Volume 
Zweyter Theil [4].
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Vouet.

der Jesuiten sah' man von seiner Hand ein alle-gorisches Bild, die Madonna, welche den Ordender Jesuiten unter ihren Schutz nimmt; ein Werkdas nicht sowohl seiner Schönheit wegen, alsvielmehr darum merkwürdig ist, weil es die An-hänger von Simon dem St. Franziscus Tave-rius von Poussin noch vorzuziehen wagten.Sein Ansehen, seine weitiäuftige Schule, undbesonders die Achtung, worin er bey dem Königund der Königin Mutter stand, waren die vor-züglichsten Ursachen, warum Frankreich seinengrößten Meister, nämlich Poussin , verlor. SeineHerrschsucht, Pie er unter dem Schein einer un-ermüdlichen Thätigkeit zu verbergen wußte, littkeinen Nebenbuhler in seiner Nähe; es gelangihm daher auch, die schon erwähnte Galerie derberühmten Männer (<les bommes illustres) zuerhalten, welche Philipp von Champagne zu ma-len angefangen hatte. Ein anderer Künstler,der ihm seinen Ruhm hätte streitig machen kön-nen, war Jacques Blanchart, der aber in derBlüthe seiner Jahre starb. Die vielen Bestellun-gen , welche Simon aufgetragen wurden, bewo-gen ihn, eine Einladung von dem Könige Carlin England auszuschlaqen. Er wollte in seinemVaterlande glänzen, sah sich aber genöthigt, sehrviele Schüler anzunehmen, welche seine Skizzenausführen mußten. Er malte selbst nur alla Prima,verfiel aber zuletzt ins Manierirte, indem er denPhysiognomien Französische Züge mit klemm auf-gestützten Nasen ohne Ausdruck gab, und dieHände und Füße vernachläßigte." So lautet esvon vouer bey Fiorillo ill. 127 10. Etwasgenauer indessen geht wareler ihm auf den Grund.In der Rubrik Lcole seines Dictionnärs schließter sein ausführliches Urtheil über Poussin , wiefolgt:Dieser große Künstler, entfernt vonFrankreich , und dort mehr bewundert als nach-geahmt, hatte daher auch auf die Schöpfungeiner Französischen Schule keinerlei) Einfluß ge-wonnen; vielmehr ist es einer seiner Feinde und Ver-folger, den man, wenigstens in so fern als denStifter derselben ansehen kann, weil es seineSchüler waren, welche in dem schönen Jahrhun-dert unserer Kunst den meiste» Schimmer auf siegeworfen haben. Ich spreche von Simon vouer,welcher allerdings ausgezeichnete Talente besaß,aber darum nicht minder die von ihm geschaffeneSchule verdorben hätte, wenn seine Schüler an-haltend seiner Manier gefolgt wären. DieserKünstler besaß nämlich jene (zweydeutige) Gat-tung von Größe, welche die Frucht einer unge-meinen Leichtigkeit ist; aber er war manierirt inder Zeichnung, hatte ein falsches Colorit, undkeinen Begriff vvm Ausdrucke. Das Jmponi-rende in seinen Werken hatte er guten Theils derTäuschung zu verdanken, die er sich erlaubte,große Schatten - und Lichtmassen neben einanderzu stellen, um so geschwinder fertig zu werden.Mann sollte denken. daß er nur den Pinsel er-greifen durfte, um mit Einem Streich ein Bildzu vollenden, das er entworfen hatte, und manwird versucht, zufrieden zu seyn, weil man inErstaunen geräth. Immer aber gebührt ihm dieEhre, die seichte Manier, welche zu seiner Zeitin Frankreich herrschte zerstört, und die Morgen-röthe des bessern Geschmackes herausgeführt zuhaben." Und in dem Art. vouer desselben Wer-kes liest man:Seine Manier hakte anfänglichVieles von Valentin's, und in diesem Geschmackelieferte er Bilder von großer Kraft. Nachdem er

