Band 
Zweyter Theil [5].
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Zampieri.

Z ampieri.

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neben dem Priester steht ein Diacon, der den Kelchhalt, und nahe bey diesem kniet ein Kirchendienermit einem geschlossenen Buch in der Hand. Diesedrey Figuren sind sämmtlich gegen den Communi-ranken gewandt, jede nach ihrem Stand in kirch-lichem Ornat gekleidet, und machen die zweyteHauptgruppe des Ganzen aus. Zwischen diesenzwey Hauptgruppen ist eine knieende und sich tiefbückende alte weibliche Figur angebracht, die mitehrfurchtsvoller Gebehrde die sinkenden Hände desHeiligen küßt, und die Verbindung aller Figurenauf die einfachste und ungekünstelteste Act vollen-det. In der Höhe bereichern noch vier schwebendeEngel in schönen Kinderformcn diese Composition,die mit einer edeln Simplicität geordnet ist, und,mittelst einer weisen Behandlung des Helldunkels,eine harmoniöse und höchst gefällige Wirkung aufdas Auge macht. Noch wichtiger für den Beobrter. ist das Charakteristische in dieser Vorstellung,und das Sinnreiche, Feine und Wahre im Aus-drucke der Gemüthsbewegungen. In der Haupt-figur (nämlich in der des Hieronymus ) ist die Kunstgleichsam erschöpft; und man muß die Einbildungs-kraft und den Lieffinn des Malers bewundern,wenn man die Schwierigkeiten erwieset, die erüberwinden mußte, einer verwelkten und fast ganzunbehülflichen Menschenform das diesem Zustandeigene Unangenehme zu benekmen , ohne die Wahr-scheinlichkeit dabey aus dem Gesichte ju verlieren,und in dieser ausgedörrten Masse das letzte Em-porstreben der in ihr wirkenden Geisteskräfte deut-lich und einleuchtend auszudrücken. Diesen End-zweck hat er auch nach meinem Erachten in dieserFigur ganz erreicht; man findet im Ganzen undin den einzelnen Theilen derselben die Merkzeicheneines schönen Baues , der durch Zeit und Erschüt-terungen hinfällig geworden, aber auch in diesemverfallenen Stande noch etwas Edles und Anziehen-des an sich trägt. Der obere Theil des Leibes wirdvon dem ihn unter den Achseln fassenden jungenManne ganz empor gehalten; wodurch das Beu-gen der Kniee ungezwungener, und die völligeKraftlosigkeit der untern Theile des Körpers sicht-bar wird, in denen auch wirklich das Unthätigeder Nerven und Sehnen, so wie das Unbiegsameder Gelenke, mit ausserordentlicher Wahrheit aus-gedrückt ist; das matte Haupt erhalt durch dasÄufwärksziehen der Achseln eine behülflichere Lageempor zu sehen, und die durch den Zug an derSeite gescannte Haut benimmt dem Leibe das demhohen Alter eigene, dem Auge aber nicht ange-nehme schrumpfe und faltige Wesen, und verur-sachet zugleich ein konrrastvolles Muskelspicl, beydem der Künstler, auf eine ganz angesucht schei-nende Art, seine tiefe Einsicht in die malerscheAnatomie gezeigt hat. In dem Gesichte hatDo-menichm vorzüglich seinen Tiefsinn und sein fei-nes Gefühl erwiesen; denn bey allen Kennzeichender äußersten Mattigkeit und Steifheit der sonstbeweglichen Theile, wußte er dennoch in den schonmühsam empor blickenden Augen, und in dem sichgleichsam ächzend öffnenden Mund, eine so lieb-reich schmachtende Sehnsucht, und ein nach demGenusse der Hostie emporstrebendes geistvolles Be-ginnen auszudrücken, auch dem ganzen Gesichteein so holdes, edles und ehrwürdiges Ansehen zugeben, daß man bey genauer Betrachtung tiefdafür eingenommen wird- Die Figur des ponli-fizierenden Priesters ist in ihrer Art eben so vor-trefflich ausgeführt; hohe Würde mit edler Ein-falt , feyerlicher und doch ungezierter Anstand, istdarin mit einem eindringenden Ausdrucke von in-nigster Herzlichkeit gegen den Communicanten, zudem er sich neigt, vereinigt. Die übrigen Figu-ren sind verhältnißmäßig sehr sinnreich, und aufeine »»gemein wahrscheinliche Art charakterisiert.Vorzüglich kontrastierend in Anstand und Aus-druck sind die zwey zudienenden kirchlichen Figu-ren gegen die in der entgegengesetzten Gruppe um

