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Weitsch.
Weitsch.
der Natur zu zeichnen. Das Service wurde inder Folge sehr interessant, der Zahl nach sehrweitläuftig, und mit Beifall aufgenommen.
Die Begierde immer etwas neues zu sehen,verursachte daß er mit guten Kupferstichen einenHandel begann, die ihm Wille (mit dem er einenBriefwechsel angeknüpft hatte) aus Paris zu-schickte. Er überließ jedoch diese Sacve baldeinem Papierhändler, da ihm zu vieles liegenblieb. Desto eifriger betrieb er den zugleich be-gonnenen Handel mit Gemälden, wozu ihn diegute« Kenntnisse veranlaßten , die er auf derGallerte zu Salzdahlum und durch den Umgangmit Busch, von Malereien und von Malerhan-den sich zu eigen machte. Oftmals harte er dieFreude gute Sachen einzuhandeln und mit Vor-theil wieder zu verkaufen. Als ihn einst sein täg-licher Hausfreund und Verehrer seiner Talente,der bereits erwähnte Leibmcdikus Brückmann be-suchte, so äußerte Weitsch sein Bedauern , daß ernicht reich genug sei, um an einer Versteigerungschöner Gemälde Theil nehmen zu können, welchein Hamburg statt fand. Brückmann redete ihmjedoch zu, diese Reise zu unternehmen, ja erbrachte ihm des andern Tages eine in Hamburg zahlbare Anweisung von iooo Rthlr. mit denWorten: Nun reisen Sie gleich; was Sie kaufenwerden, ist sicherlich gut. Weitsch wollte keinenGebrauch von der Anweisung und diesem Vor-schüsse machen, denn dieselbe überstieg seine Ver-mögensumstände; allein Brückmann verbath sichalle Einwendungen und nahm nicht einmal eineSchuldverschreibung des dargeliehenen Geldes an.Dergleichen Freunde sind selten! Die Reise wurdeübrigens angetreten und ein bedeutender Einkaufgemacht.
Seine schleunigen Fortschritte in der Maler-kunst wurden immer merklicher und sein Triebimmer mehrere Sachen angesehener Meister, vor-züglich aber gute Bilder Alb. Dürers zu sehenund zu studiren, vermochte ihn zu einer Reisenach Nürnberg und Anspach über Kassel . Daer von dem Herzoge Carl von Braunschweig demLandgrafen Friedrich zu Kassel empföhle» wordenwar, so erhielt er von solchem die Erlaubniß,die berühmte pissende Kuh des P. Potter auf da-siger Gallcrie zu kopieren. Allein der Neid desdamaligen Gallerieinlpektors van Freese hintertriebdasselbe, denn dieser berichtete dem Landgrafen,daß eine gute Kopie leichtlich dlc>Aechtheit deswahren Originals streitig und zweifelhaft machenkönne. — Man urtheilte damals von seiner Ar-beit, daß seine Kühe große Lehnlichkeit mit denendes Potter hätten; nur waren einige der Mei-nung daß er nicht im Stande sei, dieselben insGroße so wohl als dieser darzustellen. Kaum saher jedoch den Stier, den Potter in ganzer Lebens-größe gemahlt hatte, so wurde von selbst seinEhrgeitz rege, sich auch im Großen zu versuchen.Daher spannte er, gleich als er in seine Behau-sung trat, ein Tuch von ro Fuß Höhe und 14 FußBreite auf, und bemahlte dasselbe mit zwei frie-sischen Kühen (eine stehende Blauschecke und eineliegende mit gelben Flecken), einemSchaafe, einemsehr großen schwarzen Ziegenbocke benedst einemZiegenlamm und einem Hirten, der an einemBaume steht, von dem er sich einen Zweig ab-schneidet. Im Hintergründe sah man mehreresVieh auf der Wiese und noch weiter hinten dasschöne Elmgebürge. Das Vieh war ganz in Le-bensgröße und fo trefflich ausgearbeitet, daßjeder fernere Tadel verstummen mußte. Dies ge-schah -769.
