Band 
Zweyter Theil [5].
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Winkelmann.

Winkelmann

«heil es war, einen solchen Führer zu haben.Derselbe war in diesem Geschäft unermüdlich,und genoß damals einer weit bessern Gesundheit,als wahrend der ersten Jahre seines Aufenthaltsin Italien . Immer sprach er mit uns mit demnämlichen Feuer über alle Gegenstände, die unse-rer Aufmerksamkeit würdig waren. Gewöhnlichdauerten unsere Gänge bis drey oder vier UhrNachmittags; alsdann blieb N). bey uns, oderwir aßen alle dreye bey dem Prinzen von Meck-lenburg ; und sehr oft war unser Gespräch beydem Essen eine Wiederholung seines^UnterriStsvom Morgen. In meinem, wenn schon nur flüch-tig geschriebenen Tagebuch find' ich noch tausendInteressantes aus seinem Munde. In Gesellschaftunsers Fürsten, der, wie Sie wissen, ihm innigergeben war, fand er sich in voller Freyheit,nach Herzenslust zu sprechen, war daher immervom beßten Humor, und belustigte uns mit sei-nem lebhaften Witze eben so sehr, als er unsdurch seine wissenschaftliche Bemerkungen belehrte.Hinwieder fand er auch unsern Umgang so ange-messen für ihn, daß er von allen Landparthieenseyn wollten, die wir in der reihenden Umgegendvon Rom, nach Tivoli, Frascati , Palästrina u. s.f.oder nach den Villen des Kardinals Albani zu Castel«Gandolso und Nettuno machten, wo dieser Prä-lat die Höflichkeit hatte, dem Fürsten nicht bloßzu beherbergen, sondern auch mit aller Nothdurftzu versehen; hier war es immer N). der die Hon-neurs machte, und kein größeres Vergnügen kannte,als uns gefällig zu seyn. Sie fühlen, wie alledies ihn uns theuer und werth machen, wie seingutes Herz und seine einfache biedere Denkarr un-ser Interesse an ihm immer steigern mußte. VollOffenheit, wo er nicht auffallende Ursache zumMißtrauen hatte, gab er sich seinen Freundenganz hin, und hätte sich aufgeopfert, um ihnenzu dienen. Erst nach seinem Tode vernahm manvon verschiedenen Dürftigen das Gute, welcheser ihnen nach seinem Vermögen erwiesen hatte.Seine Einkünfte bestanden in einem kleinen Jahr-gelde des Kardinals Albani, in einem anderndes Kardinals Stoppani, und in demjenigen,welches er von seiner Stelle eines Präsidentender Alterthümer des Kapitals bezog. Dies Alleszusammengenommen machte ihn nichts minder alsreim; da er sich aber frühe an wenige Bedürf-nisse gewöhnt hatte, machte er sich nichts ausAllem was Glücksgüter hieß. Eben so wenigkannte er, außer dem Ruhme der Gelehrsamkeit,irgend einen andern Ehrgeiz. Von mächtigen Be-schützer» begünstigt, hätte es bloß an ihm gestan-den irgend eine einträgliche Pfründe zu erhalten,sobald er sich dazu bequemen wollte, den Priesterzu spielen; aber seine Freyheit war ihm zu theuer,und er schätzte sich vollkommen glücklich in seiner

