Band 
Zweyter Theil [5].
Seite
6077
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Zusätze.

I. Vörderst an die Stelle der oben S. 502 g 31 . enthaltenen Art. der Künstler Welisch ,l. man nunmehr, als Berichtigung und Ergänzung derselben, was folgt:

W.

weitsch (Pascha Johann Friedrich, gewöhn-lich Friedrich und auch Johann Friedrich) ge-bühren i/2Z den 16. Oktober zu Hessen - Damm,einem kieinen Flecken zwischen Wolfenbüttel undHalberstadt im Braunscyweigischen; der Sohneines Dach - und Schieferdeckers. Der letztere,ein biederer Mann aber auch ein strenger Vater,bestimmte unsern Friedrich, da er Geist undWißbegierde zeigte, den Wissenschaften undsandte ihn, nachdem er conformirt worden warund das l^te Jahr zurückgelegt hatte, auf dieSchule der benachbarten preußischen Stadt Osterswirk; wogegen es Friedrich lieber gesehen habenwürde, wenn man ihn zur Jagerei oder zur Maler-kunst bestimmt hatte. Er lernte auch das Schrei-ben sehr wohl; allein eben sein Schreibmeisterwar ein leidenschaftlicher Jagdfreund, und Fried-rich, der sich besonders am Schießen ergötzte,gab bald einen muntern Flintentrager von ihmab. Der Vater erfuhr, daß er der Jagd wegendie Schule verabsäumte, holte ihn daher nachdreiviertel Jahren zurück, und behandelte ihn aufdem Heimwege so derb, daß er sich eiligst aufdie Flucht begab und früher als der Vater nachHause kam. Am folgenden Tage, der ein Sonn-tag war, befahl ihm de^Vater, sich bereit zuhalten um mit ihm am Montage ausgehen zukönnen. Um st Uhr des Morgens wurde er auchgeweckt; der Vater ließ ihm die Haare kräuselnund pudern, reine Wäsche mit Manschetten undden guten Rock anziehen, versah ihn sodann miteiner großen Harke und zog in diesem Aufzugemit ihm durch das Dorf auf das Feld, brachteihn zu 12 Morgen gemähter Gerste und ver-mahnte ihn ernstlich dieselben aufzuharken, auf-zubinden und «ufzustiegen; mit der angefügtenWarnung daß er anders zu ihm sprechen würde,wenn er bis zu künftigem Sonnabend (wo derauswärts beschäftigte Vater in seine Behausungerst wieder zurückkehrte) mit dieser Arbeit nichtfertig wäre. Er verließ ihn endlich voller UnsMuths und mit den Worten: Ich wollte aus direinen großen Professor ziehen, nun aber kannstdu dem Trommelfelle folgen. Spater fand auchbeides statt, denn Weitsch wurde sowohl Soldat,als auch Professor.

Diese Feldarbeit war kränkend genug für denJüngling , indem er von den Dorfjungen und vonden Vorüberziehenden in seiner Tracht belachtwurde. Der edie Prediger des Dorfes bemil,lcidcke die harte Behandlung, die er auszustehenhatte. Er ließ ihn am Abende zu sich rufen undsagte zu ihm: Fritz ich kann das länger nichtmehr ansehen; hier hast du einen Brief an einenKriegsrath in Halberstadt , der einen Schreiberbraucht. Die Halberstädter - Reise war jedochumsonst, da die Grelle zwey Tage früher besetztworden war. Nun ging es wieder auf die is Mor-gen Gerste, womit er jedoch in Kurzem fertigwurde, da der Prediger den größten Theil der-selben bereits halte aufharken lassen. Der Pre,diger, der ihn liebte, riech ihm hierauf an, amFreitage nach Wolfenbüttel auszuwandern, unddie dortigen Kanzelei-Bochen anzusprechen , derenWacht er ihm beschrieb. In Wolfenbüttel setztesich nun Friedrich auf einen Eckstein neben derKanzele! und wartete sein Schicksal ab. Endlichkam ein Kanzelei-Bothe, der seine Bitte anhörteund ihn frug, ob er seine Hand bey sich hätte ?Ja, war die Antwort, und er zeigte seine beidenHände vor. Nein liebes Kind, erwiederte derKanzelei-Bothe, ich meine eine Handschrift. Danun Friedrich eine solche nicht bei sich hatte, sonahm er ihn mit sich zu Hause, und dort schrieber den Wahlspruch seiner Mutter, dem er ihrauf ihrem Sterbebette noch angelobt hatte treu zubleiben, und welcher hieß: Dein Lebelang habGott für Augen rc. mit schöner Schrift auf einPapier. Der Kanzelei - Böthe, der ein Pietistewar, wurde dadurch gerührt; er versprach fürihn zu sorgen und ermähnte ihn dabei, diesemSpruch stets anzuhängen und ihn nie und nimmerzu vergessen. Wirklich lief schon am folgendenMorgen ein Schreiben bei dem Pfarrer ein, daßFriedrich gleich kommen möchte, weil eine Stellefür ihn bei einem Kreisamtmann zu Wolfenbüttel ausgemacht worden sei. Nun, sagte der Pfarrer,kann er wohl noch einmal Schulmeister werden;Der Vater war mit dem Handel ganz zufrieden;er gab ihm einige gute Lebensregcln, und, da erwieder über Feld mußte, so sagte,er zu seinerältesten Tochter die den Haushalt führte: Giebdem Jungen noch etwas Geld, es könnte seyn,daß er nicht immer volle Schüsseln hätte- Wie

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