Band 
Zweyter Theil [4].
Seite
2055
JPEG-Download
 

Been.

gegen oder in der Mitte des XVII. Jahrhundertsgelebt haben muß. Mrc.

* veen (Martin van), f. den Schluß desfolgenden Art. Gero van veen.

* (Octavius van), gewöhnlich (wohlrichtiger) Otto venius, auch vaenius ge-nannt *), von angesehenen Eltern erzeugt, erhielter eine gelehrte Erziehung. Der Kardinal-BischofGraesbeck zu Lüttich war es, der ihn nach Rom förderte, und ihm an dem Kardinal Maduccioeinen neuen Gönner erwarb. Nach sieben Jah-ren dortigen Aufenthalts gieng er nach Deutsch­ land , wo er sich an den Höfen zu Wien , Daiern»ind Cölln einige Zeit aufhielt, bald aber seinVaterland allen auswärtigen Höfen vorzog. Beydem damaligen Gouverneur der Spanischen Nie-derlande, Herzog von Parma, eben so wie, nachdessen Tode, bey dem Erzherzog Albert, stand erin großem Ansetzn, von welchen er theils Titel,theils wirkliche Aemter erhielt. Einen sehr schmei-chelhaften Ruf Ludwig XIII . an den Französischen Hof, und sogar den Auftrag, Zeichnungen zuTapeten im Louvre zu fertigen, hatte er abge-lehnt **). Seinen Kunstcharakter giebt schon dasLexikon, und bey kvareler heißt es von ihm(nach Huber) : Er hatte ein leichtes und nüch-ternes Genie. Anmuthig in den Kopfgestalten undrorrekt in der Zeichnung, zumal in den Extremi-täten, wußte er seinen Figuren Ausdruck, abernicht genug Adel zu geben; die Kunst zu drap-piren belaß er sehr gut, und eben so die Kennt-niß des Helldunkels. Das Kostüm beobachtwie er unter allen Holländischen Künstlern amBeßten". Descamps (I. 226 2/.) zählteinige seiner vorzüglichsten Werke auf. So z. V.in der Cathedrale zu Antwerpen , neben dem imLex. genannten Abendmal, das Hauptaltarblatk:Christus mitten unter den bekehrten Sündern;dann in der Pfarrkirche zu St. Andre die Marterdieses Heiligen, und Magdalena zu Christi Füßenbeym Pharisäer Simon, im Refektorium St.Vinox zu Bergen. Nachdem er seine Sinnbilderder irdischen Liebe der Jnfantin Jsabella zugeeig-net hatte, verlangte die fromme Prinzessin vonihm ein ähnliches Werk über den höher» Amor,der im Himmel wohnt. Diese und ähnlicheWerke stattete er selbst mit allerley Gelehrsamkeitim Geist seines Landes und Zeitalters, oder viel-mehr in einem verhältnißmäßig bessern aus. Da-hin gehört auch seine Geschichte des Kriegs derBataver gegen Cl. Civilis und Cerealis, nachLacitus, mit Kupfern geziert. Bullarr in sei-ner ^csöemio lies 8cienees et cles Krts etc.kol. 1682. führt ihn nicht bloß als Maler, sondernauch als Geschichtschreiber und Dichter auf. Vergl.auch überhaupt über den Mistigen Florkllo'sDeutschland II. 61922. In Deutschland besitzenvon ihm die Galerie zu Wien : Eine H. Fami-lie mit Engeln die dem Kind Früchte reichen, inganzen schwachlebensgroßen Figuren; dann dieBildnisse der beyden Erzherzoge, Ernests und Al-berts von Oestreich, und endlich die (nicht unfeine)Allegorie einer geflügelten Glücksgöttin, die ihreGaben (mit der Rechten Scepter und Krone, mitder Linken oft auch mit der Rechten Dor-nen) ausstreut. Die Galerie zu München dannwieder eine Allegorie: Mann und Weib mit einemKinde, von dem Tod in Ketten gefesselt, werdendurch die süße Hoffnung eines bessern Lebens wie-

