Band 
Zweyter Theil [5].
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Kunst." Seine Ueberzeugung ging nämlich dahin:Daß die Hand des Malers nichts ausführen soll,was er sich nicht vorerst im Geist gebildet habe;wenn er daher, nach langer Ueberlegung, mit Er-findung und Anordnung im Reinen war, wünschteer sich darüber Glück, als wenn er alles Schwie-rige seiner Arbeit überstanden hatte. Mit alledem aber war auch in der Ausführung sein festerGrundsatz, daß ein Bild in allen seinen Theilengleich vollendet seyn soll. Erfuhr er von Zeit zuZeit die bittern Urtheile seiner Feinde, dann sagteer etwa: »Ich muß also wohl glauben, daßich meine Sache recht gut gemacht"; und wennes gar hieß, daß dieselben Personen etwas anihm gelobt: »Ich fürchte, ich fürchte, daß ichda etwas Schlechtes gefertigt habe''! Haß warferne von seinem Herzen; und wenn es ihn bis-weilen verdroß, daß Guido ihm mehrmals vor-gezogen wurde, so war er dennoch der erste,ihm Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. Wo erauf ihn stieß, begegnete er ihm freundlich, undspäterhin leisteten sich diese zwey Künstler, so wür-dig sich gegenseitig zu schätzen, einander wirklicheDienste. Mit gleicher Unpartheylichkeit beur-theilte er alte und neue Meister, und glaubtebisweilen, auch bey denen von mittlern, Range,allerlei Gutes zu finden. Seine Stelle eines Ar-chitekten des Päpstlichen Pallastes hatte er, nichtbloßer Gunst zu verdanken; seine dieSfälligenKenntnisse waren allgemein geschätzt; dennochkennt man keine nach seiner Anleitung aufgeführtebedeutende Baute. Von dem Theatiner MatteoZoccolino hatte er Unterricht in der Optik undPerspektive erhalten, und legte sich auch auf dieMeßkunst. Statuen hat er zwar keine ausge-führt; doch zeigt man zu Rom mehrere, wozu«r Zeichnungen oder Modelle gab. Von früherJugend an zeigte er einen entschiedenen Geschmackfür die Musick, und geschickte Compositoren hörtenihn gern darüber sprechen, und bohlten sogar sei-nen Rath ein '). Seine Bilder fcohnten keinerleiUnsittlichkeit, und tragen alle das Gepräge seinesdurchaus reinen Personalcharakters, seines gutenGemüths, und der schönen Einfachheit seines gan-zen Wesens. ... Wie hat denn aber dieser Künst-ler, der sich einzig mit seiner Kunst beschäftigte,in der Einsamkeit lebte, und Anderer Werke nichttadelte, sich so viele Feinde einzig durch seine Ver-dienste zugezogen? In der That können wir unskeine andere Vorstellung machen, als daß seineVielen erlittenen Verfolgungen, theils von demNeid seiner Nebenbuhler, dann aber auch vonder Unwissenheit und dem Vorurtheil so vielerHalbkenner herrühren mochten. Denn freylich die-jenigen Schönheiten, welche seine Werke charak-teristisch bezeichnen, sind nicht von der Art, daßLiebhaber solchen Gelichters, oder Künstler, welchedie Kunst in Systeme zwängen wollen. Gefallendaran finden konnten. Wer z. B- in einem Bildegeräuschvolle Compositionen, erkünstelte Effekte, undcarrikaturirten Ausdruck sucht, wird solche beyZampieri nicht finden, dessen Gedanken so nüch-tern, die Zeichnung so correkt, die Färbung soeinfach, der Ausdruck so natürlich, die Stellungenso überlegt sind, daß er in allen diesen Beziehun-

gen selbst Raphael kaum weichen darf. Findetsich bey ihm bisweilen etwas Trockenes, odereine schwere Hand in der Toccirung, zerstreuteLichter, vernachläßigte Drapperie,, so ist solchesnur in seinen Oelgemälden; seine häufigen Jnfresrco's sind meist von, allen diesen Gebrechen srey,mit großer Keckheit und Leichtigkeit gemalt, unddie Wahrheit und Frische seiner Carnation darfden größten Coloristru den Handschuh' vorwer-fen -).

Alles, was wir bisher von Zampieri's Lebenund Arbeiten erzählt haben, ist ein gedrängterAuszug dessen, was Fiorillo und Landon, anden angeführten Stellen darüber beygebracht ha-ben, hie und dort mit Zusätzen und Berichtigungenaus den quellenmäßigen Nachrichten von Bevor,,Malvasia, pascoli, Passer, und Baglioni, nebstder Nachweisung der nach seinen vorzüglichstenWerken vorhandenen Kupferstiche. Hören wir nundie (freylich zum Theil sehr widersprechenden)eigentlichen Kunsturtheile, theils der schon ge-nannten, theils anderer berühmter Kunstlichterüber den kunstlerschen Werth des Unsrigen an;und zwar vörderst unserer Deutschen .

In einem Aufsätze von Mengs: Ueber dieverschiedenen Schulen der Malerey heißtes von ihm: »Man beschuldigt ihn der Lang-samkeit; allein dieses ist nicht wahr, denn er hateine erstaunliche Menge von Arbeiten geliefert,und fast allezeit ganz allein. Es finden sich vonihm keine gemalte Skizzen, sondern Cartons von derGröße, in welcher er das Werk fertigen wollte,und nach diesen malte er beynahe alle seine Erfin-dungen, indem er sie änderte und wieder ver-änderte. Seine Compositionen sind voller Aus-druck, indessen etwas zerstreut; alle Figurenderselben sind schön, allein in Ansehung des Cha-rakters nicht abwechselnd genug. Die Kinder be-handelte er ganz vortreflich, und keiner zeichnetedie Jünglinge besser als er. Seine Frauenzimmersind schön, sie haben aber alle ein trauriges An-setzn, und sind sich unter einander ähnlich.Seine Ideen waren keinesweges edel, aber wahr.Die Gewänder sind durchgängig schlecht; seinColorit ist von gutem Geschmacke; sein Helldunkelist sich zu sehr gleich, denn er breitete die Lich-ter zu sehr aus. In Fresko malte er besser alsin Oel ." In einem andern Aufsätze: Ueber denUrsprung, Fortgang und verfall der Lünste"),wird von ihm kurz, unter den Schülern der Carracci bemerkt, daß er sich, mehr als andere derselben,an die antiken Formen gewöhnt, und besondersden Laokoon und den Fechter müsse studirt haben.In den Betrachtungen über die drey großenMaler, Rapbael, Eorreggio, Tilian u.d. Al-ten §) liest man, in dem Abschnitte von RaphaelsKunst in der Composikion, etwas wegwerfend:»Domenlchinü hatte viel Ausdruck und Zeich-nung, und dieses war sein ganzer Hauptstock(tutko il suo cspitsie). Allein von welcher Artder Ausdruck sey, den er allen seinen Köpfengab, kann man kaum errathen, wenn es andersnicht ein Anstrich von Schüchternheit war, den

1) Doni, in seiner Abhandlung über die theatralische Musik, nennt ihn unter den aufgeklärten Liebhaberndieser Kunst.

2) V,'« ei Oeuvre, lle Oomini^ue kampier, 1 '. I. p. Z8 42.

L) ttebers von prange l Th. S. 244 45. 2 » h'Azara's italiänischer Ausgabe der Mengstfchrn Schriftenfindet sich dieser Aufsatz nicht.

4) I. 0. S. -ss.

;) 1. c. Tb. ll- S. ,8sg<>. (»ach dem Ital. berichtigt).