gegeben.

444 ) Dergleichen hat C- Cort, und V. le Fevre gestochen, und Hugo de Carpi (-. u. ein Anonymus) ein schö-nes und seltenes Blatt in Helldunkel mit zwey Stöcken in Holz geschnitten.

-y L. ksroo »0. Dieses Bild sowohl als die Skizze vom Tridentinischen Concilium findet sich auch in demManuel du Musee Fronvoi» Nro. >z. und »4. in schlechtem Umrisse nachgebildet, dafür aber geist-reich beurtheilt. London hat sie nicht. Und, sonderbar! auch unter den Steindrücken aus München treffen wir ebenfalls eine» Jupiter und Antiope (vielleicht nach einer Handzeichnung) von Pilot».Und wird nämlich unter Tizians Bildern zu München , Schleisheim u. s. f. (s. oben) eines solchen Ge-genstands nicht erwähnt.

-.:-!!-) Von diesem Gegenstand (ob gerade nach diesem Bilde wissen wir nicht) kennt man ein schönes Blatt vonI. B. Fontana.

«nr-) 6. corl rc. ,L?6. meisterhaft. Ob aber gerade nach diesem Bild, ist uns unbekannt.

4 ) v. pl. Peru ?<?. und, in ganz neuen Tagen I. B. Massard, nach ke Maire's Zeichnung, im XI.V, Heftdes Musee Napoleon . Bey Filhol Nro. 457.

44) lA. Xilsiis sc. Das Manuel du Musee Fronxoks, Nro. -9- giebt es im Umrisse, und erklärt dieAllegorie nicht unfein. London hat es nicht. "

4 f"f) Nickt eine Tochter des Palm« Vecchio, wie Soschini will. Ileberhaupt aber sind wohl alle jene Kunst-anekdoten von den Liebschaften des Unsrigen (wie wir unten hören werden) leidige Fabeln.