Band 
Zweyter Theil [5].
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6090
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Winkelmann.

60 JO Wehel.

Gouache. Unter diesen mannigfaltigen Beschäfti-gungen, stets im Kreise der gedachten wackernMänner, die zusammen das angenehmste, heitersteKunstieben führten, verstoßen ihm eilf Jahre sehrkurz, als die Anstalt zu Herisau in 1809 sich auf-löste. Lory, mit seinem bereits zum wackern Künst-ler herangewachsenen Sohne, war schon eilf Jahrefrüher, nebst seinem geschickten Neffen, Moriz,»ach Neuschatel gezogen, wohin der mit reichemKunstsinn begabte HOsterwald ihn berief, unterdessen Leitung das mit Recht berühmte Werk derVo^a^s pittoresque 6s Oenevs u Elan purle 8implon (55 Bl.), von Lory Vater und Sohngezeichnet, herausgegeben wurde. Dahin gingnun auch der Unsrige, arbeitete zu eben demsel-ben Werke, copirte der Lory's Original-Zeich-nungen, und kehrte dann ein Jahr spather nachseinem Vaterlands zurück. Von dieser Zeit andatirt sich sein selbstständiges Künstlerleben; seineArbeiten wurden bekannt, und erwarben ihm vieleBestellungen. So malte er z. B. in Aquarell vierBilder von Gegenden am Seeufer für den regie-renden Fürsten von Dietrichstein , der sich damalsin der Schweiz aufenthielt; so einen Transparentvon ungewöhnlicher Größe, der den Rheinfall inseiner ganzen Fülle darstellte, den des Kaisersvon Oestreich Maj. während seines Aufenthalts inZürch an sich brachte, nebst einer Menge kleine-rer, gefälliger Bilder, alle nach der Natur.Mittlerweile hatte sich weyel mit einer vortreff-lichen Frau verheirathet, welche aber, ach!nur auf kurze Zeit das eigentliche Glück seinesLebens gründen sollte, als ei» unglückliches er-stes Wochenbett sie ihm bald durch den Tod ent-riß. In neuern Tagen zeigte besonders die Kunst-ausstellung zu Zürch von 1819 von ihm ein großesBild: Den Flecken Art im C. Schwyz mit derUmFegend und Aussicht auf den Zuger-See, ineiner herrlichen Abendbeleuchtung, gegenwärtig imBesitze des H. Pourtales zu Neuenburg ; danndiejenige im gegenwärtigen Jahr (1320.) zweywunderschöne kleinere Bilder von Montreux amGenfer-See, und vom näher gegen Wallis soreizend gelegenen Flecken Bex. Nach seinen Meister-Zeichnungen in Sepia, die er in den drey bisvier jüngsten Jahren alle nach der Natur an Ortund Stelle aufgenommen, hat F. Hegi io An-

sichten bom Vierwaldstätter, 10 andere vom Zürch-Zugerr Wallenstätker, und Egerisee, und endlich,so eben wieder 10. vom Gensersee (letzter gemein-schaftlich mit Hürlimann), in Aquatinta geetzt,welche bey Orell, Füßli u. Comp. in Zürch ,in drey Lieferungen (deren jede ein abgesondertesGanzes ausmacht) colorirt, und mit Französi-schem Text begleitet, in Royalfolio erschienensind, und in den nächsten Jahren noch mitähnlichen Ansichten der Italienischen Seen, sowie des Neuenburger- und Constanzer-Sees, zneinem Ganzen über alle bedeutenden Schweizer -scheu Wasserspiegel sollen vervollständigt werden.Die Original-Zeichnungen zum ersten und zwey-ten Hefte hat eine geistreiche Brittische Dilettantin ,MadM. Comptoir in London erstanden, und zumvoraus auf alle späthern Beschlag gelegt*).

So steht, unter den Schweizerschen Land-schaftern in der schönen Gattung der Aquarelle,nunmehr der Unsrige mit und neben den beydenLory's, wohl unbestritten, oben an. Gleich ih-nen hat er sich d>e Schweiz zu Berg und Thalzum fast ausschließenden Gegenstand seiner Kunstgewählt. Eine besonders glückliche Auswahl seinerStandpunkte, die wahre Darstellung der charack,teuflischen Natur dieses Landes, ohne Ueber-treibung seiner oft höchst /änderbaren Gebirgs-formen, welche, vor den Zeiten des klassischenLudwig Hetze, alle altern, und seither so viele neuereKünstler sich zu Schuld kommen ließen, ein wun-derschönes Baumschlag, reiche, doch nie über-reiche Vorgründe, die anmuthigsten Mittelgrün-den, klare Wasser, die reinsten Lüfte, der Silber-duft seiner Fernen, die sichere Bezeichnung derTagszeiten, der Zauber seines Licht- und Schatten-spiels, und zwar alle dieses ohne eitelen Prunk,und, dem Anschein nach, fast ohne Mühe, be,zeichnen alle seine größten und kleinsten Bilder,die er, einmal reiflich überdacht, und auf derStelle selbst entworfen, mit einer seltenen Fertig-keit auszuführen das Geschicke hat, sobald seinauch für alle übrigen ediern Freunden des Lebensreger Geist ihn, mit stets erneuerter Lust, an seineArbeit führt, welche Ehre, und allgemeiner Bey-fall immer reichlicher lohnt.

*) Kleinere Blätter von Schweizergegenden endlich, hat nach unserm Künstler ebenfalls Heg! für die HelvetischenAlmanache geetzt. »

III. Auf diesen Art. wird oben S. 6018 . gewiesen.

Winkelmann (Johann) *), geb. 1717 zuStendal in der Altmark , der einzige Sohn einesdortigen armen Schusters. Unter solchen Umstän-den mußte er, dessen Neigung zum Studirenfrüh' erwachte, seine Jugend in äußerster Dürf-tigkeit zubringen, und sich mühsam durch Nothund Hindernisse durcharbeiten, um endlich in der

zweyten Hälfte seines Lebens das Ziel seiner Be-strebungen zu erreichen. Den ersten Grund seinerGeistesbildung legte er in der Schule seiner Va-terstadt, wo er sich durch seinen Fleiß bald zuden obern Klassen hinaufschwang, und die Liebedes Rektors Läppert so sehr gewann, daß dieserihn zu sich ins Haus nahm. Als spälherhin Blind-

') Wir scheue» uns nicht, durch Selkstgesta'ndniß unsern Lesern die leiste Mühe zu ersparen, ersten An-blicks zu finden, daß wir die einfachste und prunkloseste aller winkeliiiannisöbcn Biographien so wie sichdieselbe an der Spitze der Gesamtausgabe seiner Werke findet, fast buchstäblich (mit wenigen Auslassun-gen, und mit der einzigen wesentlichen Veränderung in Erzählung der Umstände seines Todes) bey Entwer-sung dieses Artickels zu»n Grund gelegt, dann aber denselben durch mannigfaltige, theils eigene, theilsaus seinem Briefen u. s. f. gezogene Anmerkungen und einige litterarische Anhänge, wie wir hoffen nichtbloß erweitert, sondern auch erläutert baden.