Veen. 2055

der getröstet (wie wohl der Künstler letzteres vor-stellen mochte?), Bild mittlerer Größe. Schleis -heim besitzt von ihm: Den Gang der christkatho-lischen Kirche und ihrer Lehrsätze, von ihrer Ent-stehung an bis in die Zukunft, durch Siegeswä-gen und allegorische Figuren, in sechs 2^ 4 " ho-hen, und 3 ^ 0" 6^" br Bildern vorgestellt. S.die interessante Beschreibung davon im neuenCatalog von Schleisheim. Einige derselben zeu-gen von dem (für seine Zeit seltenen) »gemeintoleranten Geist des gelehrten Künstlers. Soschleicht z. B. am Ende der Fanatismus, mitbrennendem Gehirn davon, und trägt seinen (un-nützen) Helm in der Hand.Hätte man" (sagtdaher der H. von Männlich sehr gut)zu Ma­ drid , wo damals Philipp II. herrschte, den wah-ren Sinn und die Prophezeyung geahnet, welcheein Künstler zu Brüssel in diese Bilder zu legenden Muth hatte, er wäre wahrscheinlich demSambenito nicht entgangen." Dann r 5 . kleine(9" 5"' hohe, 5 " br.) Bilder auf Kupfer,welche Evangelische Geschichten vom EnglischenGruß an bis zum Pfingstfeste darstellen; endlichAmor in Betrachtung vor einem Lodtenkopf, undauf der Rückseite warum nicht? Madonnamit dem Kinde, auf Goldgrund *). Salzrha-lum dann hatte einst von ihm zwey kleine Him-melfahrten Maria, auf Kupfer, und eine Aufo-pferung Jsaaks (k? 6" Zoll hoch, 4t 2" br.) aufLeinwand. Ganssoucy eine Auferstehung Lazariin ganzen lebensgroßen Figuren; dann einen Par-naß, kleine Figuren auf Leinwand (Oestreichsagt: Ohne Harmonie, mit zerstreuten Lichtern;sonst viel Gutes darin, ungefähr in Rotenham-mers erster Manier); ferner eine Allegorie auf ei-nen Prinz von Oranien, wieder in lebensgroßenFiguren von vielem Geiste, und RubensischemColorit, die von Oestreich einem Grro veniusdem Sohn, der nie vorhanden war, zugeschriebenwerden. Auch das Cabinet des H. Hof- undLandgerichts-Advokaten Schmidt zu Kiel besaßvon ihm (1809.): Salomo auf dem Throne, demdie Königin von Saba Geschenke bringt, mit der(etwas köstlichen) Bemerkung:In diesemartigen Gemälde sieht man schon das von Ru­ bens noch verschönerte Colorit seines Lehrers."Im Französischen Museum befand sich nochin i 8 i 4 - (wir wissen nicht ob von Alters her,oder als Kunsteroberung) eine AuferweckungLazari in lebensgroßen, in beschränktem Raumsehr gut zusammengestellten Figuren, wie solchesaus einer Nachbildung im Umrisse bey EandonXHl. Taf. 3 /. schon genug ersichtlich ist, der vondiesem Bilde urtheilt:Man sehe daraus,daß der Künstler in Italien gebildet worden; dieZeichnung sey correkt; die (sich hervordrängenden)Weiberköpfe haben Grazie und Naivetät; und,die Bizarrerie einiger Kleidungen abgerechnet, seydie Composition von gutem Styl und Ehrfurchtgebietendem Ansehn; das Colorit dann freylichweder wahr noch verführerisch, von kaltem Tonund grünlichen Mitteltinte».'' Das CabinetPaignon-Dijouval zu Paris besaß von ihm noch1810. sechs Grau in Grau iu Oel auf Papier gemalte Scizzchen zu seinen Emblemen von göttli-cher und menschlicher Liebe, und eine ausgetuschteKinderscene, Was Orro's Bruder, (ßilbert, nachihm gestochen, haben wir oben unter dessen Art. schonvernommen. Einige schreiben die Embleme ausHoraz , eo 3 . Blätter (welche, nebst Gelbere,auch die Sadeler gestochen haben), nebst denje-

So (bemerkt einer unsrer Freunde) nennt er sich selbst auf einem Bildnisse Alexanders Farnese.

Ntt)Sey es nun" (meint watelet)aus patriotischem Zartsinn, oder, welches wahrscheinlicher ist, ausFurcht, sich an dem Spanischen Hofe verdächtig zu machen."

Der ältere Katalog von 6>chlet«heim nennt noch überdies: Die Hoffnung ermähnt Adam und Eva znmVertrauen auf Gott (also wieder etwas Heiteres in jener dunkeln Zeit); Gott zeigt Moses das gelobteLand; Susann« im Bade, mit den beyden Alten; Christus am Kreuze zwischen den Schächern, unten Mag-dalena; und die drey theologischen Tugenden, lauter kleinere Bilder. Wo solche späterhin hingerathenseyen, ist uns unbekannt.

Gggggggggggg