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Zampieri.
welcher vom Domem'chi'no verschiedene Gemäldefür die Galerie des Königes von Spanien ver-langte '). Dieser fertigte sie auch/ wodurch ersich aber von den Cavalieren, welche die Auf-sicht über die Capelle del Tesoro führten, vieleVerdrießlichkeiten zuzog, indem er die Arbeiten inderselben nicht fortsetzte. Alles dieses bewog ihn,da er seine Furcht nicht länger bemeistern konnte,heimlich von Neapel zu entfliehen. Seine Fluchtsetzte die Aufseher des Baues in die größte Ver-legenheit, woraus sie erst im Frühjahr -636 ge-rissen wurden, in welchem Domlnichlno nachvielem Zureden und Ueberlegen wieder nach Nea-pel kam. Dort siacb er im Jahr i64>, nichtohne Verdacht von Vergiftung, und ließ die Kup-pel unvollendet, die dann vollends von Lanfcancogefertigt, und die Arbeiten seines großen Vor-gängers mit wenig Schonung behandelt wurden?),so daß nichts mehr als die vier Winkel, undweniges darunter Befindliches davon übrig blieb.Noch mußten Mutter und Tochter den größtenLbeil des von der Regierung dem VerstorbnenVorgefchoßenen wieder herausgeben. Sein Leich-nam wurde einsweilen zu Neapel in der Erz-bischöflichen Kirche begraben, dann aber kurzeZeit hernach in der Akademie St. Luc zu Rom eine seiner würdige Todtenfeyer für ihn veranstal-tet, bey welcher I. D. Passerini die Gedächtniß-rede hielt. Bey einem sparsamen, und dabeysehr arbeitsamen Leben bestand (neben vielen Zeich-nungen und Scizzen) seine ganze Derlassenschaftin ungefehr 20,000 Scudi a). Um seine einzigejunge, schöne, talentvolle Tochter wurde vielfäl-tig geworben. Ein Edelmann von Pesaro erhielt
Zampieri.
sie. — Domenichino's Gestalt war von mitt-lerer Größe, etwas fettlicht, von blaßer Farbe,doch mit röthlichten Wangen, blauen Augen undeinem sehr angenehmen Munde. In den letztenJahren seines Lebens gaben seine weißen Haareund seine Art sich einfach und mit Geschmack zukleiden ihm ein Ehrfurcht gebietendes Aussetzn «).Im Umgang war er verbindlich, doch immerernsthaft und lehrreich, und zog überhaupt dieEinsamkeit der Gesellschaft vor. I„ seinen Muße-stunden las er, neben den H. Schriften, Ge-schichte und Mythologie, und modellirke bis,weilen kleine Figuren. Bey der Composition sei,ner Werke zog er häufig den oft erwähnten Mon,signor Agucchi zu Rath; und Albani meint, dieoft allzu gesuchten Ideen, welche man in einigenseiner Darstellungen bey St. Andrea della Balleund St. Carlo de Catenari rüget, habe er ebendiesem Geistlichen zu verdanken, der Spitzfindig-keit gerne für Tiefe hielt. In den Studien seinerWerke findet sich eine Ueberlegung ohne gleicheMan kennt einige Zeichnungen von ihm, woKopfe, Hände u.s.f. in Stellung und Bewegungsieben und achtmal wieder abgeändert sind, undmehr als einmal begegnete es, daß er zwanzigScizzen von Einer Figur machte. Diese seineMühsamkeit im Erfinden, oder vielmehr sichhierin selbst genug zu thun, mußte seiner Locci,rung etwas Schwerfälligkeit und Unbestimmtheitgeben; wenn indessen seine Freunde ihn hierübereines Andern belehren, und auf die ganzverschiedene Weise seiner Zeitgenossen leiten woll-ten, war seine kurze Antwort: „Ich arbeite fürmich selbst, und für die Vervollkommnung meiner
und ebenfalls bey o. lv>? 96. im Umrisse, von Dague geetzt, zu finden ist; und zwar dort, nach
einer Zeichnung des Unftigen in schwarzer Kreide, in Figuren von 7" Höhe, im Museum Napoleon .Sonderbar aber ist es, daß Landon hingegen, in seinem Leben von Zampieri S. 47. ausdrücklich sagt:Er habe dieses Bild in gedachter Kapelle zwar ausführen sollen; es ftp aber nicht geschehen, und Lanftancohabe »ach dessen Tod ein anderes an seine Stelle gefetzt.
