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Schmerz! Wie wunderschön der Contrast diesesEharackters mit zwey andern Gefangenen, dereneiner zu schwören und mit gen Himmel gehobenemBlicke die ganze Natur über die erlittene Nieder-lage anzuklagen, der andere die Einbusse seinerFahne mehr als den Verlurst seiner Freiheit zu be-dauern, ein dritter in stummen Schmerz versunken,nicht bloß sein eigenes, sondern auch das Schick-sal seiner ganzen Parthey, aufs Bitterste zu fühlenscheint. . . . Dort tragen Französische Jager«inen verwundeten Feind, und bieten ihm alleHülfe dar, die in ihrem Vermögen sieht — undjener junge Conscribirrte, mit welcher mit Stolzvermischten Freude halt er nicht zwey Fahnen, dieKriegszeichen seines Muths, in seinen Armen!Das heißt, wie ein Dichter komponieren, ohnedarum aufzuhören, Geschichtschreiber zu seyn.Die Gruppe indessen, wobey sich das Aug amlängsten verweilt ist diejenige, wo man den erstenEonsul, von seinen Feldherren umgeben, erblickt.Er eilt überall hin, wo seine Gegenwart nöthigist; alle Bewegungen von Menschen und Pferdensind voll Leben und Wahrheit, man kennt jedePerson. Die Landschaft ist geräumig und reich,die Lage genau, der Hauptton frisch und harmortusch, doch etwas graulicht. Der Himmel iststürmisch, es regnet, und dieser Zufall bringtwieder andere auch auf dem Bilde hervor. In-dessen wäre zu wünschen, daß Lichteffecte und Hell-dunkel etwas beßer verstanden seyn, und die Gründemehr auseinander reichen möchten; Gebrechen,welche ohne Zweifel das Hauptbild vermeidenwird. Sonst ist die Toccirung leicht, fein und geist-reich. Alles ist kräftig gezeichnet, u. s. f. Nochwird dort von einer Zeichnung des nämlichenKünstlers auf eben diesem Salon (1806) gespro-chen, welches einen Mamelucken-Marsch dar-stellt. »So schön gezeichnete Pferde" (wird auchVier bemerkt) „scheint das Eigenthum unsersKünstlers zu seyn. " Dann von der Familie ver-tier: „Der Vater hatte als Marinenmaler nichtSeinesgleichen, der Sohn scheint itzt als Schlach-tenmaler denselben Rang zu erhalten, und hat nunbereits wieder Söhne, welche die glänzendstenAnlagen verkünden In 1807. sah man von demAnsingen in der prächtigen Galerie des PallastesDer dermaligen Prinzessin Mürat zu Paris Land-schaften , mit Figuren von Gerard und Gros staf-fiert. Auf dem Salon 1808. stellte er das schöneBild aus: Wie der Kaiser Napoleon , am Morgenvor der Schlacht bey Austerlitz (s. K. Eylau),von dem Hügel, wo er die ganze Armee übersehenkonnte, seinen Marschallen die Befehle ertheilt.Alles ist zu Pferde, jede Figur in seiner eigenthüm-lichen Thätigkeit. Das Leben der Compositionist von eben so lebhaftem Colorit unterstützt. DiePferde sind unvergleichlich, wie immer. Um die-selbe Zeit. erhielt er von dem Kaiser den Adler;und in 1810. von der Jury, bey ihrem Urtheilnber die Dezennalpreise, die sogeheissene EhrenvolleErwähnung (Mentlon üonorable ) für seinen schongedachten Entwurf der Schlacht bey Austerlitz .welche somit auch damals noch nicht ausgeführtwar. Zu seinem uns bekannten Neuesten gehörenzwey treffliche Carrikaturen auf dem Salon voniLiä. und das in 1812. ausgestellte Dildniß desH. Herzogs von Berry zu Pferd; der Prinz (heißtes) voll Grazie und Würde, das Pferd voll Le-ben; mit dem Zusätze: „Die Figuren im zweyten
