Band 
Zweyter Theil [5].
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Wolf.

Wolf (Carl August ), s. unten: Wolf (C. A.oder K. A)

(Carl Gottlieb), ein Poussirer an derPorzellainfabrik zu Meißen , gegen der Mitte desXVlll. Jahrhunderts, M-c.

(Carl Siegmund), der jüngere (imGegensatze mit dem folgenden Friedrich Wolf),ein Bildhauer zu Dresden 1810. Dresdner -Adreßkalender. Derjenige von »819 gedenkt sei-ner nicht mehr.

(Caspar), geb. zu Muri , einem Dorfeim gegenwärtigen Schweizerschen Kanton Aargau,i7Z5. Derselbe brachte die Neigung zur Kunstmit auf die Welt. Lebhaft und ungestümm begierigetwas zu lernen, ging er anfangs auf Constanz,in die Lehre des dortigen Maler Lenzer; alsdannauf Augsburg , München und Paßau, wo seinforschendes Aug' überall etwas entdeckte, wasihm späterhin nützlich seyn konnte, aber nichts,das ihm einsweilen Brodt gab, um so viel min-der da er kurz darauf wieder nach seiner Hei-math kehrte, und sich verheurathete, was er baldbereute, Haus und Hof verließ, und, durcheine zu Basel erhaltene Empfehlung aufgemuntert,den Muth faßte, nach PariS zu gehn, wo er andem geschickten Landschafter Loutherbourg , wel-cher bald seine Talente erkannte, einen ungemeinmenschenfreundlichen Gönner und Lehrer fand,bey dem er mehrere Jahre unHemeine Fortschrittemachte. Allein auch dieser Glücksstern gieng ihmnoch viel zu früh unter. Loutherbourg folgte einemRufe nach London , und Wolf glaubte sich wie-der einmal seiner verlassenen Familie schuldig zuseyn. Aber mit aller seiner Geschicklichkeit hatteer es weder in seiner Macht, dem reichen Gottes-haus Muri , unter dessen Gerichtsstab und Seelcn-leikung sein Vaterdorf stand, Begriffe des Schö-nen seiner Kunst, oder sonst einige Lust beyzu-bringen, zu seiner Unterstützung etwas beyzutra-gen , noch öffneten sich weiter um ihn her einlgerleitröstliche Aussichten, und er hätte aufs Neue zumWanderstab greifen müßen, als ein Kunst u. Wissen-schaft liebender Berner, Wagner, (zuerst in unsereran seltenen Naturschönheiken so reichen Schweiz )auf den Einfall gerieth, das In - und Auslandmit denselben, durch eine Sammlung colorirterBlätter näher bekannt zu machen. Zu dem Endsah' er sich lange vergebens nach einem fähigenGehülfen um, und fand endlich, fast durch Zu-fall, an unserm Wolf ganz seinen Mann. Sievereinigten sich also, das schöne Werk gemein-schaftlich zu unternehmen, machten zu dem Endmehrere Reisen durch die ganze gebirgiate Schweiz ,und scheueten weder Kosten noch Gefahr, Allesaufzusuchen, was die Natur in diesen RevierenWunderbares, und zumal Schreckliches hat;allein der Geschmack der damaligen Zeit war zueinem herrschenden Gefallen am Excentrischen nochnicht reif genug, und der Absatz ihrer Blätterdeckte die darauf verwendete Summen und Zeitbey Weitem nicht. Das Werk qerieth in Kurzemins Stecken; wurde dann, wieder durch einenDerner(denHolländischenPagen-HofmeisterHenzy)neuerdings, aber nochmals vergebens aufgefrischt,und auch dafür unser Wolf gebraucht, der schon1780 für Wagnern, und wir glauben nunmehrauch für Henzy vergebens nach Paris ging,den Versuch zu machen, ob diese Schaustücke dort,wenn auch nicht durch ihren wahren Werth, we-nigstens durch ihre Neuheit die Palme erringenmöchten. Des armen Wolf« weitere Schicksalesind uns, aller Nachforschungen ungeachtet, so

Wolf.