1) Diese Bestellung ward ebenfalls sehr künstlich von seinen Feinden eingefädelt!
2) S. Fiorillo n. zz?—gg. u. 550 — 51- so wie überhaupt über Alles, was der Mistige zu Neapel erlitt,besonders ausführlich Baglioni, Dellori, Malvnsia und puffert szm». Hier nur einige zerstreuteZüge: Eine förmliche Gesandschaft unterhandelte mit ihm zu Rom üver seine Reise nach Neapel , die er anrEnd gegen den Rath seiner Frau und seiner Freunde unternahm. Man hatte ihm zum voraus Schutzgegen beftrgliche Künstlercabalen, dann für jede ganze Figur 100 Scudi, für die halbe 50, für den Kopf25. und am End für das Ganze noch eine Gratifikation (freylich unter den pünktlichsten Gegenbedingen,Nerpönungen und Verkürzung) verheißen. Daß er bey Anbeginn feiner Arbeit Einiges von derjenigenseiner Vorgänger (Correnzio und Carracciuolo) notgedrungen wegbrechen ließ, setzte diese in Wuth;sie wurden nicht müde, die ftlnige als geniclofts Machwerk zn verschreyen, das er, nach ftiiier Lang-samkeit, sein Lebtag nicht vollenden würde. Pasquille wurden an die Thüre gehängt; dem Volk weißgemacht-, er erhalte ungeheure Bezahlung, und eines Abends gar die Maurer bestochen, Asche unter denKalk zu mischen, auf den er folgenden Tags malen sollte. „Ohne einen freundschaftlichen Geistlichen"(heißt es irgendwo) „der ihn von Zeit zu Zeit durch Musick und Gespräch unterhielt, wär' er über allediese.Verfolgungen wahnsinnig geworden." Was er aber vollends nicht aushielt, war: Daß, als ihmder Vicekönig einige Arbeiten für den Spanischen Hof auftrug, man ihm Spagnoletto zur Seite stellte,der das Werk vorweg ihm unter Augen bekritteln mußte. Hierauf seine Flucht nach Rom. Frau undTochter sollten ihm nachfolgen; statt dessen wurden sie verhaftet, und sein Gut mit Sequester belegt.Dies bewog ihn endlich zur Rückkehr. Allein aus Uebel wurde immer Aerger. Selbst einer seiner Neffenwurde ihm.abtrünnig gemacht und verleitet, ihn durch aller Gattung Schrecknisse zu ängstigen. Andre(und zumal puffert S-45.) sagen: Zwey seiner Schwäger (welche ihm schon längst die Heimsteuer seinerFrau zurückbehalten) seyen, vielleicht von ihr selbst herbeygernftn (?) nach Neapel gekommen, und hättensich auf Seite seiner Feinde geschlagen. Nun traute er keinem Menschen, seiner eignen Gattin nichtmehr, und bereitete sich täglich selbst seine wenige Nahrung z». Zn solcher Pein brachte er noch dreyJahre hin; ein viertes hätte hingereicht, das übernommene Werk zu vollenden. Aber er erlag, die einensagen (was von einem zarten Gemüth, wie das (einige, so leicht erklärbar ist) seinem Kummer, nachdemer freylich zwey volle Tage grause Schmerzen erlitten hatte; daher der Verdacht einer Vergiftung, welche,nach der Behauptung seiner Frau, in einem Morgentrunk kalten Wassers ihm beygebracht worden. Seineschuldlose Seele ruhe im Friede»!
2) „So viel" (heißt es irgendwo) „als Guido oft an einer einzigen Nacht im Spiel — verlor."
4) Ebenfalls über Domenichino's Aeußeres lesen wir bey Bellori S. 212— ,z. was folgt: „Sein Antlitzwar röthlicht, die Angen himmelblau, volle Wangen, die sich bey der Nase ein wenig verdünnten,was ihm zwar kein heroisches, doch aber" (wie wir schon vernommen) „wegen den frühen grauen Haarenein ehrwürdiges Aussehen gab. Seinem angebornen Fehler, daß er die Füße einwerks wandle, suchteer durch entgegengesetzte Angewöhnung abzuhelfen; und es gelang ihm."
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