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Grund könnten edler seyn". Gestochen nach ihmkennt man vörderst seinen Tod des Hipolytus,von Darcis und^ I. Godefroy gemeinschaftlichbearbeitet, ein prächtiges 2' 8" breits und V 10"hohes Blatt, welches c>6 Livr. kostete, und wo-von es im schon erwähnten Zürcher-Journalfür Litteratur und Runst S. 75. (wohl etwasungütlich) heißt: „Die beyden Kupferstecher schei-nen bey diesem Blatte alle möglichen Manierenangewandt zu haben, theils um dem Effekte nach-zuhelfen, theils wohl auch, um desto geschwinderfertig zu werden. Es scheint aber, als wenndieses Aufbieten so verschiedener Kunstmittel derpunktirten, Crayon- und Linienmanier eben nichtder Harmonie zum Vortheile gereichte. Sonst istdie Behandlung kräftig und geistreich, und diesesBlatt zu einer brillanten Zimmerdekoration vor-züglich geschickt". Auch die „ungebührlich" ge-nannte Größe dieses Blatts wird daselbst gerü-ger. Dann von dem schon genannten Darcis für sichbesonders nach unserm vernet vier punktirteBlätter: Ie8 ^ppret8 «j'uns Oour8«; Ie8 loc-key'8 rnonte8 ; la Oonrse und 1' Arrivce laEourse; von des Künstlers Gattin, Fanny ver-net 1804: Mameluck , ramalkant 8 a Isnce avec§on 8abrs (Pr. 6 Fr.) geistreich*) und ganz imCharackter ihres Mannes, in Kreidemanier; undvon Debücourt ebenfalls mit viel Geist in Schwarz-kunst geschabt: Die Hunde, die ihre Spur verloren.In 1807. sah man, von ihm im Umrisse gezeich-net , und von Gamble sehr gut gestochen, denAnfang einer Folge, welche, unter dem Titel:6rsvure8 üe 6h3s8o, mit allen Umständen einersolchen, sowie sie in ermeldtcm Jahre bey Paris gehalten wurde, in sich faßt. Eö sollte 6 Hefte ge-ben, deren jedes vier Platt begreifen und 9 Fr. kosten ,werde. Ob dann ein anderes von David: kuona-parte, ä In öatsillc «ie MarenZo, apprensi I»rno:t clu Oöneral Dsssix (20" breit 16" hoch,Pr. 12 Livr. S.I.I. 24 Livr.) nach Ihm sey, wirdin den TVouu. cie§ III. 266. nicht deutlich ge-meldet. Wir glauben eher Nein! Hingegen findenwir anderswo nach ihm: Das Bildniß Bonapar-te's von Darcis. Auch werden von ihm irgendwoCarrikaturen: le8 Incroy»ble8, les lVlsrveilleu-8S8 u. s. f. angeführt. Lonk. I.
ZZ. II. 82. III. 266. IV. 19. 1Z8. 3i2. Allgem.Bunstz. 8. S. 176. 248. In ganz neuern Tagen(1816.) gab G. Engelmann**) zu Paris , füreinen Lour8 complet ü'bltudeg ÜU üelkin, inSteindruck , nach ihm: Drey Arabische, zweyEnglische Pferde und zwey Kosacken. Nochin einer andern Notitz von ihm heißt es: „Nachihm sollen Pferde- und Schlachtenstücke (meistschöne Blätter) gestochen haben: Coqueret 2 ge-schabt, Darcis 6, P. L- Debücourt 12 sehr schönin Kreidemanier, Schwarzkunst und Aqnatinta(darunter Carls Hauptbild: krcpsraükk 6'unspoule enrre 8>x cüvvuux cle cc»ur8e); Demar-teau 6 Bl. le Fevre - Marchand: Die Garde desKaisers Napoleon , gr Realfol. schön geschabt; l«Vachez 8 BI; Rüotte 2 Bl- in Kreidemanier; N-Schenker: Buonaparte und Moreau, jeder zuPferde, 2 Bl. punktirt; Darcis das Bildniß desSchauspielers Dosenville u. s. f. Dieser Künstlerlebte noch 1817. und hatte auf dem Salon diesesJahrs mehrere Zeichnungen mit militärischen Ge-genständen ausgestellt.
Aus Veranlassung dieses Blattes fällt ein, zumal i» diesem Fache kenntnißreicher deutscher Kunstfreundüber vernet ein, frevlick die gewöhnlichen Lobpreisungen sehr beschränkendes Urtheil, wie folgt: »MitAusnahme jenes einzigen Blattes hab'ich auch nicht eine einzige Darstellung von ihm gesehen, wo nicktdie fast um einen Drittheil des Unterfusses zu hochbeinigem Pferde eine oft lächerliche Carrikatnr einesArabischen oder Persischen Blutpferdes, das obendrein in einer Art von Wuth sich befindet, darstellen.Alles ist «la Mameluck; und eben so habe» alle Cavalleristen in den Schlacktmstücken seiner Schüler(Hort, hört!) solche Arabische Pferde; alle sind in einer prätensionsvollen Stellung, wie außer sich, underinnern an die chinesischen Schlackten (von Aliamet nach Attiäret gestochen, wo die dortigen tatarischen Pferde mit den Beinen hinten ausstreichen, wie die Springer, um ihre Flüchtigkeit zu zeigen.
^^) Der sich Disecieu«- lle I» Loci'el« I-ilti-ogrupIngu« cle IVIuIIiouie, llnnk !e esc ö krri« NkNNt.