Band 
Zweyter Theil [5].
Seite
6094
JPEG-Download
 

X

Winkelmann.

Italienische; bald hieß es, sie sollte gar (manLenke!) ins Französische übersetzt werden *) ,Umaber die Wirkung in Deutschland noch vollständi-ger zu machen/ beschloß w. sie in einer andernSchrift selbst anzugreifen; und dann in einerdritten sie wieder zu vertheidigen. Dies geschahauch/ und die drey Schriften erschienen zusam-men verbunden (172 S.) wieder bey Walther imff. Jahr (1756.) als der Verfasser bereits in Rom war. Denn nach Beseitigung aller Hindernisse ginger endlich mit einem Jahrgehalte von so» Rthlr.die der König ihm durch seinen Beichtvater/ alseine Privatuntcrstützung von diesem auszahle»/und noch auf ein folgendes Jahr zusichern ließ/im Herst 176h nach Italien ab/ und langte/nach einer Reise von acht Wochen über Tyrol/Venedig, Bologna u. s. f. zu Rom an **). Jtztwar er am Ziel seiner Wünsche. Mit gutenEmpfehlungen versehen, fand er bald Freundeund Beschützer. Sein Bekehrer Archinto war be-reits wieder von seiner Nunziatur zurückgekehrt;Dietrich hatte ihn an den damals schon berühm-ten R. Mengs empfohlen, per ihn mit Freund-schaft aufnahm, und es entspann sich zwischenihnen bald ein Verhältniß, das beyden zu großemNutzen gedieh. Mengs war dem mit Kenntnissendes klassischen Alterthums ausgerüsteten Gelehrten«in erfahrner Leiter im Gebiete der Kunst, unddieser hinwieder für den denkenden Künstler einereiche Fundgrube von Kenntnissen des Alterthums.Winkelmann war täglich in seinem Hause,studirte und schrieb bey ihm, und schon in denersten Monaten ihres Zusammenlebens beschloßensie, gemeinschaftlich ein Werk über die Kunstzu schreiben ***). Damals saß der gelehrteBenedlkt XI V auf dem Päpstlichen Stuhl. Seine«rsten Vertrauten waren die Cardinäle Passioneiund Alex. Albani, jener durch Gelehrsamkeit,dieser durch Kunstliebe, beyde durch Geiss aus,gezeichnete, aufgeklärte und freydenkende Männer,welche bald an dem Sächsischen Gelehrten, derihnen schon durch vorläufigen Ruf seiner großenKenntnisse empfohlen war, Geschmack fanden,und sich für sein Beßtes verwandten. Archinto,der indeß Kardinal u. Staatssekretär geworden war,bekümmerte sich, aller ehemaligen Versprechungenungeachtet, anfangs gerade am wenigsten für ihn;und, auf Bianconi's Empfehlung geschah' es,daß, durch Vermittelung des Päbstlichen LeibarztesLaurenti, Winkelmann schon im Anfange desI. 1766 eine Audienz bey dem Papst erhielt, derihn leutselig aufnahm und seines Schutzes ver-sicherte. In der ersten Zeit lebte er, auf seinekleine Pension beschränkt, ziemlich kärglich, aberzufrieden, und entschloß«», keinem Großen seineFreyheit zu verkaufen, so lang er sie je behaup-ten könnte. Daher schlug er z. B. die Biblischeskarstelle bey dem Kardinal Passionei aus, derihm darum nicht minder den freyen Gebrauch der-selben erlaubte, und ihn oft in seine Gesellschaftund an seine Tafel zog. Erst später folgte auchArchinto diesem Beyspiel, als er sah, daß W.

Winkelmann.

