Band 
Zweyter Theil [5].
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Keckheit über alles schätzten; Eigenschaften, welchefreylich die Werke Ludvic's ihres Lehrers bezeich-neten , bey diesem aber das Resultat anhaltenderStudien, und ununterbrochener Uebung des Geistesso gut wie der Hände war. Mittlerweile fandmau den Unsrigen beständig um seinen Meistermit größter Aufmerksamkeit bemüht, ihm alle Re-geln der Kunst bey der wirklichen Ausübung ab-zulauschen. So langsam Domenichino, zumalin seiner Studienzeit, im überlegen und entwerfenseiner Arbeiten war, so ununterbrochen und unsermüdet ging es dann fort bis zur Vollendung,so daß man ihn oft mit Gewalt an Essen undSchlaf erinnern mußte. Um sich ganz der Kunstzu widmen, entzog er sich aller (sogenannten) Ge-sellschaft, und besuchte dafür fleißig, in einenMantel gehüllt, unter welchem er sein Memoran-denbuch trug '), die Märkte und Schauspiele,um dort zu bemerken, wie die Natur auf denVolksgesichrern Freude, Zorn, Schmerz, Furcht ?)und alle andern Affekten malt, um dergestalt,wie Bellori sagt, das Gemüth zu zeichnen,das Leben zu färben, und in den Zuschauerndenjenigen Eindruck zu wecken, den jedes seinerBilder bezielen sollte, so wie es ein Ariost oderLasso mit dem Zauber ihrer Dichtungen thun.Das Beobachtete zeichnete er auf der Stelle flüchtigin das Büchelgen, prägte das Mehrere seinemglücklichen Gedächtnisse ein, und entwarf, sobalder nach Hause kam, seine Scizzen — alle dies vonseinen Mitschülern beynahe unbemerkt, die ihn,als den jüngsten, noch immer in wenig Be-trachtung zogen ^). Ludwig Carracci hatte dieGewohnheit, je zu zwey Monaten um, seinen Un-tergebenen einen Gegenstand aus der Geschichteoder der Mythologie zu einem Preisbild aufzurgeben; dreymal wurden dergleichen Zeichnungengekrönt 4), deren Urheber unbekannt blieb. DesLehrers Bruder, Auguflin, welcher bald auf die-sen , bald auf jenen der Schüler rieth, fiel end-lich auch auf Dommichino, der zuletzt mit be-scheidenem Errokhen gestand, daß er der Glück-liche sey. Von der Zeit an erwarb er sich dieHochachtung aller seiner Nebenbuhler, und die

besondere Freundschaft des edeln Francesco Al-bani, mit ocm er sich von da an aufs innigsteverband. Nach mehrjährigen Studien zu Bologna besuchten sie mit einander Parma, Piacenza , Reg-gio und Moden«, und richteten zumal ihr Augvorzüglich auf die Werke des Correggio . Balddarauf ging Albani nach Rom . Länger als sechsMonate vermochte nun der Unsrige diesen Ver-lust nicht auszuhalten, und zog seinem Francesconach §). Dort beherbergte und verköstigte derselbeihn zwey volle Jahre Ein guter Ruf war ihmvorausgegangen ; daher empfing ihn auch AnnibalCarracci mit größter Theilnahme, und bedientesich nicht nur des talentvollen Jünglings bey seinenWerken im Pallaste Farnese, sondern unterstützte ihnüberhaupt aufs Nachdrücklichste — vielleicht auchdeswegen, um Guido Reni ein Gleichgewicht zusetzen §), der sich damals mit den jünger» Adrlersflügeln zu dem fünfzehn Jahre altern Annibalempor schwang. Also nicht nur ließ dieser denUnsrigen in der Galerie Farnese nach seinen Kar-tons , sondern in der anliegenden Gartenloge auchnach eigener Erfindung arbeiten. Dort malte er(als sein erstes Bild zu Romt den Schmerz derVenus über den Tod des Adonis, zur größtenZufriedenheit seines Meisters ?). Aber eben An-nibals Gunst erweckte ihm eine Menge Neiderund wirkliche Feinde, als ihn jetzt dieser, durchden päpstlichen Caremonienmeister Franz Paolo,mit dem Prälaten I. G. Agucchi, einem Bruderdes Kardinals dieses Namens, in Bekanntschaftbrachte §). Nur mit Mühe konnte ersterer dasungünstige Vorurtheil besiegen, wodurch der letzterebereits gegen den Künstler eingenommen war.Dieses geschah vermittelst eines Etaffeley-Bildes,welches den von dem Engel aus dem Gefängnißbefreyten Petrus zum Gegenstand hatte §), dasdenn doch dem Kardinal so wohl gefiel, daß erihm sofort den Auftrag gab, im Porlicus derKirche St. Onofrio drey Auftritte aus dem Lebenvon St. Hieronymus in Fresco zu malen: DessenTaufe; wie er vom Engel wegen dem Lesen vonCicero's Werken mit denselben zu Boden geschlagenwird; und endlich des Teufels Versuchung dieses

lich Augustin's übermüthiger Sohn Anton) den Unsrigen >1 l>ove -teils pirrurs ; aber Hannibal bemerkteihnen: „Daß dieser Skier ein Feld bearbeite, welches einst reichliche Früchte bringen werde". Jedoch auchUnbefangene bemerkten: „Bey Anbeginn seiner Studien schien sein Geist etwas träge zu seyn, weil erlief und genau war; und puffert schreibt überhaupt seine Fortschritte mehr seinem Fleiß als seinem Geniezu".

>) Man sehe sein selbstgemaltes Bildniß in der Galerie zu Florenz .

2) Oder, wie die auspinselnden Ultramontaner sich ausdrücken : „Hier beobachtete er die Unschuld der Kinder,die Schwachheit der Greise, die heftige Thätigkeit der Männer, die zartere Theilnahme der Frauen",u. s. f.

z Anfangs that er in dieser Akademie noch eigentliche Juugensdienste: rervivs s prepsrsre i lunri e » k»r»l'slrre l-isogne, senLS coorril-ilire s 5PLS2 , heißt es bey Bellori (p. -72).

4) Dieser Preis bestand darin, daß der gekrönte den Namen eines Akademie-Prinzen erhielt.

5) Neben seiner Begierde, sich wieder mit Albani zu vereinigen, waren einige Zeichnungen von Hannibal, dieer in Ludwigs Schule zu Gesicht bekam, ein neuer Antrieb für ihn, jenem zu folgen.

L) So wie Ludwig zu Bologna ihn dem Guercino entgegengestellt hatte!

7) Wir kennen keinen Stich davon.

8) Bey Philipp Bonamici in! <le elsri, epiirolaruin reriproriliu, p. 285- heißt derselbe srri, picraii»

Ivcellißeii«, Osrscci smicur, ejurgue scl Lisroris« ksl,ulsigue j-ingenüss sucior er ÜU2.

s) Noch jetzt Altarblatt in der Kirche St. Peter in Vincolis (Figuren von 4^ Höht). Gestochen von P. Daret,besonders aber prächtig von I. Mariette, und für Helldunkel noch besser (>779) von D. Eunegv, aber mitWeglassung des Vorhofs, wo die Wächter schlafen. Mit den Wäcbrern auch bev Landon im llmriste«. l>i? 87-