es nun jiim Abmarsch kam, so überlieferte ihmseine Schwester, die eben nicht schwesterlichdachte , als Zehrgeld für den drey Meilen langenWeg nach Wolfenbüttel , vier Pfennige, welcheLieblosigkeit unserm Jüngling schmerzlich zu Herzenging. Er erhielt auch nie etwas mehr von zuHause und es blieb seine einzige Aussteuer, dadiese Schwester durch Verheirathung später denganzen väterlichen Hof an sich zu bringen wußte.
Friedrich bekam zwar eine gute Herrschaft,die stets mit wachsamem Auge über sein Betragenwachte; doch konnte er sich nicht immer satt essen,erhielt auch in den Z '/s Jahren, wo er hierdiente, keinen Lohn und erlebte viele harte kum-mervolle Tage. Sein einziger Erwerb war Mäuse-fangen und die Mäuselöcher zu verstopfen, woihm seine Herrschaft denn doch von Zeit zu Zeiteinen Groschen schenkte. Nichts desto minderpflegte Weirsch oftmals zu sagen: Gesegnet sei dieAsche dieser Herrschaft, sie hielt mich zur Tugendund znr Gottesfurcht an. — weirsch war einMann der schön und edel dachte. Liebhabereizu einer Nelkenflor brachte ihn in die Bekanntschaftdes sehr braven, christlichen Kapikains von Blum.Dieser nahm ihn zu sich, und verschaffte ihm dieStelle als Musterschreiber bei einem Regimente,was zu Braunschweig stand. Nach Verfluß dreierJahre verursachte sein aufgewecktes Temperament,dem der Schall der Trommel und der Flöte ge-fiel, daß er sich als Soldat förmlich einrollirenließ, wo man ihn auch gleich zum Karporal be-förderte Auf den öfteren Reisen, die er mit demKapitain von Blum zu desselben Fräulein Schwe-ster machte, die im Kloster Wienhausen bey Celle lebte, lernte er Anna Maria Magdalena Stoppenkennen, die im Dienste dieser Fräulein war undheirathete dieselbe kurz vor dem Ausmarsche 1748.Leider starb aber der Kapitain von Blum schon1747, und von nun an bis zu 1757 hatte weirschgar vieles Ungemach und Bedrückungen zu er-dulden.
Jetzt treten wir dem Zeitpunkte näher, woweirsch sein Künstlertalent zu zeigen und zu ent-wickeln begann; dieser Zeitvunkt fallt innerhalbder Jahre 1754 — 1767. Die Vorläufer dieserPeriode waren ein angemahlter — Rüstwagen,und eine Verzierung des Erdreichs. Der Oberstdes Regiments, der nachmalige Generalmajor vonTunderfeld, ein warmer Verehrer der Kunst, warihm wohl gewogen; dagegen harte sein neuerKompagniechef einen bösen Haß auf ihn gewor-fen, wenn gleich er ihn keines Dienstfehlers be-schuldigen konnte. Tunderfeld trug ihm im Feldeauf, einenRüstwagen anzumahlen, undweirsch setztedies kleine Geschäft zwar, aber wegen Man-gel hierher gehöriger Kenntnisse nur mit vielenSchwierigkeiten durch. Doch gerieth es besser alsdas ihm gegebne Modell; jedermann war damitzufrieden, und dieser geringfügige Umstand gab denHauptanlaß, baß er zur Malerkunst späterhingezogen wurde. Da ferner 1748 die Armeein Schlachtordnung aufgestellt war, so brachteer in dem Platze seines Regiments das braun-schweigische Wappen, des Herzogs Nahmen unddie Nahmen der einzelnen Kompagnicchcfs aufder Erde mit Rasen und verschiedenfarbigem Sandean Tunderfeld empfand darüber so viel Vergnü-gen , daß er ihm einen Dukaten schenkte; undda des andern Tages der kommandirende General -Feldmarschall Moritz von Nassau die Regimenterbesuchte, so gefiel es demselben nicht minder; jadas Regiment mußte hinter seine Linie rücken,damit der Augenschein davon ganz frei wurde.Der Feldmarschall gab darauf dem KorporalWeirsch seinen besondern Dank wegen der Ver-zierung zu erkennen; und da zu eben dieser Zntder Prinz Friedrich Wilhelm von Oranien mit
dem ganzen Generalstaabe herbeigeritten kam,so fand sich auch dieser so überrascht, daß erunsern Korporal nochmals vortreten ließ, damitdieser auch aus seinem Munde eine Beifallsbe-zeugung erhielt. Der Feldmarschall befahl hieraufallen Regimentern der aus 8 u,ouo Mann be-stehenden Armee, eben dergleichen vor ihren Linienanzubringen und da nunmehr» die Chefs allerRegimenter den weirsch zur Direktion der Arbeitverlangten, so würde er noch manchen Dukatenverdient haben, hätte sein ihm mißgünstiger Ka-pitain (der wegen dieser Erfindung in feiner Un-gnade gegen ihn nur noch mehr verstärkt wordenwar) solches zugeben wollen.