von jenem, und überhaupt von den Großen desPäpstlichen Hofes mit solcher Auszeichnung em-pfangen wurde. Das erste Jahr seines Aufent,Halts in Rom brachte er größtentheils mit derBetrachtung der ältern und neuern Kunstwerkezu, um seinen Sinn zu üben, und durch Ver-gleichung das Bessere vom Schlechtem und dasNeue vom Alten mit richtigem Blick unterschei-den zu lernen. Unter diesen Bemühungen hätteer einst in der Villa Ludovisi beynahe das Un-glück gehabt, von einer Statue erschlagen zuwerden, auf deren Fußgestell er gestiegen war,um ihren Kopf näher zu betrachten, und die mitihm umschlug. Seine erste schriftstellerische Arbeitin Rom sollte ein Werk sey», unter dem Titel:Ueber den Geschmack der Griechischen Künst-ler, wozu er die Beschreibungen der vorzüglichstenalten Bildsäulen verfertigte, von denen er später-hin die wichtigsten seiner Geschichte der Runsteinverleibt hat. In ihrer ersten Gestalt blieb jeneSchrift unvollendet, und ebenso eine zweyte, dievon Ergänzung der alten Statuen handelnsollte. Es gohr noch zu sehr in seinem Kopfe,und sein Gemüth war von Eindrücken aller Artnoch zu stark beengt, als daß er sogleich einenbestimmten Plan für seine künftigen größer» Aus-arbeitungen hätte fassen können. Im folgendenJahre, als W- bey der ungewissen Aussicht, obseine Unterstützung aus Dresden während desKriegs länger fortdauern würde, seine so lang«bezeigte Sprvdigkeit milderte, und dem KardinalArchinto seine Dienste anbot, ließ ihm derselbein dem Pallaste der Cancelleria, wo seine Biblio-thek stand , einige Zimmer zur Wohnung anwei-sen, um die Aufsicht über diesen Bücherschatz zuführen, und denselben zu ordnen. Mi tlerweilewar nicht nur seine Pension aus Sachsen , son-dern auch die Zusicherung ihrer fernern Fortdauereingelaufen; und nun begnügte sich w. von demKardinale, ohne einige weitere Belohnung bloß diefreie Wohnung anzunehmen, und setzte sein aufgetra-genes Geschäft mit Eifer fort. Gelegentlich macht«er um diese Zeit auch die Bekanntschaft der ausge-zeichnetsten Gelehrten in Rom , unter welchen erdenCanonikus Gracomelli besonders schätzte, der da-mals für den beßlen dortige» Griechen galt. Frühernoch war er mit dem Baron von Stosch in Flo-renz , welcher eine der reichsten Sammlungen ge-schnittener Steine und anderer Kunstschätze besaß,in einen Briefwechsel gerathen, und ersterer, dermit dem Kardinal Alex. Albani in freundschaft-lichen Verhältnissen stand, empfahl demselben seinendeutschen Landsmann so nachdrücklich, daß w- vor-nehmlich dieser Empfehlung das Vertrauen des Kar-dinals und seine nachherige Aufnahme in dessenDienste verdankte. Der Baron starb 1767 undhinterließ seine Kunstschätze einem Sohn seinerSchwester, Muzel-Stosch mit dem Wunsche, daßW. das Cabinet der geschnittenen Steine ordnenmöchte. Schon seit Jahr und Tage war eineReise nach Neapel , hauptsächlich der herculani-schen Alterthümer wegen, sein Wunsch und Vor-

s) Was, nach Daßborf l- S. -z. Note") wirklich geschah. Hubers Biographie von w. hingegegen be-hauptet das Gegentheil; wohl sey von einem H. Wächter ein ausführlicher Ertrakt dem Jeoncrheftc des

Journal etranger von 1756 beygerückt worden. Ins Englische übersetzt ( 8 ? London 765.) wurde solchedurch den Maler H. Füßli.

i»u) Nachrichten von seiner Reise dahin s. vornehmlich in einem Briefe an Franke vom 7. Dez. und in einem

andern an Berendis vom 20. Der- -755 beyde von Rom batikt. Ueber den Eindruck, welchen Land und

Leurhe in Tyrol auf ihn gemacht, spricht er mit besonderm Enthusiasmus.

au:») Die ersten Nachrichten w. von seinem Befinden in Rom sind in zweyen Briefen, an den Grafen von Büuan,und seine» Bibliothekar Franke (bende vom 29. Jan. 1756.) enthalten. Den erstern achtete er bis andessen Tod, neben dem P. Rauch, für seine» größten Wohlthäter, und schrieb noch unterm 26. Jun. 1762als er des Grafen Hinschcid erfuhr, an Franke: «Ich sinne auf Gelegenheit, demselben ein öffentlichesDenkmal meiner ewigen Dankbarkeit zu hinterlassen; aber es wird spät werden, und vielleicht wird meineSeele mit dessen «dein Seele vereinigt, ehe es geschieht"