gut als unbekannt geblieben. So viel wissen wir,daß wahrscheinlich Noth und Kummer ihn verlei-teten, das Vergessen derselben in den Weinkellernzu suchen, daß er sich in der Nähe und Ferneüberall herumtrieb, und endlich, wie es heißt,gegen End des abgelaufenen Jahrhunderts zuMannheim verstorben seyn soll. Bey MenselIII.erscheint er nicht mehr. SchonWagner hatte 160.solcher Schweizerprospecke, von dem Unsrigen inOel gemalt, zusammengebracht. Von denselbenwird in den Meusel'schen ältern Miscellen(1779.) I. S. 27. eben nicht mit großem Lob ge-sprochen. Wie dem immer seyn mag, 66. der-selben waren für die öffentliche Bekanntmachungbestimmt. Je achte davon sollten ein Heft bil-den, mit einer Beschreibung des Professor Witten -bachs zu Bern begleitet werden, und das Heft48 Fr. Livr. kosten. Das erste Heft war wirklicherschienen, und in der That aller Ehren, und ih-res Preises so ziemlich werth. Das Mißlingenindessen haben wir schon bemerkt, und auf dieeigentliche Ursache desselben, vielleicht nicht un-richtig gedeutet. Bey Henzy's Wiederaufnahmedieser Unternehmung wurde eine fabrikmäßigeVeränderung vorgenommen, und die Blätter,unter Janinet's und Descourti's Leitung zuParis *), nicht mehr von Hand colorirt, son-dern (nach einer uns unbekannten Vernichtung)in Oelfarbe abgedruckt, was dann denselbennicht eben ein schmutziges, aber doch trübes Aus-sehen gab, und wohl sicher nun vollends ihrenSturz beförderte. Ein Verzeichniß von ungefehr4o. derselben, so wohl der frühern als dieserspätern, findet sich in dem Winklerschen Gant-katalog (Deutsche Schule) s. v. C. Wolf. Wosolche gegenwärtig zu finden sind?... Wir fürch-ten unter der verschollenen Waare bald aller Kunst-handlungen. Erneuert wurde daS Andenken desunglücklichen Künstlers (zum letztenmal) bey Anlaßdes ersten Kunstsallons zu Bern 1804, wo dreyin Oel gemalte Bilder von ihm ausgestellt wa-ren; unter denselben namentlich «in Sturm ineinem Mcerport, der etwa zum Maaßstab seinervormals zu Paris gemachten Fortschritte dienenkonnte, und wovon es im Meusel'schonArchive I. (4) 5o. heißt:Fürchterlich zerreißtdarin ein feuriger Blitzstrahl den schwarzen Wolken-himmel, und laßt auf einem Fels einen erhabenenLeuchtthurm sehen; am Strande des Meers käm-pfen Schiffe und einzelne Menschen mit wüthendenWellen. Ein kühner, wilder Pinsel herrscht indem effektvollen Ganzen"; und von den beydenandern, welche wilde Parthien schweizerischer Glet-schergebirge darstellen:Hierin war Wolf beson-ders glücklich, feine Wahl allzeit trefflich in die-sen schrecklichen Wildnissen, und sein freyer Pin-sel wie dazu geschaffen, diese Ruinen der Weltdarzustellen." Gestochen nach ihm kennen wireinzig eine artige Vignette von Grießmann, zuF. L. zu Stollberg Reisen. 8°. Leipz. 1794, welchedas Lantcrbrunner-Thal mit dem Staubbach,wahrscheinlich nach Wölfischen Blatter selbst co-pirt, darstellt. Füßli V. no. Die äl-

tern Me«seischon Miscellen. spars. Hk-c.

Wolf (Christian), ein Goldschmied, der zuDresden bey Joh. Siegm. Dorisch konditionirte,nach dessen Tode dessen Wittwe heirathete, und1687 Meister zu Dresden wurde, wo er auch1710 oder ein Jahr später starb.

(Christian Friedrich, Franz, und Jo-hann Christoph), drey Bildhauer in Zierathen zuDresden , arbeiteten mit Andern an der neuenKceuzkirche daselbst, deren Ban in 1792 vollendet

0 Selbst Vernet soll sich mit dieser Leitung abgegeben babs».