I0V4 Verrio.
unverzeihlich *). Der König beschenkte ihn,fürdiese Arbeit reichlich, so daß er in kurzer Zeit über40,000 Rthlr. gewann, eine ungeheure Summe,wenn man bedenkt, daß der vortreffliche Annibale Carracci für seine Gemälde in der FarnesischenGalerie nur 5 oo Scudi erhielt. Von seinem über-triebnen Aufwand und den Mitteln, die er brauchte,um von Carl II. Geld zu erhäschen, erzählenMalpole und Meyermann einige interessanteAnekdoten. Ungeachtet er in seinen Forderungenoft sehr unbescheiden war, so liebte ihn dennochder König, und ernannte ihn zu seinem Garten-meister. Meyermann erzählt auch, daß er einengewissen Scheffer von Utrecht und Lanscroonin seinen Diensten gehabt habe, von dem mannur bey Malpole einige kurze Notizzen findet **).Während der Regierung Jakobs II. wurde ver-eis zu Windsor beschäftigt, wo man Wolsey'sGrabmahl in eine römische Capelle verwandelnwollte. Außerdem malte er den König und seineHofleute im Hospital von Christ-church in London ,und einige andere Sachen im Hospital von Bar-tholomeo. Als aber König Wilhelm III. zur Re-gierung kam, so legte er, wahrscheinlich aus re-ligiösem Eifer, seine Aemter nieder, und ver-schmähte jede Arbeit für den neuen Monarchen.Dagegen gieng er auf die Landsitze des Lord Eye-ter zu Durleigh und Chatsworth , und schmücktevorzüglich den ersten Ort mit mannigfaltigen Ma-lereyen, die für seine beßten Sachen gehaltenwerden ***). Hier sieht man unter andern dieGeschichte des Mars und der Venus, und einenBacchus auf einer Tonne sitzend, dessen Gesichtvon einem seiner Freunde, einem Geistlichen, co-pirt war. Zu Chatswoth befindet sich sein Mei-sterstück, nämlich ein ungläubiger Thomas überdem Altar in der Capelle. Seine Werke aber inLowther-hall sind von den Flammen verzehrt wor-den. Nachdem er den vielen Bitten des LordExeter nachgegeben, und sich entschlossen hatte,für König Wilhelm zu malen, wurde er nachHamptoncourt geschickt, wo er unter andern imErdgeschoß, aber so nachläßig und schlecht arbei-tete, daß es scheint, er habe es absichtlich gethan,Indessen war er auch sehr alt geworden, sein Ge-sicht verließ ihn, und er mußte von einer jährli-chen Pension von 200 Pf. leben, die ihm die Kö-nigin Anna aussetzte. Er starb 1707^). Nach ihmgestochen nennt der Catalog von wmkler fünfseltene Blätter, von denen das erste den Merkur vorstellt, wie er das Bildniß Carl II. in die Wol-ken hebt, und solches den vier Weltthrilen zeigt,worein er von Neptun eingeführt wird; das zweyteden Seetriumph eben dieses Monarchen, eine un-ermeßliche malersche Maschine (daö Blatt Z, br.
2' hoch) nach Rost VII. S61. in zwey Blättern;beydes die zum Theil schon oben angezeigten De,ckenstücke zu Windsor; im Stiche mit den seltsa-men Aufschriften, das erste: Lamera kresentise
Ual-rtii Vinllsorensis ; das zweyte: I>scu-var procoetonis Lubili Dann hat G.
Bickham der jüngere nach ihm, und der Zeichnungvon H. Gravelor das Titelblatt zum ersten Heftevon dieses letztem Hpelles krittsnlcus (ssol. ^on-«jou 17^1.) gestochen, welches den Merkur dar-stellt, der einem römisch-gekleideten Schriftsteller— in den Lüften — entgegen fliegt (^»recLeläee was uns Alles von der ungezügel-
ten Einbildungskraft unsers Neapolitaners (so wie
Die Inschrift ist auch nichts weniger als bescheiden.
V errochio.
von dem verdorbenen Geschmack in der Kunst,wie im Leben, am Hofe Carls tl.) hinreichendenBeweis giebt. Bey Dallarvay I. io6. wirdverris, nebst la Guerre, als derjenige genannt,welcher den schlechten Geschmack der Verkürzun-gen zuerst in England eingeführt habe.
