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bracht habe. Eben zu dieser Minute trat ein Gernräldehandler ein, dem nun der Oberst sogleich dieKopieen zeigte, ihm sagte, der Sergeant habe nochniemals gemalt, dies wären seine ersten Bilder,und mit der Frage smloß, was er für einen Glau-ben davon habe? Und da auch dieser steif behaup-tete , daß der Verfertige: der Kopieen 8 Jahreschon die Malerei müsse getrieben haben, sowollte dem Sergeanten das Eäbelkuppel sprin-gen , denn der Stolz über all das Erstaunen derKunstkenner blähte ihn gewaltig auf. Der Gernialdehandler frug was die Stücke kosten solltenundmachdem er von dem Obersten erfahren hatte,daß'er sie für sich habe machen lassen, so unter-brach weirsch ihr Gespräch mit den Worten: sindsie denn auch etwas werth ? es ist die erste Arbeit,und ich versteh davon noch nichts. Statt derAntwort, entließ ihn der Oberst; doch nur umgleich darauf ihn wieder rufen zu lassen; hier sagteer, liegen -j Thaler auf dem Tische, der Kunst-händler hat seine Arbeiten gekauft, doch konnteer nicht viel dafür bezahlen, weil er selbst daranverdienen wollte. Nehm ers hin, sei er fleißig,aus ihm kann noch ein großer Mahler werden,und mache er mir ein paar andre Stücke. Dasgab ein Erstaunen für den Sergeanten; er flognach Hause, zählte die -j Thaler seiner Frau indie Hand und sprach : Das hab ich für die Land-schaften erhalten. Als diese endlich von der ihrunglaublichen Sache überzeugt wurde, rollten ihrdie Thränen über die Backen, denn ihre ganzemonatliche Einnahmen betrugen nur 5 Thaler.Dieser rührende Augenblick und die Aufmunterung,die er in des Obersten Hause erfahren hatte,würkte bestimmend auf weirsch, und von hier anbatikt sich seine Laufbahn als Künstler.
Unterdessen hatte sich Weirsch einen vorzügli-chen Gönner erworben an dem Finanzminister vonSchliestedt, dessen Behausung auf dem GutheSchliestedt von ihm angemahlt worden war, undder auch einige Staffelei-Gemälde von ihm besaß.Da nun die braunschweigischen Truppen im Früh-jahr i/58 wiederum als Contingent ausmarschirensollten und zu gleicher Zeit in Fürstenberg an derWeser eine Porzellainfabrik angelegt wurde, sozeigte Schliestedt dem Herzoge die Gemälde, soer von Weitsch besaß und bath darum, daß der-selbe dort als Porzellainmaler angestellt würde.Der Herzog, ein besonderer Liebhaber der Kunst,ließ auf der Parade des andern Tages den Ser-geanten weitsch zu sich rufen, bezeugte ihm seinWohlgefallen über sein Kunsttalent und frug ihnob er lieber Soldat bleiben, oder ob er lieberMaler werden wolle? So unerwartet auch dieseAnrede kam, so antwortete doch Weitsch auf derStelle, daß das Brod seines Fürsten ihm stetsschätzbar gewesen wäre; da jedoch Se. Durch!,ihm die freie Wahl verstatteten, so zöge er dieMalerknnst allerdings dem Soldatenstande vor.Der Herzog wünschte ihm Glück zu seinem Unter-nehmen, und weirsch küßte ihm den Rock, »achdamaliger Sitte. Dies geschah drey Tage bevordie Truppen ausmarschirten, weil der siebenjäh-rige Krieg begann. Obiger Auftritt ereignete sichvor den Augen der sämmtlichen Parade; niemandwußte solchen auszudeuten. Kaum trat er alsowieder zu seinen Kameraden, so erschien sogleichein junger Fähnbrich, der sich durch seine Neu-gierde vor allen andern auszeichnete, um zu er-fahren , was der Herzog mit ihm gesprochen habe.Weirsch immer aufgeweckten Geistes, entdeckteihm darauf, daß der Herzog, weil es so kurzvor dem Ausmarsche sei, noch den Schluß ge-faßt , ihn vom Sergeanten zum Obersten zu er-beben. Dies lief wie ein Heckfeuer durch denMund aller Anwesenden, und als er in seine Be-dachung kam, fand er wirklich seine Frau vollerThränen; denn schon war das Gerücht von der
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Erhebung zum Obersten ihr zu Ohren gekommen,und schon befürchtete sie hierdurch ihre Stelle zuverlieren, die sie als — Leibwäschen,, zweier Prin«zessinen des fürstlichen Hauses hatte. Erst nach-dem er ihr den wahren Hergang der Sache aus-einander gesetzt hatte, wurde sie wieder froh,indem sie nun wieder an den Verdienst denkendurfte, den sie aus ihrer Wäscherei zog. Denfolgenden Morgen wurde der bürgerliche Rock be-stell: , und der Soldatenstand nach zwölfjährigerDienstzeit verlassen.
