Band 
Zweyter Theil [5].
Seite
82
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Aachen fleht man eine Nacht des Eorreggio.Schon mehrere Schriftsteller haben sich gewun-dert, warum eine Scizze desselben Gegenstands,die sich zu St. Petersburg befindet, von demKünstler nicht zu seiner Nacht in Dresden ge-wählr worden, da die Composition in jenerScizze viel vollendeter ist, und man dieselbedenn doch für den ersten Entwurf des Dresdner -Bildes hielt. Allein nun zeigt es sich, daßdas Bild zu Aachen Allegri's spatere, nochvollkommnere Arbeit ist; denn sie stimmt mitjenem erst genannten Entwürfe übrigens durch-aus überein. Sie stand einst in einer fürstlichenKapelle in Italien , kam durch Heirath nachBrabant, und sollte in einem Landertausch ebennach Deutschland gehn, als der Besitzer, durchdie Bedürfnisse der Revolution genöthigt, diesenSchatz verpfändete, und dann nicht mehr ein-lösen konnte. So kam das unschätzbare Bilddurch mehrere Hände an den jetzigen Besitzer,und dürfte vielleicht noch einst Epoche machen,wenn die unruhig bewegte Zeit mehr an Kunstzu denken gestattet ('^)"

Und nun in Frankreich .

Vörderst besaß schon die alte Königliche Ga-lerie von Lorreggio acht Bilder. Eine H. Fa-milie, wo der kleine St. Johann dem Kindeehrerbietig das Kreuz darreicht, und die Jung-frau und St. Joseph eben so zuschau'n (u5"hoch, ig" br.) auf Holz, durch Zeit und Ri-toccirung größtentheils verdorben; doch die Köpfeder beyden letztgenannten Personen und ein Theilder Figur des Christkinds noch schön, und dieComposition sinnig. Einer Scizze des be-rühmten Hieronymus haben wir schon oben,bey Gelegenheit des ausgeführten Hauptbildesgedacht. Ein Ecce Homo (5" 8"' hoch,4" br.) auf Kupfer, wo der Leidende auf einemPurpurmantel sitzt, schön componirt, zierlichgezeichnet, und gut colorirt. Das Verlöbnißder H. Catharina mit dem Kinde (5^ d" in'sGevierte) auf Holz; (außer dem Kinde) Halb-figuren, in natürlicher Größe, in vortrefflichemZustand erhalten, und in jedem Kunsttheile desMeisters würdig. Hinter der Heiligen St. Se-bastian (hier noch als Zeuge der Verlobung);

dann im Hintergrund seine und St. Calharinen'sMarter ('^). Ein St. Hieronymus (»' 6hoch, 2 " br.) auf Holz; der Heilige aufden Knieen, der sich die Brust mit einem Steinschlägt, vor ihm das strahlende Kreuz, und zuseinen Füßen der Löwe und ein Todtenscha-del('4°). Die heroische Tugend, welche dieLaster besiegt (4^ 4" hoch, 2' 7" br.) in Was-serfarbe gemalt, die Figuren halb lebensgroß;und, als vollkommner Pendant: Das Bild dessinnlichen Menschen. Mengs ('4') beschreibtsolche, mit minderm Wortprunke, als Felibien,wie folgt: »In dem erster» ist die Tugend sitzendund bewaffnet abgebildet; und auf der einenSeite befindet sich eine Figur, welche die Dar-stellung der vier Haupttugenden zugleich in sichvereinigt, vermittelst der Sinnbilder des Zügels,des Schwerdts, der Löwenhaut, und einer klei-nen Schlange, die sich in den Haaren verwickelthat. Auf der entgegengesetzten Seite ist einezweyte Figur, die mit dem Zirkel in der einenHand eine Weltkugel ausmißt, und die anderegegen den Himmel erhebt, um damit die Kennt-niß der irdischen und himmlischen Dinge anzu-deuten. Ganz oben fliegen einige Genieen,wovon der eine die Victoria zu seyn scheint,welche die Tugend krönt, und der andere dieFama, weiche sie auskündet. Alle Köpfe sindwegen ihrer Grazie bewundernswürdig, undeben so reizend sind auch die Bewegungen derFiguren ('4^,'. Das Gegenbild dann stellt denlasterhaften Menschen vor, wie er von seinenLeidenschaften beunruhigt, von dem Vergnügengeschmeichelt, von der Gewohnheit gefesselt,und von dem Gewissen beängstiget wird". Beydediese Bilder, so wie das oberwähnte der Ver-löbniß von St. Catharina schenkte der CardinalAnton Barberini dem Cardinal Mazarin , unddieser dem Könige; und beyde sind nicht in derGemälde-, sondern in der Zeichnungsgaleriehinter Glas verwahrt. Lepiciö zieht für An-ordnung und Zeichnung, so wie für Feinheitdes Ausdruckes, das zweyte noch dem erstemvor, und rühmt an demselben noch besondersdie wahrhaft Correggische Grazie des Kindesmit dem (lebensgroßen!) Kopfe, das, eineTraube in der Hand(^), übrigens seltsamgenug, auf dem Vorgrunde wie aus dem Rah-men hervorguckt ('44). Endlich die schlum-