* verrochio (Andreas). Nach Lanzt I.64. und 120. übte dieser berühmte alte Florenti-nische Künstler denn doch die Sculptur, nicht dieMalerey, als seine Hauptkunst, und letztere bloßals seinen Zeitvertrieb. Mit alle dem war er Lehrerdes großen Leonardo da Vinci . Aber eben wirderzählt: Daß, als er einst für St. Salvi zu Flo renz eine Taufe Christi und fein noch junger Schü-ler ebendaselbst ein Engelchen malte, was all' dasSeine an Schönheit übertraf, er den Pinsel un-willig von sich warf, und nie wieder ergriff. Auchfrüher hatte er, so wie anfänglich sein Schüler,noch lieber gezeichnet als gemalt. In Deutsch land besitzen von ihm, unsers Wissens, einzigdie Galerie zu Wien eine kleine Grablegung, unddiejenige zu Schleisheim: Maria und Joseph im Gebete, knieend vor dem auf der Erde liegen-den Jesuskinde, dessen Geburt, in der Ferne einEngel verkündet, im Durchschnitte 2^ 3 ". EineScizze in Oel auf gelb Papier (Brustbild einesGreifen mit weissem Bart) will (1810.) das Ka-binet Sylvesire in Paris besessen haben- Von ihmals Bildhauer erzählt man das lustige Anekdoton:Die Republik Venedig berief ihn, die Ritterstatüedes General Barthol. Colleone von Bergamo inErz zu gießen. Das Modell des Pferdes warschon gemacht, als ein andrer intriganter Bild-hauer, Vellano, es bey einigen Senatoren dahinzu bringen wußte, daß ihm die Figur des Heldenanvertraut wurde. Auch von diesem hatte er schonden Kopf vollendet; jetzt entrüstet, zerschmetterteer denselben, und gieng davon. Der Senat sandleihm die Drohung zu: Wenn er sich auf Venetiani-schem Gebiet blicken lasse, sollte er den Kopf ver-lieren. Seine Antwort war: Das werde er wohlzu vermeiden wissen: Eine» Kopf übrigens, wieden seinigen, dürfte d,e Republik, mit all' ihrerMacht, wohl schwerlich ihm wieder aufsetzen; da-gegen unlerstühnde er sich, dem General noch ei-nen bessern, als den zermörsten, neu zu bilden.Diese Kühnheit (hört! hört!) gefiel; verrochiowurde unter vortheilhaften Bedingen zurückberufen.Er vollendete sein Modell, erhitzte sich aber beymGusse so sehr, daß er ein Seitenstechen bekam,das ihm den Tod brachte. Mareler bemerkt:Dieser Vorfall beweise, daß die damaligen Bild-hauer ihre Arbeiten selber gegossen, und die soschwierige Arbeit nicht bloßen Handwerkern anver-traut hätten. Das Anekdoton beweis't aber auchnoch Anderes, und Mehreres. Von seinen Arbeitenin Bronzo und Silber soll sich noch Manches inVenedig befinden. Dadurch (wie schon das Lex.erzählt) daß er in neuern Zeiten zuerst wieder an-fing, mit Gyps über die Natur zu formen, wußteer seinen Gegenständen eine große Wahrheit zugeben. Von ihm, als Gießer, heißt es bey Mor-genstern I. (3) 276. „Ueber Brunelschi's ganzmarmorner Laterne an der Kuppel des DomeSzu Florenz , prangt auf der vergoldeten Kugel,welche über 5 ooo. Pf. wiegen soll, das Kreuz.Beydes wurde 1472. von 2 lnron del verrocchioaufgeführt."
Sie lautet:
^nrooiu» Verrio tiespolirsrnrs voll iAnovlli slirpe osllli, 2Ü vorioreiu Oei, ^uAuslissiw! Reßir,Laroli rscuoil! er Lsocti Oeor^ü woleiu tisrie kelioissilUL insinr ^eeorovil,
2 K) p. Z07. "r. III. p, ZZ,.
n»») War es etwa dort: Daß er (wie es irgendwo heißt) an einen, Landpallaste -8. I. gearbeitet habe?
's) Zu Hamptoncourt. Somit irrt das Ler. in der Angabe, daß er nach dem Languedoc gegangen, und dortals Hugenotte gestorben sey.
-sf) Wohl mit dem oben nach winkler angeführten Blatt dasselbe, nur hier oder dort genauer bezeichnet.