Sein anhaltender Fleiß und das stäke Sitzenbei dem Malen, machte ihn allmahlig zum Hy-pochonder — er wußte selbst nicht was ihm fehlie.Der Leibmedikus Brückmann, ein Kunstliebhaber,stellte jedoch seinen geschwächten Freund, der ausKraftlosigkeit nicht mehr im Stande war alleinzu gehen , und der sich führen lassen mußte, end-lich wieder her. Weitsch erlebte auch keine schwereKrankheit mehr, obwohl er bis wenig Tage vorseinem Tode unablässig fleißig arbeitete; strengeOrdnungsliebe im Essen und Trinken war seinEchutzgeist.
Fast hatten wir eine Anekdote vergessen, diedie scharfe Einbildungskraft und das gute Ge-dächtniß unsers Künstlers charakteristrt und derAnführung bedarf. Ein Jahr später als die bei-den Gemälde von Dubois kopirt worden waren,fand sich auf der Braunschweiger-Messe ein Ge-mäldehändler ein, der ein kleines Bild von Mou-cheron besaß, was dem Sergeanten weirsch ge-fiel. Auf die Frage nach dessen Preiß, erhielt ermit einem Hohnlächeln die Antwort, er würdees doch nicht kaufen, weitsch frug nicht weiter,betrachtete das Gemälde aber so oft als er konnteund malte es zu Hause aus dem Kopfe nach.Einige Tage später nahm er die Malerei mit sich,um ihre Richtigkeit zu prüfen. Der Gemälde-händler trat herbei und z» seiner größten Ver-wunderung fand er eine treue Kopie des Mouche-rou und wurde nun sein Freund. Da der Vorigemehrern Liebhabern und Künstlern, unter denensich auch der Maler und Galleneinspettor W.Dusch befand, diese besondre Sache mittheilte,ohne daß sie Glauben fand, so gab dies Anlaßzu einer besondern Wette, und ein anderer Ge-mälvehändlcr» der bei dieser Wette interessirt war,gab weirschen nun eines seiner Bilder nach Ge-fallen oft zu sehen, um dasselbe aus dem Gedächt-nisse zu köpften. Zu aller Erstaunen vollendeteunser Künstler aber dieses sein Werk eben so-wohl , als das erste ihm wohl gelungen war. DerPreiß der Wette wurde zu einem gemeinschaftli-chen frohen Mahle verwandt, dem denn auch derKoplste beiwohnte. So entstand die Bekannt-schaft mit dem Inspektor W. Busch, die ausdem Grunde für Weirsch von großem Nutzen war,weil ihm nunmehro die Schatze der Gallerie zuSalzdahlum zu freier Benutzung geöffnet wurden.
Während des siebenjährigen Krieges ließ sichbei der Porzellainfabrik nicht virl verdienen, da-her Weirsch seines Unterhaltes wegen die Oehl-malerei trieb. Wie ihn in dieser Zeit die Hypo-chonders peinigte, baden mir bereits erwähnt.Nach beendigtem Kriege bestellte der Herzog einTafel-Service bei der Fabrik, und bei dieser Ge-legenheit mußten die Künstler Probctcller malen.Der Teller des Weirsch, der eine Gegend beiDraunschweig dargestellt hatte, gefiel dem Her-zoge dergestalt, daß derselbe beauftragt wurdedas ganze Service allein und mit den Städten,Flecken und Dörfern der braunschweigischen Landeauszumalen. Hierdurch wurde der letzte Nestseiner Hypochondrie gehoben, indem er nun miteinem Bothen , der seine Sachen trug , eine Fuß-reise an der Weser machte, um die Gegenden nach