Band 
Zweyter Theil [5].
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die Kunst) im Anfange nur sehr mäßigen Beyfallvon, Publikum/ wiewohl der reinere (den Manie-risten entgegengesetzte) Geschmack von seinen Leh-rern schon begründet, und, was er leistete, nurals weitere Ausbildung und Vervollkommnung ih-res Styles anzusehen war."... Weiter:EinehoheIdee des Großen, Edeln, Kraftvollen, Thatfertjgenlag schon der Kunst des Carracci zu Grunde; siebedienten sich der Natur wirklich, um ihren Dar-stellungen das Wahrscheinliche, und den FormenDie Mannigfaltigkeit zu geben. Domeinchinound Guido gingen auf diesem Wege fort, undveredelten und verschönten noch merklich die Formenund Charaktere in ihren Bildern. Domenichmozumal hatte überhaupt den höchsten Zweck derKunst vor Augen; Guido strebte nach der Schön-heit", u. s. f. Dann aber auch an einer andernStelle:Die von den Carracci angenommenenökonomischen Maximen wurden gar bald übertreten;schon Guido zuweilen, und sogar Domenichmo,brachten an den Seiten ihrer Bilder, im Vorder-gründe, Figuren und Gruppen an, welche fürsich zwar allemal interessant sind, aber doch nichtdergestalt in der Geschichte nothwendig, daß sieuns nicht des Malers Bedürfniß kräftiger Massenverriethen, um seine übrigen Figuren besser zurückzu treiben. In der Folge wurde dieser Behelf,durch die Auckorität so großer Künstler unterstützt,fast zur Gewohnheit, besonders als man anfingan dergleichen Figuren, mit akademischen Studien,Pomp zu machen"; und:Anspielungen aufNamen und Wappen waren damals stark im Ge-brauch, und selbst Domenichmo, in den KirchenSt Andrea della Volle und St.Carlo a Catenarihat davon Gebrauch gemacht."... Ferner: '«Inder Behandlung und Ausführung weichen schondie Carracci von der vollendeten Weise, derensich die großen alten Meister bedienten, etwas ab;zwar drücken sie sich überhaupt streng und deutlichgenug aus, doch geschieht nicht mehr als dasNothwendige, mit freyer Hand und wenigen Stri-chen. Domenichmo ist, mit sichtbar größererMühe, gewöhnlich etwas ausführlicher als seineMeister, und liebt hellere Farben." Zu desUnsrigen Preiß, heißt es dann weiter:Nichtminder hoch als Hannibals Landschaften, werdenauch Domenichino's gehalten, die daher fast injeder großen Sammlung anzutreffen sind. Hierspricht sich dieses Meisters Zartgefühl gewöhnlichin stillen, vertrauten Gegenden, lieblichen Ein-samkeiten und kleinen idyllischen Zügen rührender

Naivetät aus."_ Endlich wird hier bemerkt:

Zu einer Schrift des Monflgnor Agucchi über dieKunst, welcher Aufsätze des Annibal zum Grundeliegen, scheint auch Domenichmo Beytrage ge-liefert zu haben, wie aus einem Briefe desselbenan Fr. Angeloni zu vermuthen ist *)." Und nunhören wir die Franzosen an.

Bey .felibien ?) (man traut seinen Augen kaum)heißt es von Dommiqum:Ich weiß nicht,was ich von seinem Genie sagen soll nichteinmal, ob etwas in der Seele dieses Künstlerswar, das diesen Namen verdiente; oder ob etwasein guter Verstand und seine richtige Ucberle-gungskraft die Stelle des Genie bey ihm er-setzen mußte, und ihn Werke hervorbringen ließ,

