Zampieri.
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Pinsel von großer Reinlichkeit (nettets), undvas Kolorit von größter Wahrheit ist Auchvon seinen erlittenen Verfolgungen zu Neapel wird hier mit vieler Rührung gesprochen, undunter seinen dortigen Feinden Spagnoletto, nichteben als der gefährlichste, aber als der un-vernünftigste genannt, da er behauptete, daßZampieri nicht einmal der Name eines Malersgebühre. Von seinem zweyten dortigen Aufenthaltheißt es: Daß er, immer von Furcht und Miß-trauen geplagt, doch vielleicht nicht ohne Grund,seine Hässer für niederträchtig genug hielt, umDolch und Gift von ihnen zu besorgen, und erdergestalt alle die Unruhen erlitt, welche sonst nurBöse zu empfinden pflegen: »Und dieser so ge-waltthätig verfolgte arme unschuldige Mann wardoch so saust, so freundlich, so bescheiden, soimmer in seine Wcrkstätte eingeschlossen, unfähigirgend jemand zu beleidige» — ein wahres,liebenswürdiges Kind ohne Falsch und Tücke." —Der sonst so geistvolle Verfasser des Manuel <luMuses kranhsiü (blo. 2.) 1802. spricht über dieallgemeine Charakteristik der Kunst des Unsrigen,auch nicht Ei» bedeutendes Wort. Von einigenseiner Urtheile über 20. von ihm angeführte Bildersprechen wir bald unten §). Auch bey Landonin seinen Vie st Ouvrs^es äs Oominiguinsowohl als in seinen Annalen findet sich wenigAllgemeines über den Unsrigen. Einzig drückt ersich irgendwo über seine Schulzeit bey den Carracci (etwas seltsam, aber doch nicht unrichtig) soaus: „Je mehrere Fortschritte er in seinen Kennt-nissen machte, desto weniger arbeitete er." Undin den Annalen (XI. S. 10) heißt es bey Gele-genheit: „ Dominiquin's Ausführung ist bis-weilen ein wenig furchtsam. Auch kann man ihmvorwerfen, daß er den allgemeinen Effekt seinerBilder nicht gut studiert habe, und das allzu-gleich ausgespeudete Licht dem Aug keinen Ruhe-punkt gewähre, auf dem es verweilen kann. Aber,wie viel Schönheiten ersetzen nicht diese Gebrechen!Seine Zeichnung ist immer edel und gelehrt, jedeForm so gebildet, wie Charakter und Alter derPerson es erheischen; keine Bewegung, biedergute Geschmack mißbilligen könnte." — Endlichspricht der neueste und einer der scharfsinnigstender Französischen Kunstrichter, Taillasson > 1807.),von Zampieri ausführlich also: „Derselbe ge-hört zu der (kleinen) Zahl jener eben so anziehen-den als berühmte» Personen, deren Werke unserBedauern erwecken, daß wir ihre Verfasser nichtgekannt haben. Rührende Einfalt, Biederkeit undTugend find das Gepräge von Allem, was ergemacht hat; und, was ihn noch mehr unter-scheidet, ist, daß i» seinem historischen Styl mehrWahrheit, als bey allen andern Künstlern herrscht.Man möchte sagen, daß er sich einzig mit ge-wissenhafter Nachahmung der Natur beschäftigte,und das, was er gemalt, bloß diejenige Schön-heit habe, die sich für seinen Gegenstand schicket.Er ist einer von denen die am Richtigsten gezeich-net haben, und wenn er nicht der erste unter denberühmtesten Geschichtsmalern heißen kann, soist er dafür der wahreste. Er setzt nicht in Er-staunen; aber er fesselt, er rührt, und greiftbisweilen schmerzhaft das Herz an. Man liebtihn mehr, je mehr man ihn sieht und ergründet;die Charaktere seiner Köpfe haben eine ihnen ganzeigene Naivetät, die denselben einen interessanten
