Band 
Zweyter Theil [5].
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5o4« Werf.

sehr, als seine Talente, immer neue Gunst. Jtztwagte er sich mit einem Plafond für seinen FreundFlink an Größeres; es war der mit den Genienvon mancherlei Künsten u. s f. umzingelte Ruhm.In 1696 kam der Churfürst von der Pfalz mitseiner Familie nach Holland ; und bey Descampsmuß man nachlesen, wie derselbe sich immer mehran unsern Künstler, und dieser sich an den Fürsten fesselte, und häufig zwischen Rotterdam und Düssel-dorf hin und wieder ging; wie er in 1710 demKönige August von Polen erklärte, seine Zeit gehöreganz dem Kurfürsten zu, und wie der letztere statt,auf Ansuchen des Königes, den Künstler auf eineWeile zu entlassen, ihm lieber zwey Bilder vonvan der werf — schenkte; wie Adrian einenicht mehr als 18 chohe Diana und,Calisto (8 weib-liche Figuren), für seine Gattin malle, und diesedasselbe um keinen Preis, selbst dem verehrten Kur-fürsten nicht verkaufen wollte, endlich aber mit ih-rem Mann nach Düsseldorf ging, und ihrem Gön-ner damit ein Geschenk machte, der dann dafürdem Künstler 6000 fl. und seiner Frau eine Toi-lette mit Zo Stück Silbergeschirre kaum aufzudrin-gen vermochte. Etwas Äehnliches begegnete ihm(1709 ) schon früher mit dem Herzoge von Wolfen-büttel. Wie theuer seine Arbeite» schon bey seinenLebzeiten bezahlt wurden, erzählt Descamps,neben den schon im Lex. angeführten Beyspielenmehrere. In 1716 verlor er seinen geliebten Kur-fürsten, und die Geschichte darf versichern, daß erden Tod desselben mehr als die Einbuße seinesIahrgeldes von 6001, fl. bedauerte, dessen er aberauch in der That, zur Mehrung seiner Glücks-umstände nicht mehr vonnöthen hatte; neben demdaß in seinem Hauswesen viel Ordnung mit Ehren,aber keinerlei Verschwendung herrschte. Daß er,sein ganzes Leben durch, Düsseldorf ausgenommen,keinen Fuß außer Lands gesetzt, ist bekannt, undbeweist — nicht mehr und nicht minder, als esbeweisen soll! — Gegen seine Schüler bezeigte ersich ungemein sanft und gefällig; aber er nahmderen nur Wenige an, unter welchen sich seinBruder perer, Heinrich van Lnnborch, undder nachherige Hofmaler des Marchgrafen vonAn-spach, I. E. Sperling einzig auszeichnen *).

Werf.

Seine Charakteristik als Künstler giebt das kex. gutgenug an Am Kürzesten ist's, wenn wir bemerken:Er war in einem der untergeordneten Kunsttheile,der köstlichsten Vollendung nämlich, wir glaubenunstreitig der erste, und die fürdauernde hohe War-thung seiner Bilder zeugt wenigstens weil Besseresfür ihn, als für den Geschmack der Liebhaber **).Sein elfenbeinernes Fleisch ***) zieht das Aug desKenners alle Augenblicke auf die anliegende Drap-perie und die übrigen außerwesentlichen, wunder-schönen Umgebungen ab. Große Bildnisse (obschonsie ihm ebenfalls gelungen wären) malte er ungern,und ließ viele unvollendet. Die Architektur studirteer eigentlich nur der Malerei wegen; schlechte For-men in Gebäuden waren ihm unerträglich. Nurmit Mühe ließ er sich bereden, eine Zeichnung fürdie neue Baute einer Börse von Rotterdam zu ge-ben, weil er den dortigen Skadtbaumeister nichtbeleidigen wollte Endlich that er's doch; sein Ent-wurf, mit den nach seinem Tode beygefügten Ver-änderungen, ist noch vorhanden; und diese letztemfind — lauter Fehler. (Wir berühren aus AdriansKunstcharakter hier nur, wovon das Lex. mebr undminder schweigt, und was zu etwelcher Ergän-zung desselben dienen kann). Am Schluße der Bio-graphie des Unsrigen giebt Descamps ein Der-zeichniß des Bedeutendsten, was ihm von

seinen Arbeiten in Französischen, Deutschen undNiederländischen Kabinetten bekannt war; und wirvervollständigen solches aus andern vor unsliegenden Notizzen.