Im Jahr 1770 unternahm er abermals, in Ge-sellschaft seines Schülers Aug. Hartmann (dieLebensbeschreibung dieses großen Landschafts-
malers wird künftig folgen) eine Kunstreise, dieüber Elberfeld und Brüssel nach Holland undBraband ging. ftnDüsseldorf, wo er sieben Wochenverweilte, fertigte er mehrere Kopien; als : Dondem berühmten Gemälde Berghem's mit demweißen Pferde und dem schönen Vieh (es istwohl nicht leicht eine vollkommenere Kopie nachdiesem Bilde gemacht worden, als Weitsch hierin der kürzesten Zeit zu liefern wußte); von einerLandschaft des Asselyn , und von einem Viehstückdes W. Romeyn. Auch vermochten ihn dieWünsche des Herrn van Douvens"und des Direk-tors Krähe, ein Gemälde von Melin (JosephMelling ?) mit Vieh zu staffiren. Da Weitschwegen seiner Geschicklichkeit, wegen seiner Kennt-nisse in allen zur Kunst gehörigen Dingen, undwegen seines fröhlichen und biedern Charaktersüberall sich Freunde erwarb, so wollte die Düssel-dorfer-Akademie ihn engagieren; sie wandte sichdeshalb an den Churfürsten von Baiern nachMannheim , und die Genehmigung erfolgte. Alleinwie ebrenwerth auch das Anerbieten war, wasman ihm machte (ein Gehalt von 1200 st., freieWoknung und noch viel andre Emolumentemehr), so reiste er dennoch weiter, weil erseinem Herzoge, der wohl wußte was er anihm besaß, das ausdrückliche Versprechen hatteablegen müssen, in seine Heimath zurükzukeh-ren. Die»Kenntnisse, die er von den Manierender vorzüglichern Meister besaß, erwarb ihmin Holland viele Freunde. Obwohl er zu Am-sterdam eine Menge Sammlungen durchmusterthatte, so war es ihm doch noch nicht möglichgewesen die vorzüglichste derselben, nämlich dasberühmte Kabinet des Herrn Braamcamp zu Ge-sichte zu bekommen. Er wurde immer wiederbestellt, und jedesmal verwies ihn doch die Eigen-heit und das Phlegma des Besitzers wiederumauf einen andern Tag und eine andre Stunde.Endlich nahm weitsch ein bestimmtes Betragenan und ließ eines Morgens dem Herrn Braam-camp sagen, er würde nunmehro sein Haus nichteher wieder verlassen, als bis er seine Samm-lung gesehen habe. Diese Aeußerung erschiendem Holländer zu auffallend, als daß er nichtselbst Verlangen getragen hätte, den Mann ken-nen zu lernen, der nun einmal platterdings sichnicht abweisen lassen wollte, weitsch wurde mitseinem Schüler in das Zimmer geführt, wo ihndenn der stolze Besitzer, der in einem großen Sesselsaß, mit den Worten bewillkommte: Ijeer
«jss 8ob)ftlllere^ lli kent tie suke^lrev.Weitsch hatte die Methode, bei Besichtigung vonKunstwerken, zuerst seinen Schüler den Namendes Meisters nennen zu lassen, und traf dieser nichtden rechten, so belehrte ihn sein Meister desBessern. Dies Verfahren erregte den Beifalldes Herrn Braamcamp; und da weitsch die Ver-fertiget einiger Malereien nannte, welche demBesitzer noch unbekannt geblieben waren, weil sieder teutschen Nation angehörten, so erhob der-selbe sich schlüßlich von feinem großen Sessel,trat neben Weitsch und frug ihn nach den Ver-fertiget» einiger höher hängenden teutschen Schil-derten. Weitsch entdeckte ihm dieselben, undBraamcamp schrieb sie sogleich sorgfältig auf.Unterdessen hatte der Unsrige nur eine Viertel-stunde zur Besichtigung sich ausgebetcn z er sahnach der Uhr, die Zeit war längst vorüber, erdankte daher und wollte gehen. Allein derHolländer sagte er solle bleiben, er habe ihmnoch nicht angedeutet, daß er gehen möchte;und hiermit öffnete er ihm die Thüre einesandern Zimmers, weitsch wurde voller Er-staunen; denn jetzt erst sah er die herrlichstenund prächtigsten Gemälde vor seinen Augen Wieer darauf wieder anfing die Namen der Meisterzu nennen, so schlug ihn Herr Braamcamp aufdie Schulter und sprach: vv^ell mvn tteer; und