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Ausdruck giebt, selbst wenn er nicht allemal derrichtigste ist. Doußin hat ihn überhaupt : Den er-sten Maler für den Ausdruck genannt." Taillassonglaubt indessen, daß solches vornehmlich wahr sey,da wo er den Ausdruck zarter Frauen und Töchter,und jenes Schwanken — einen der schönsten Reizeder Schwachheit und der Kindheit schildere. Daherhaben seine Frauenspersonen so oft jene jüdischeGrazie, der die Athalien und die Esther ziert;kein Künstler hätte daher jene rührenden Gespie-linen der Gemahlin des Ahasverus, und jeneTöchter von Sion, welche ferne von den Uferndes Jordans in der Gefangenschaft seufzten, besserdargestellt, wie er — oder jene Anmuth, welcheErgebung und vollkommner Glaube den schöneinfältigen Seelen in den ersten Tagen des Chri-stenthums ertheilte". Nun folgen mancherlei Be-merkungen über einige seiner uns schon bekanntenGemälde, wovon wir unten noch einigen Ge-brauch machen werden. Hierauf fährt er also fort:„Dominiquin hatte in seiner Weift, die Naturzu schildern, jene Gutmüthigkeit und originelle,rührende Einfalt, die uns in den Werken vonla Fontaine so lieblich auffällt; ihre angeneh-men Nachlässigkeiten — oder Fehler, wenn manwill, sind ungefehr dieselben; und Annibal Carracci hätte zu seinen Brudern, und zu den Schülernvon Zampieri sagen können, was einst Molierevon la Fontaine zu Chapelle und Boileau sagte:„Dieser Mensch ist einfältig genug zu glauben,daß wir gescheuter, als Er, sind! " ... „Einge-stehen muß man, daß dieser Künstler in seinenCompositionen sich nicht immer zu der erfoderlichenHöhe geschwungen, und daß man bisweilen ge-meine Gedanken bey ihm gewahr wird; aber jeneseiner Zusammensetzungen, denen man gedachtenFehler vorwerfen kann, haben dafür eine Einfalt,welche angenehm auffällt, und gleichen den Nach-lässigkeiten junger in den Grundsätzen ihrer Kunstnoch wenig erfahrner Lenthchen, welche, einzigvon einem glücklichen Instinkt geleitet, allerleiLinkischem oft richtigere und anziehndere Ideenbcygesellen, als ausgemachte Künstler es nichtvermögend sind. Hat demnach Dominichinonicht allemal Größe in seiner Anordnung desGanzen, so hat er solche doch immer in denDetails; und eben auch in diesen — nicht imGanzen, ist er oft ein sehr wahrer und sehrkräftiger Coloriste. .. . Jene Art Poesie besaß ernicht, die sich für Gegenstände der Mythologieund der griechischen Heldenzeit schicket; fein Opferder Jphigenia gleicht dem Märtyrthum einer christ-lichen Jungfrau. ... Dann besaß er nicht jenesallgemeine Verständniß (sntents Zensrals), dasdem Aug auf ersten Anblick gefällt, jenen Zauber,den die Harmonie der Compositions-Linien, sowohlals diejenige der Farbe und des Lichts erzeugen;aber, wenn es ihm hieran gebricht, so entschä-digt er uns reichlich dafür, da er unter allengroßen Malern derjenige ist, welcher am meistenzum Herzen spricht, und dessen Ruf daher immerzugenommen hat. Sein Jahrhundert hatte seinenVerdiensten nicht genug Recht widerfahren lassen,und ihm oft Nebenbuhler vorgezogen, welcheweit unter ihm standen. Aber durch das Unrecht,das er von ihnen erdulden mußte, haben sie"(hört, hört!) „reichlich für seinen Ruhm gesorgt,da sie seinem Gemüth eine Empfindsamkeit er-theilten , womit er alle seine Werke zu beseelen
>) Mehrere Urtheile dieser beyde» Kunstrichter über Zampieri's Bilder im alten Franzvs- Museum folgenunten an ihrer Stelle.
2) Wovon schon oben allerlei Detail.
z) So wie von denjenigen des llkpici«, der i» seinem Or-iogn« rsl-onns äss »blcoux 6» kor (1752.)sich ebenfalls jedes allgemeinen Urtheils über Zampieri enthält.