Band 
Zweyter Theil [4].
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Vecellio.

lerie) geschabt; beyläufig zu bemerken, eines derfrühesten Blatter dieser Gattung in Deutschland ,und endlich dasjenige aus der Galerie zu Florenz ;dann das wunderschöne (sehr seltene) Conversa-tions-Stück, wo der vielleicht siebenzigjahrigeKünstler sein Liebchen um ihre Gunst zu erflehenscheint, herrlich von Ant. van Dyck, mit einerwie in Feuer getauchten Nadel geetzt *). Wo sichdas Urbild befinde, ist uns unbekannt. Don an-dern Bildnissen nach dem Unsrigen nennt der Ka-talog von Winkler besonders Viere aus dem Cabi-net Reynst: Boccazens, des Dominikaners Cam-panella**), Arelin's und Tintorett's, alle vonvan Dalen gestochen, prächtige Blätter. WiederAretin's und della Casa's, von W. Hollar, dürf-ten vielleicht (als von so großen Männern) we-gen vorzüglicher Kenntlichkeit bemerkbar seyn.Von Vielen, welche Carl V. darstellen, soll ei-nes, ohne Namen des Künstlers, oben mit Csro-lus Imperator s)uintus überschrieben, schönseyn ***). Wir möchten noch eines von Suydcr-hoef kennen, und eben so dasjenige Philipp II. von Joh. Morin in seiner schönen Punklirma-nier, und wollten dagegen alle unten vorkommen-den 12 Römischen Kailer mit sammt ihren Frauen,von Aeg. Sadeler gestochen, tauschen; obgleichauch diese aller Ehren werth sind. Ferner (desHelden wegen) seinen Jgnatius Loyola, wohl ir-gendwo in England versteckt, von I. Faber ge-schabt; und (wahrscheinlich ebenfalls dort vergra-ben) die Familie Cornaro, vor einem Altar aufden Knieen, von B. Baron (handln. 1702.), eingroßes Carln Seymour zugeeignetes Blakt. Undwo mag wohl Tizians Urbild von Rüphael ste-cken, welches W. Hollar und P. Pontius gemein-schaftlich so angenehm gestochen haben ? Und nunvon Geschichtlichem, vörderst Religiösem. Ausdem alten Testamente bemerken wir hier einzig:Pharao's Armee im rothen Meer versenkt (7^ br.^ hoch) vielleicht der größte Holzschnitt in derWelk von Dom. della Grecche (Vene?. i 5 jg.)und den gleichen Gegenstand, auf vier Blattern(Helldunkel in zwey Stöcken) von A. Andreani1589 , vielleicht bloße Copie des erster»'s-). Ausdem neuen Testamente, neben dem schon oben, hierund dort angeführten: Eine Verlöbniß der Mariavon I. I. Caraglio; Verkündigung von E. V>-cus; Geburt wieder von Caraglio; Anbetung derHirten, schöner Holzschnitt von N- Doldrini; ei-nen Kindermord, prächtig gestochen von M> Rota;eine schöne Flucht nach Egypten, von I. Buona-ser, in guten Abdrücken selten. Von mehr andernH. Familien werden besonders ein großes 19" brei-tes und 14" hohes Blatt mit St. Elisabeth,St. Zacharias, und einem Engel, von P. deJode, und ejn Holzschnitt mit der Verlobung vonEt. Catharina, schön genannt. Eben so einedritte, wieder mit dieser Heiligen und St. Jo-seph, der die H. Jungfrau wegen seinem Ver-dacht auf sie um Vergebung zu bitten scheint(was wohl schwer auszudrücken seyn mag), einBlatt welches Viele Tizian selbst zueignen; einevierte und fünfte, wo Madonna das Kind St.Johann in der Wüste vorwcis't, die eine von L.die andere von W. Kilian; eine sechste und sie-