(>58) Ob diese, oder die Scizze zu St. Petersburg eine von den vieren seyen, Leren Richards»,»(s. oben S- 72 Not. 74) gedenkt, ist uns unbekannt.

(>Z 9 ) Meng« sagt davon l. 0. » 25 .Dieses Gemäld ist von jeher geschlitzt worden, wie die vielenCopieen beweisen, die darnach, selbst von berühmten Meistern gefertigt sind". St. Picart hat eSgestochen. Im Umrisse findet es sich bey Lands,» VI- !>'ro. 62. Hier möchte man den jungenSt. Sebastian mit seinen Pfeilen fast für einen geistlichen Amorino halten, wie eS noch heutzu Tage viele dergleichen giebt. Auch nennt Heinecke wirklich zwey Blätter von Picart, undnamentlich das eine: Sveo an surre ps^ssge, er svcc «a aaAs s Is ^Isce äe 8t. Zebsscieu. Kleinnachgebildet befindet es sich auch in der Mar- itosway Osl. äu L-ouvre 6sb. II. lVro. 16.

(><o) Lepicie zweifelt an der Originalität dieses Bildes, an welchem bloß Luft, Landschaft und Ge-bäude, des vortrefflichen Colorits wegen, Correggio's würdig seyen.

(>4>) I. e. >2526.

t'ss) Don eben diesem Bilde findet sich eine noch unvollendete Wiederholung in der Galerie d«SPrinzen Doria zu Rom . Dann befand sich einst ebenfalls zu Rom noch ein anderes achteckigleSBild, worauf Lsrreggio die beyden Figuren der Tugend und Wissenschaft aus jenem Hauptwerkewiederholt, und in der Mitte noch einen Waffenschild mit einigen Sternen (?) gestellt hakte.Späterhin malte er zwar eine Art Landschaft darüber, doch so, daß man das darunter Gemalteebenfalls noch erkennen konnte. Dieses seltsame Stück wurde an einen Kaufmann von Berlin verkauft, und dorthin gebracht. Mengs I- 0.

(>43) Der ehrliche Felibien weint: 6er euksnr, gui tieur uns grsppe <1e rsisiu , insrgue ce via äuilecle, äour il eil psrle äsur l'ecrirure : // a^eaS/emea- , mar, mo^r/ a /a cvM"»,

(> 44 ) Beyde diese Bilder sind gestochen von St. Picart (>67» und 76) und von L. Surugue (1720) iletzteres auch noch, sehr schlecht, von einem Ungenannten. Im Umrisse finden sie sich bey