In Frankreich besaß der Herzog von Drleans:DasUrtbeil des Paris , eine Seefisch - Verkäuferin,und einen Eyer-Verkäufer. — Der Marquis vonvoyer den verlorenen Sohn (sieben Figuren). —H. von Iulienne einen St. Hieronymus — H.Blonde! de Gagnp eine St.Margaretya mit demDrachen — Die alle Kvnigl. Galerie hatte unsersWissens nichts von ihm; das Museum Napoleon hingegen nicht minder als sechse, wahrscheinlichalle als Kunsterobernng: Adam und Eva beweinenAbels Tod -f). D>e Keuschheit JosephsEine Verkündigung 'f'f'f). Eine Flucht nach Egnp-ten *). Magdalena in der Wüste **). Oenone und

' 2 ) Heinecke I- 25z bemerkt: Daß denn doch nicht Sperling, wie öfters behauptet wird, sondern vanllimborcb. der beßte unter Adrians Schülern, und zwar in solchem Maaße war, »daß mehr als EineGalerie mit van der Werffs prange, welche von Liniborch gemalt seyen".

*>') »Der bey dem gemeinen Haufen derselben" (heißt es bey Watelet) »so beliebte Glanz stört die Wahrheit;die außerordentliche Vollendung vernichtet den Geist, und schließt allen Schein der Leichtigkeit aus.

»Er kannte" (sagtDescamps) »nicht genug, was unter der Oberhaut liegt, um die Muskelbewegungenmit Sicherheit auszudrücken Er verhüllte (euveta^yoil) Alles gleich, und über der langen Arbeit verlor sichseine sonst gewöhnliche Lebhaftigkeit"

-f) Aus Düsseldorf Au varis stand es in dem Zimmer des Kaisers. London XII. T. 20. giebt davonden Umriß und beschreibt es, als, gegen des Künstlers Gewohnheit schön gezeichnet, und voll Gefühl undAusdruck; mir meint er, seltsam genug: Die Mutter sollte, starr gen Himmel, auf den Leichnam blicken,und ersteres hingegen der— stärkere Vater thun!?

-j-s) tiandon, der es VIII. T. 70. giebt, sagt nicht woher. Auch in diesem Bilde ist des Künstlers reineZeichnung ersichtlich, wozu die Anlage, wie es scheint, in seinem Gemüthe lag, da er solche sicber inHolland weder in der Natur noch an der Kunst studiren konnte Einzig wird, wohl irrig gerügt, daß derKünstler an Josephs verhülltem Gesicht die Schaam des Jünglings nicht sichtbar werden laue.

-sf-s) Aus Düsseldorf. Bey London XV. T. 6. nachgebildet und beschrieben. »Wie" (sagt er) »überhauptAlles von diesem Künstler, ziemlich correkt und rein gezeichnet, etwas Edles in den Ckaraktern, aberwenig Energie; sorgfältiger Pinftlstrich, dessen äußerste Vollendung aber in Kälte ausanet; ein kräf-tiger, aber allzugegoßner, oder vielmehr verschwemmter Lokalton; keine Frechheit in den Halon'nten, diemit den Schattenfarben nicht genug im Gegensatz stehen; die letzrern zu wenig reflektirt, was besondersin diesem Bilde der Fall sey". Die Figuren unter Höhe.

") London giebt es im Umriße v. T-7- und sagt viel Gutes davon; doch rügt er mit Fuge das weiß atlaßneKleid der H Jungfrau, und das allzusehr wie Miniatur AuSgcpinselte des Ganze». Er schweigt, woheres gekommen sey.

'-- 2 ) London Eben so (dock wohl aus Düsseldorf ) und giebt es xvii. T z». Diesem übrigens schönen Bildemangelt es an einer gewissen Leichtigkeit in den Halbtinten und an Durchsichtigkeit der Schatten. »DieseWeisheit und Plumpheit" (sagt er) »fast immer beysammen, sind das gewohnte Resultat einer allzu-peinlich gcgvßenen Toccirung, als Adrians größter und vielleicht einziger Fehler".