die des Andenkens der Nachwelt würdig waren.Gut ist wohl die Wahl seiner Stellungen; abersehr schlecht verstand er, wohin er seine Figurensetzen sollte, und die Anlegung des Ganzen.Seine Drapperien sind sehr fehlerhaft geworfen,und von äußerster Härte. Sein Colorit giebt insGraue, und ist wenig wahr; und noch schlim-mer ist sein Helldunkel; sein Pinsel ist schwer-fällig, und die ganze Arbeit trocken. ... Soläßt sich nicht ohne Grund sagen, daß diejenigenTheile der Kunst, welche Dominiquin inne hatte,mehr die Belohnung seines mühesamen Fleißes,als die Frucht feines Genie's war; aberMühesamkeit oder Fleiß, das was er gutes her-vorgebracht, ist" (welche seltsame Luftsprünge!)von solcher Natur, daß es Bünstlern, dieihm nachfolgen, zumLfjuster dienen kann!"Auch bey d'Argensville(. in 8°. P.II. p. iZ2.)vernehmen wir (und wissen eigentlich nicht woher?)das Wenige:Zampieri's Modelle, Cartonsund Studien kosteten ihn so viel Geld und Zeit,daß ihm fast nichts von dem, was er für seineBilder erhielt, übrig blieb"; und:Er war ge-wohnt, bey seiner Arbeit sich einzuschließen;selten sah' man ihn an seiner Staffeley; seineZeichnungen zeigte er niemand", u.d.gl. Ganzanders in unsern neuern Tagen wareler undl'Lvesque.Dominichino 4 ) durchdrang sichlebhaft mit denjenigen Empfindungen, die erdarstellen wollte. In seiner Werkstatt« hörte manihn oft lachen, weinen, sich erzürnen. Wohl hattepoußin recht, der ihn nach Raphael für dengrößten Meister im Ausdrucke hielt, und Mengsunrecht, wenn er bey ihm keinen andern Aus-druck als den einer naiven Schüchternheit fand,und ihn bloß für ein Muster von Kinderfiguren willgelten lassen. Streng wie Raphael, ist die Reinig-keit seiner Zeichnung bewundernswerth. SeineKöpfe sind schön, und öfters zugleich graziös.So in den berühmten Bildern der H.Cäcilia undder H. Agnes.Von seinen Evangelisten inSt. Andrea della Valle heißt es hier: Daß selbstmittelmäßige Kopisten ihre Schönheit nicht ganzentstellen konnten, und selbst" magere »Kupfer-blätter nach denselben das Genie guter Meisteranfeuern. Den Arbeiten bey St. Sylvester wirdauch hier ein vorzüglicher Preiß ertheilt. Dannweiter:Er hatte die Natur wohl studiert, sichaber daneben sehr an die Formen der Alten gehal-ten; die Gruppe des Laocoon konnte er (wasman auch von Carracci sagt) aus dem Gedächt-nisse zeichnen. Einige seiner Bilder thun wenigWirkung, und sind trocken ausgeführt; aber dasZeichnen nach denselben wird nichts desto minderein höchst nützliches Studium seyn. Und dannwar jene Trockenheit nicht immer sein Fehler.Seine Communion von St.Hieronymus §) ist be-wundernswürdig markigt gemalt, die Köpfe ineiner großen Manier, und dennoch vollendet, alswenn es Bildnisse wären. Seine Composition istmeist sehr verständig geordnet, die Zeichnung ein-fach und wahr, die Bekleidung kunstreich, derKopfputz von angenehmer Wahl, der Falten-wurf bald trefflich, bald mittelmäßig. Es man-gelte ihm oft an Rundung, doch dies nur inseinen Oelgemälden, und auch hier mit Aus-nahme, wie z.B. in seiner St. Agnes, wo sein

r) S. I. c. -7«. rgs. 202. 214. 217. 222. 24. 26.

2) Iteklenoo» »ur le» Ouvrsxe» lle» Princips»» peialre».

z) Was wohl Le pile» unter Genie verstehen mochte?

4) Nicht der Dominikaner , wie es bey HryLenreichs Verundeutschung heißt.

5 ) Srydenreich'» Uebersekun- beißt dieses weltbekannte Bild: Das Slbendmal des H. Ieremias!