den Hieronymus befindlichen; jene haben beyeiner angewöhnt scheinenden Demuth und Andachtetwas Zuversichtliches und an Anmaaßung grän-zendes in Gesichtern und Gebehrden, da die letz-ter» hingegen tiefste Rührung, und Einfalt mitehrfurchtsvoller Unterwürfigkeit, auf die herzlichsteund natürlichste Weise bemerken lassen. Die übri-gen Theile dieses Bildes, nämlich die Zeichnungder Formen, die Behandlung der Drappericn,und die Beleuchtung, entsprechen vollkommen derVortrefflichkeir der Erfindung, Anordnung unddes Ausdruckes, und machen so ein harmoniösesGanzes aus, daß der Verstand sowohl als dieSinne bey der Betrachtung desselben gerührt wer-den müssen; und wenn man zwar dieses Meister-stück der Kunst meines Trachtens nicht unbedingt,wiePoussin, in eine Paralelle mit der VerklärungChristi von Rafael setzen kann, weil ein weit er-habneres Genie, und ein ungleich höherer Geistes-schwung erfordert wird, die verklärte Menschheitin Verbindung mit der Gottheit, als die gemeineMenschheit in ihrem Verfall und Dürftigkeit zuschildern, so kann man dennoch sagen, daß Do-menlchln in dieser Vorstellung, dem Gegenständegemäß, Alles geleistet habe, was die Kunst darin zuleisten fähig seyn konnte." ..Alles'' (sagt hiernächstdas Manuel) ..in diesem Bild ist wahr, schick-lich , edel, weise, überlegt; Ort, Zeit, Charak-ter der Personen, Costüm kurz Alles ist, wases seyn soll, und nichts Poesie darin, als wasdie geschichtliche Wahrheit zuläßt. Die Ordnungder Composition ist ungemein einfach , alle Räumesind ausgefüllt, und Alles steht an seiner gehöri-gen Stelle; keine unnütze Person, sondern jedeträgt wesentlich das Ihrige zur Darstellung desGegenstands bey. Die Hauptperson zieht, wiees sich gebührt, das Aug vor allen Andern aufsich; das Colorit ihres hinfälligen und vor Alterverwelkten Fleisches fällt mehr auf, als alle diereichen Drapperien der Umstehenden, die es um-zingeln ; das Fasten, das Wachen, und beson-ders jene glühende Einbildungskraft, welche nochaus diesen hohlen Augen blickt, die nur er-löschen können, wenn sie dem Licht sich völligverschließen Alles verrath einen Geist, dessenLeben von den geschwächten Organen unabhängigist, die es noch zurückhalten. Dieses hundert-jährige Haupt ist noch edel in seinem Zerfalle;diese Arme können dem Wunsche nicht mehr ge-horchen, der sie noch einmal zum Himmel erhebenwill; Arbeit und Buße haben diesen Körper aus-gemergelt; diese abgespannten und ausgetrockne-ten Muskeln, dieses Beingerüste, das durch seineHülle sticht, dieses gänzliche Versinken aller Theile,die, ohne gegemeitiges Wirken und Zurückwirkenauf einander lasten Alles, Alles kündigt dieRuinen eines großen Denkmales an. Man glaubtgemeiniglich, diese Figur sey einer ähnlichen vonAugustin Carracci nachgeahmt, und bey Vergleichungläßt sich kaum daran zweifeln; aber auch diesesist hier ein seltenes (einziges) Verdienst, da dasUrbild sich seines Nachbildes rühmen darf. . . .Nichts von den Beywerken in diesem Bilde istdem Hauptgegenstand aufgeopfert: Das Alter deszudienenden Prälaten ist frisch und kräftig; seineGebehrdung hat die Würde seines Amtes, undspricht seine Verehrung für den Heiligen aus; seinCostüm ist pomphaft, und dem griechischen Ritusangemessen. Doch hier hat der Künstler die edleNatur erschöpft; der beyständige Diakonus bieteteinen auffallenden Constrast dar; sein gemeinesProfil, seine schwarzen, groben und flachen Haare,seine Gesichtszüge, welche bloß durch Amtseiferbelebt sind, sein linkisch gewundener Arm undHand, Alles bezeichnet einen Mann, den Naturund Hierarchie an diesen untergeordneten Platzgestellt hat; wieder ein anderes ist der nebenknieende junge Kirchcnbedienre, mit der saustenruhigen Miene, erstaunt ohne bewegt zu seyn;