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aber mit Bestellungen überladen ward, bildete ersich eine, welche geschwinder zum Ziel führte,und durch den Charakter von Leichtigkeit und einerArt Grandiosität Gewicht bekam, wovon manaber bald merkte, baß solche nur auf Praktik undauf ein willkührliches Conventionelles hinauslief,das nicht mit der Natur übereinstimmt. SeineZeichnung, ohne eben sehr fehlerhaft zu seyn, wardennoch wenig richtig *), und gränzte ans Ma-nierirte. Seine Köpfe, die sich häufig gleichen,setzte er meist ins Profil, und seine Finger sindallzuspitzig. Noch wirft man ihm vor, daß erwenig Genie für die Erfindung, wenig Wahlund Geschmack in der Ausspendung und Rei-bung **) seiner Figuren, und wenig Einsicht insHelldunkel hatte ***). Einigermaaßen ersetzt wur-den dann seine Fehler durch das Frische seinerTinten und seiner schönen Toccirung. Ueberhauptaber erwarb er sich mehr Ehre durch seine Schü-ler als durch seine Werke. Seinen (schon ge-nannten) St. Franzisc de Paula hält Watelerfür sein beßtes Bild ^), und bemerkt, daßMichael Dorigny, sein Lochtermann, besondersVieles nach ihm gestochen habe, was noch häu-fig zu finde» sey. Ungefähr eben so (doch min-der ins Detail gehend, als lDareIer>, sprichtvon vouer in neuern Tagen Gaulr de Sr.Germaln S. 222Z. und faßt seine Kunstcha-rakteristik in folgende kurze Zeilen:GlühendesGenie, Ueberstuß an Ideen, reiche Composttion,große Gelehrsamkeit, gemäßigter, zweyde tigecAusdruck; magere und abgestoßene Zeichnung(äessin üeurte); erkünsteltes Colorit, keine Nach-ahmung (?); breite Ausführung (exeouüonWenige Künstler" (liest man dann wei-ter)haben so viel gearbeitet, als er. Man sahvon ihm eine Galerie, ein Plafond, ein sogarbis auf die Lambris ausgemaltes Zimmer nachdem andern."Für sein Beßteö'' (heißt es hier)wird seine Himmelfahrt für die Kapelle des St.Peter Kapitels zu Rom gehalten." Sein Coloritnennt St. Eermain noch an einer andern Stelle:Ein Compositum wilder und gemeiner Farben."Lanzi dann (Lei. tei-2.) II. lb-j- glaubt, daß ersich in Rom , neben Valentin, auch nach Carra-vaggio gebildet habe, und nennt nun von ihm,als schöne Werke in Italien (und nicht so über-eilt wie nachwerts Manches in Frankreich gemalt)was sich in der Galerie Barberini zu Rom be-finde; ferner das schon erwähnte Cruzifix «beySt. Ambrosia in Genua ), wovon besondersprani so viel Rühmens macht. Cochin hicrnachst(I. 98.) preist als ein treffliches Bild sei» Abend-mal in der Kirche zu Loretto, besonders für dieschönen Köpfe und die gute Färbung; fernersim Pallaste des Prinzen della Rocca zu Neapel zwölf Engel, Halbfiguren in natürlicher Größe, ingroßer, obgleich trockncr Manier, ohne Rundung;(was in aller Welt heißt das?i; und ebendaselbsteine H. Familie, und zwey Bilder, Christus undJohannes als Kinder. Lands» in seinen An-nalen giebt die Beschreibung und Nachbildungenim Umrisse von folgenden seiner Werke. Erstlich imFranzösischen Museum (V. N°. 61.) von einer H.Familie (früher in der Sammlung von Penihie-vre) welche Viele für eine Jugendarbeit von leSueur hielten,die aber" (sagt Landon)bloßvouer'« Manier in seiner Vollkommenheit zeigt,außer daß die Mitteltinten im Madonnenkopfebraunblau seyen, und die kräftige Carnation desjungen Johannes etwas zu hart mit derjenigen

<-) Wer erklärt uns dieses, so wie sonst so Manches in dem Französischen Kunst-Schibvlet?

Disposition «l Orllooiisoce?

«!«») Sein eigenes Urtheil hierüber bleibt uns nun freylich rvatelet schuldig,f) le Vrun, le Sueur» Mignard u. s. f.

-sf) Anders» wie z. B- linndon (diouvelies g. X«» H. ZZ8-) feinen Sturz Satans durch den Erzengel Mi­ chael , welcher einst in dem -go». zerstörten Feuillanten-Klvstec zu Paris stand.