Der Oberst von Tunderfeld war des Glaubensgeworden, daß der Korporal Weirsch, der zuallem Fähigkeit und zu allem Lust besaß, nament-lich auch in der Mahlerei ohne Weiteres aus-übend müßte seyn können. Nach dem Rückmärschein die Garnison Braunschweig , erhielt dieserOberst zwei Landschäftchen des Dubois zu Berlin gelehnt, die ihm so wohl gefielen, daß er sichKopien davon wünschte. Auf der Parade sagteer daher zu ihm: Sergeant, gehe er mit mir,ich will ihm etwas zeigen. In seiner Behausungbrachte er diese beiden Bilder herbei, mit denWorten: Hier diese Bilder muß er mir kopieren.Vergeblich erwiederte der unsere, er verständegar nichts davon, kenne weder die Farben , nochwüßte er den Pinsel zu regieren ; der Oberst bliebdabei: Er kann sie machen und soll sie machen,entschuldige er sich nicht weiter. Doch schriebihm der ietztere die dazu nöthigen Farben auf,(die wenigsten waren die rechten, wie weirschspäter fand), erklärte ihm die Behandlung derausübenden Malerei, so gut er wußte, und ent-ließ ihn mit dem Diktum: Stelle er sich nicht sodumm und gehe er nun hin und mahle er mir dieLandschaften ab — bringt er mir keine Kopien,so hole ihn der T .. .. Dieser kräftige Befehllegte alle weitere Einredung und Zweifel des Ser-geanten ; demnach faßte er festen Muth und festenWillen, kaufte sich auf seinem Heimwege zwey Bret-ter, und in einer Trödelbude einen Reibestein. ZuHause traf er schon des Dubois Malereien, undseine Frau empfing ihn neugierig mit der Frage,was aus diesen Bildern werden solle. Nachdemsie gehört hakte, daß er sie für den Oberstenkopiren würde, so fuhr sie in ihrem Eifer heraus:„Willst du dich denn zum Narrn machen lassen?Was du nicht kannst, da laß deinen Vorwitz.Was kosten die Bretter?" Neun Groschen.„Neun Groschen, davon hätten wir einen ganzenTag verleben können; die Bretter sind ganz un-nütz." Habe Geduld liebes Weib, ich versuchemein Heil; gerath es nicht, so erhält der Oberstnichts.
Jetzt ging es mit Tifer ans Werk; weirschkochte Firniß (was er seinem Vater abgesehenhatte, welcher Tische, Stühle und Schränke an-mahlte) , rieb die Farben damit ab, und die Luftbenebst dem Firniß brachte alles baldigst zumTrockenen. Schon 4 Uhr Morgens war er an derArbeit, und gegen 9 Uhr zeigte sich schon Aehn-lichkeit mit dem Originale. Seine Freude wargroß; mit dem Brette in der Hand lief er zu sei-nem Weibe und that an ihr die Jubelfrage: Sollich denn noch zum Narrn werden? Sein Eifererhob sich von Stunde zu Stunde, und schon ineinigen Tagen rapportirle er auf der Parade demObersten, daß beide Stücke fertig wären. Der-selbe war höchst verwundert über sein schnellesArbeiten; zweifelte aber, als er seine Stücke ber-beibrachte, ob sie auch von ihm gefertigt waren,um so mehr da seine Cousine, eine ältlicheDame, meinte, daß sie früher sich auch mit derMalerei abgegeben habe, es so weit aber nie ge-