Band 
Zweyter Theil [5].
Seite
75
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Bach bildet, aus dem ein Hirsch trinkt, vonwelchem man ebenfalls nur den Kopf erblickt.Zu obcrst, über der Wolke, ist bloß eine kleineStrecke blauen Himmels sichtbar". Mengsfindet die Stellung der beyden Figuren vor-trefflich ausgedacht, um jede andre — noch an-stößigere zu vermeiden; „denn" (sagt er) „übri-gens freylich konnte sowohl in dem Kopf alsin den Schultern, so wie auch an der einenHand und an den Füßen, als den einzigensichtbaren Theilen, die wohllüstige Handlungnicht heftiger ausgedruckt werden". Dann heißtes dort weiter: „Nachdem Eorreggio derge-stalt die Pflichten des Malers an diesem Bildeerfüllt hatte, so setzte er noch, durch die Dar-stellung des Hirschen im Hintergründe, unddesselben ängstlicher Begierde, seinen Durstzu« löschen, eine dichtersche Idee hinzuMßli (88) spricht von > diesem wunderschönenBilde, wie folgt: „Die Figur der Io ist rück-werts vorgestellt; sie sitzt auf einem Rasen,und wird mit dem Kopf und dem Oberleibdurch Jupiters Andringen zurückgedrückt. Zevshalt sie in einem dichten, doch noch immer sodurchsichtigen Nebel mit den Handen umwunden,daß man eine menschliche Gesichtsform, die siebrünstig küßt, und eine Hand, die sie an derHüfte faßt, bemerken kann. Sowohl das sin-kende Haupt, als die ganze Wendung undDrehung ihres Leibs, nebst der unwillkuhrlichscheinenden Bewegung ihrer Aerme und Händezeigen den vollen Genuß der Wollust an; unddoch ist der Ausdruck in dieser Vorstellung mitso viel anscheinender Schonung ausgeführt,daß alle gar zu auffallende Anstößigkeit ver-mieden ist, und die Einbildungskraft gleichsameben auch nur, wie durch einen Nebel, undstufenweise, zur wahren Bedeutung der Hand-lung geführt wird. Die Form der Io ist voneiner großen, an das Ideal grenzenden Schön-heit, und der düstre Nebel, der sie zum Theilumgiebt, und den der Maler, mit der ihm ganzeigenen Geschicklichkeit in der Anwendung desHelldunkels, auf die sinnreichste Art zu benutzengewußt hat, giebt dieser Form einen neuenReiz, und trägt auch das Meiste zu der bewun-dernswürdigen Harmonie des Ganzen bey (88)".Von dem Zustande des Bildes, worin sich sol-

ches vor sechszig Jahren in Sanssouey befand,sagt Matthias Oesterreich (8°), daß der Hin-tergrund viel gelitten, und so nachgedunkeltsey, daß man die Gegenstände kaum mehr un-terscheidet. Auch giebt er (sonderbar!) dasHöhenmaaß desselben anders an, als der Ka-talog von Orleans , nämlich zu 4^ ö" an.

Daß sich noch mehrere Originaldilder vomgleichen oder doch ähnlichen Gegenstand, theilsin ältern, theils neuern Lagen gesunden haben,theils wirklich noch aufgestellt finden, ist be-kannt. Lomazzo (SH sah em solches, wegender Vortrefflichkekt der Beleuchtung bewunderns-würdiges zu Mailand bey dem Ritter LeoneArctino, welches diesem aus Spanien , vonseinem Sohne Pompeo, dem Bildhauer, zuge-sendet worden, riichardson (^) spricht voneiner dem Könige von Spanien zugehörigen Jodes Eorreggio, die sich von der des HerzogRegenten bloß darin unterscheide, daß hier derHirsch fehle. Eine andere (sagt Fiorillc» (»Z)sehe man im Schlosse zu Novellara, welchejedoch zuverläßig eine Copie mit einiger Ab-weichung sey. Als ein Originalbild wird in-dessen fast allgemein dasjenige in der Kaiser!.Galerie zu LDien gehalten. Selbst Mßli (84)aber nennt es bloß ein muthmaaßliches, undauf alle Fälle so sehr verdorbenes, daß man,außer der Erfindung und Anordnung des Gan-zen, nur noch wenige, des großen Künstlerswürdige Schönheiten darin finde (88). Nochsprechen Heinecke u. a. von einem Blatte:Jo, in die schlafende Diana verwandelt (wasnicht Alles dem Vater der Götter zu Gebotestand!) von D. Sornique. Von der Stelledes Urbilds haben wir nirgends keine Spurgefunden <?6).

Das zweyte jener drey berühmten Bilder,und welches gerade durch die nämlichen Hand-änderungen, wie das vorgenannte, nach Sans-soucy kam, wo es sich noch dermal befindet,ist die Leda. Der Catalog der Galerie vonOrleans nennt es ein Bild auf Leinwand (4^10 hoch, 5 ' II" br.) fast lebensgroße(Haupt-) Figur (87). „Dasselbe" (heißt esbey Mengs (8«), „ist mehr eine Allegorieals bloß eine mythologische Fabel zu nennen.Diese Hauptfigur stellt allerdings Leda vor, die

(87) l. c. i-z—114.

(88) l. c. 45—46.

(89) Gestochen namentlich nach dem Bild« auS der Galerie OrleanS , als eS noch in dem HauseOdescalchi zu Rom stand, ist dasselbe, wie wir schon bemerkt haben, von C. Duchangc, ohneeitelen Glanz, wunderschön (i' -o 6"' hoch, -o" 8"' br.). Dann vermuthen wir, daß es das-selbe sey, welches Desrochers in kleinerm Format, aber in einer besonders zarten und zierlichenManier geliefert hat, und wovon gute Drücke sehr theuer bezahlt werden. Heinecke endlich nenntausdrücklich auch ein bey Poilly erschienenes Blatt als nach diesem Bilde (d. h. wahrscheinlichnach Duchange) gestochen; und, minder bestimmt, noch zwey andere, von Johnson und I. Tinney.—

( 90 ) Oescriprion <le la Oalerie erc. <ie 8 an;-souci 8 . porrcl. 764 p. 26.

( 9 ,) l.. IV. 6 . I. p. 212.

( 92 ) P. III. p. 15.

(9z) Mengs, der doch die spanischen Kunstschätze kennen mußte, schweigt davon.

(94) II- 285 .

(95) I. 0. 52.

(96) Gestochen ist (Heinecke zufolge) namentlich daS Wiener -Bild, in ältern Tagen von Franz vonSteen (die Platte soll sich davon in der Galerie befinden), und in neuern, nach M. Benedetti'SZeichnung, zierlich in punktirter Manier, von F. Barkolozzi.

(97) Hingegen (wieder sonderbar!) giebt ihm Gesterreichs franzds. Catalog von Sansoucy (-764) dieBreite von 6' 1".

I. c. 120—1,2 verbunden mit der Beschreibung bey Füßli (>. 0. 46—48) und der kurzen Notizbey du Rots de St- Gesnis-

( 98 )