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bente von C Bloemaert, deren eine mit RaphaelsMadonna della Sedia viel Ähnlichkeit hak; eineachte von H. Snners; eine neunte mit St Peterund St. Anton von Padua, nennen wir deswe-gen, weil das Urbild sich, wenigstens zu des Ste-chers Zeiten, noch in der Schule St. Roch zuVenedig befand. Ein Ecce Homo von L. Vorster-mann, soll schön, und eben dieser Gegenstand(i 4 " hoch-, 2t>" br.) von W. Hollar vollends einKapitalblakt seyn. Ebenfalls schön eine geetzteAbnahme vorn Kreuze, von Chauveau, und zweyGrablegungen von I. Buonasone und P. Pon-tius. Zu dieser Rubrik gehören noch: Die drey-faltige Gottheit in einer Glorie von Engeln, mitden vornehmsten Heiligen alten und neuen Testa-ments, unter denen Carl IV., Philipp II. unddie übrige Kaiser!. Familie, von Maria, als Für-bitterin, ihrem Sohne dargestellt werden, nebenwelchen der Künstler auch sein eigenes Bildnißangebracht hat, nach dem Urbild« im Eskurial,von C. Cork (i 566 .) unter Tizians Aufsicht ge-liefert. Ferner eine Auferstehung, die sich in derGalerie zu Floren; befinden soll, und welche nachHeinecke (läöe p. 56 .) in dem ältern Galerie-werk gestochen erscheint. Weiter das sehr selteneBlatt: Lkristi Nriumphus; eine i j" hohe und9 t" lange Frise, welche auf acht zusammenge-stoßenen Holzstöcken die ganze Kirchenhierarchie,Adam und Eva an der Spitze, dann die Patriar-chen, Sybillen, Evangelisten u. s. f., alles mitlangen lateinischen Auslegungen begleitet, dar-stellt, von A. Andreani. und Ebendasselbe in Co-pie von Joh. Tbeod. de Bry, ungemein za>t ge-stochen, beyde von äußerster Seltenheit; dann vondiesem letzter» zwey andere kleinere Frisen, dieeine Triumph des Todes betitelt, wo ebenfallseine Prozession von zwey Figuren des Todes, ei-ner zu Fuß, und einer zu Pferd (welche letztereeinen Leichenwagen führt) begleitet wird VonBlättern nach Heiligen - Bildern nennt Huber(neben den hier und da schon oben erwähnten)schön: Einen St. Johann den Evangelisten zuwelchem der Ewige aus den Wolken spricht, nacheinem Bild in St. Johann zu Venedig , von A.Zucchi; ein Pfingstfejk mit den drey Marien undallen Aposteln hat I. B. Jackson (21" hoch,br.) in gelblichtem Helldunkel, schön geliefert.Nach zahlt der wtnklersche Katalog zu dieserRubrik: Die vier Triumphe der Zeit, des Ruhms,des Todes und der Religion, nach Pekrarcha, vonPomarede (i75o.) gestochen. Von Geschichtli-chem nennt eben dieser Katalog, neben dem schonAngeführten: Eine Sibylle, die dem Kaiser Au-gust das Bild der H. Jungfrau mit dem Kindin den Wolken zeigt, von M. A. del Moro ge-stochen, als Staffage zu einer Landschaft, einseltenes Blatt; dann Milon von Crotona, mit derHand in der Baumspalte, von einem Löwen zer-rissen, ein schönes ebenfalls seltenes Blatt inHolz geschnitten ohne Zeichen; und (wieder schönund selten) gleichfalls so: Laocoon mit seinen Söh-nen, als Affen, womit Tizian nicht der Anti-ken wie wir hoffen, sondern der VermessenheitB. Bandinelli's spotten wollte, der wähnte, daßman seine Copie höher als das große Urbild schä-

*) Die ächte Geschichte weiß indessen ganz nichts von einer solchen, beynahe ärgerlichen, Liebschaft des greisenTizians; wohl aber, daß er noch in seinem Achtzigsten der wunderschönen und geistreichen Irene vonSpilimberg, in Friaul , Unterricht im Zeichnen gab; aber der unschuldigen Freude nicht lange genoß, dadiese durch ganz Italien gepriesene Blume ihres Geschlechts schon im ersten Jahr ihrer Bekanntschaft mitihm dahinstarb. -Ho-r- p. 22727. Daher geht wahrscheinlich das von Vandyck geetzte so gut, alsdas vbenangeführte Bild in der Gallerie Orleans , wohl keine andere ihres Geschlechts als unsere Irenevon Spilimberg an.

Nach Andern dies von Tintorett gemalt.

^') Rartsch (Xll. ,40.) kennt auch eines, Halbfigur, von einem Ungenannten in Holz geschnitten, und zwarzum Theil auch in Abdrücken von zwey Stöcken in Helldunkel.

-f) 42" breit, 2z" ho». Ohne Zweifel dasjenige, was Küßki m. 5-53- beschreibt und meisterhaft undselten nennt. In demselben die eckelhafte Farce eines, »eben Moses stehenden, mit seinem HintMheilgegen die Cgpvtier gekehrten Hundes, der seine Crkremente gegen dieselben losdrückt.