Lage. Zu Rom wohnte er im Pallaste Albani aufdem obersten Stockwerke; Homer, Euripides ,und noch etlich andere griechische Klassiker mach-ten seinen ganzen Bücherschatz aus; auch bedurfteer keines mehrern für eigen, da er sich desjeni-gen im Hause Albani mit voller Freyheit bedienenkonnte, nach welchem sonst eben Niemand lüsternwar. In seinem Kleiderschrank fanden sich zweyschwarze Röcke, und ein großer Pelz, den er ausDeutschland mitgebracht hatte, und dessen ersich im Winter bediente, da er sich gewöhnt hatte,in seinem Zimmer nie kein Feuer zu machen,ausgenommen zur Zubereitung des Chokolats.Sein Kuustvorrath entsprach allem Uebrigen;Kostbares besaß er nichts, als einen schönenantiken Faunskopf, der in den Monumenti ab-gebildet ist, und den ich bey meiner neuen Reisenach Italien im Schlafzimmer des Kardinals inder Villa Albani, als einen köstlichen Schatz auf-bewahrt, wieder gefunden habe. Noch einen Um-stand darf ich nicht vergessen. Mehrmals sagteer mir, daß er als ein guter Sohn der Kirchegewohnt sey alle Morgen, wahrend dem er seinDejeunö koche (Gott und alle Heiligen verzeihenes ihm!) einige unserer schönen lutherische Liederzu singen *). Alle dieses beweist Ihnen, wieglücklich er war, und wie sehr er es verdiente,solches zu seyn. Rom liebte er neben Anderenauch der dort herrschenden ungemeinen Freyheitwegen, besonders für die welche kein Amt undkeine Intrigue suchen. Freylich war dies der Ort,wo er leben und sterben mußte, wenn er, so wieer es that, auf der Bahn fortgehen wollte, die er,allerley Ränken ungeachtet, welche kleine Gegnergegen ihn schmiedeten, sich nun einmal geöffnetharte. Uebrigens nahm er von den italienischenSitten wenig an, sondern lebte lieber nach seinerschlichten deutschen Weise. Seinem ursprüngli-chen Vaterland war er von Herzen zugethan, undmachte sich eine Pflicht daraus, seinen Landleu-then angenehme Dienste zu erweisen **)." (Hierfolgt die schon oben angeführte Stelle, wie N).eines Tags über seine Religionsveranderung gegenden H. von Erdmannsdorf sich äußerte). „DerKardinal Aiban, liebte ihn wie seinen Sohn; und,obwohl diese Eminenz eben nicht ein sehr weichesHerz hatte, konnte er (bey meiner zweyten Reise )mir ohne Thränen im Aug nie von dem Verstor-benen sprechen ***)."

2. ü'tt'L kiograpliiscke u. litersriscüe Isso-

ti2 von^oü.lVinkelmsnn^o, Na^llsd.

797. be^ kassau. Eine, durch genaue Be-nutzung der vorhandenen Quellen lesenswerlheSchulschrift, aus welchen wir oben, inmehrere Anmerkungen Verschiedenes entlehnthaben; eben so aus:

--) Auch als eigentliche Andacht: «Wenn Ihr" (schreibt er an Usteri 27. Sept. 766.) «mein Leben vomMorgen bis in die Nacht sehe» solltet, Ihr würdet euch wundern, wie ein Mensch allein alles machenkann: ich bin mir selbst Magd, Diener, Schreiber und Böthe. Bev dem allen bringe ich eine halbeStunde zu, ohne zu arbeiten, und dieses ist des Morgens, wo ich meinem Glücke nachdenke; bey diesenBetrachtungen singe ich Lieder aus dem lutherischen Gesangbuch?, ivie mir dieselben einfallen, und bin indiesen Augenblicken vergnügter als der große Mogol." Scvw. De. S. >56. Auch wir haben ihn oft seinliebstes unter den erwähnten Liedern jenes herrliche: «Warum sollt' ich mich dann grämen", beym Ein-treten auf sein Zimmer aus voller Kehle singen hören.

*») Mit welchen Beschränkungen, und aus was für leicht verzeihlichen Gründen, werden wir noch untensehn.

E) Oft haben wir uns verwundert, daß in A- Rode's Leben des H von Erdmannsdorff (g? Dessau 8<"-)seiner und des Fürsten von Dessau Verhältnissen mit dem Unsrigen ein einziges Mal (S. 12.) Erwähnunggeschiehet, wie folgt: «Winkel,»nun zu Rom , froh unter so zahllosen stumpfen Anstaunern endlich ein-mal zwei eben so wißbegierige als fähige Mvsten zu finden, weidete sie mir Entzücken in die Geheimnisseder Kunst ein. Er begleitete sie überall zu Rom. Seine Anhänglichkeit an den Fürsten ward Enthu-siasmus. 2 ha wollte er auch auf seiner unglücklichen Reise nach Deutschland besuchen, wo er den Todfand."