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noch an einem andern Ort('Or) sagt er: „Aufden ersten Anblick steht man in diesem Bildenur den Erlöser mit einem Engel, und um sieher eine belle Luft, da alles Uebrtge in Schat-ten der Nacht gehüllt ist; allein, wenn man esnaher betrachtet, findet man jene Luftumgebung,und ihre allmählige Abstufung (/o wie es beynatürlichen Gegenständen bey natürlichem Lichtegeschieht, wo wir die nähern kennen, mittler-weile die entfernter» sich dem Auge noch ent-ziehen) mit wunderbarer Kunst ausgedrückt.Die, welche herankommen, den Heiland zu er-greifen, kann man kaum erkennen; und eben sosind die Bäume nicht deutlich toccirt, bis zuder Stelle, wo die Apostel stehn ; erst hier fängtman an, Aeste und Blätter und selbst Gräserzu unterscheiden, dann einen Baumklotz undein Kreuz in die Erde gesteckt, genau in demMaaße, wie sich Alles dem Hauptlichte nähert.Der Glanz in dem Antlitze des Erlösers be-leuchtet das ganze Bild. Er selbst erhalt esvon Oben, wie vom Himmel herab ('^), undwirft es auf den Engel zurück. Der Gedankeist sehr richtig (?) und schön, und mit derjeni-gen Vollkommenheit ausgeführt, deren dieserKünstler allein fähig war — Das zweyteBild zu Madrid , und gleich jenem, in dem so-genannten Kabinet der Prinzessin von Asturien ,stellt die Madonna dar, wie sie das Kind an-kleidet; der Styl ist zwar nicht so ausgeführt,wie in dem vorigen» aber dennoch sehr schön,und von vortrefflicher Jmpastirung und Zartheit.In der Entfernung steht der H. Joseph, wieer ein Brett behobelt, und so richtig abgcstufftin den Umrissen gehalten, daß man schon darinden größten Meister in der Luftperspektive er-kennt, der das, was er in der Entfernungdarstellen will, nicht allein leichter in den Schar-ten hält, wie es auch die neuern Maler thun,sondern daneben die Lichter dämpft, die Um-risse flüchtiger und die Formen verwirrter (?)macht, Alles nach dem Maaße der Entfernung,ohne jedoch die Grenzen der Wahrheit jemalszu überschreiten(' 06 ). Mengst?) erstaunt, wieder Künstler dieses Bildchens in die Handlun-gen des Kinds und seiner Mutter so viele we-sentliche Mannigfaltigkeit, und in eine nichtzwo Spannen hohe Figur, selbst auf beträcht-liche Entfernung, so eine Wirkung zu bringengewußt, die den kleinen Raum des Bildes weitübersteigt". „Diese Wirkung aber" (fährt erfort) „liegt nicht sowohl in einer außerordent-lichen Stärke des Helldunkels, als vielmehr inden unmerklichen Mittelkinten, durch welche derUebergang vom Licht zum Schatten geschieht,und in dem sonderbaren Kunstgriffe, jenes unddiesen so zu behandle«, daß dadurch eine Run-
(l6z) I. e. 55—56. In dem Schreiben an pons.
Allegri.
düng und Formen entstehen, die beynahe zwei-feln machen, daß man bloß eine glatte Tafelvor sich hak. Wenn Titian in seinen Tinten undLocalfarben wunderbar war, so ist hingegenLorreggio zwar in diesem Stücke so groß nicht;aber unendlich größer in dem besondern Reliefder Ein- und Ausbiegungen der Körper undihrer Theile, so wie auch in der Luftperspektive,nicht nur in Absicht auf die Gegenstände, welche,»vermittelst des Helldunkels, je nach ihrer Ent-fernung richtig abgestufft sind, sondern auchwegen dem Verständniß der Beschaffenheit derLuft selbst (' 0 «). Denn, da diese, eine mehrund minder durchsichtige Materie, sich mit Lichterfüllt, so theilt sie im Durchzuge durch dieKörper denselben ihr Licht an denjenigen Thei-len mit, die der direkte Lichtstrahl nicht errei-chen kann, und bildet so gleichsam ein umge-bendes Licht, vermittelst dessen wir Gegenständeauch im Schatten unterscheiden, und ihren Ab-stand von einander erkennen. Diesen Theil derKunst haben die Griechen vollkommen verstan-den , wie wir selbst an den mittelmäßigen Ge-mälden des Herkulanum wahrnehmen, und darausschließen können, daß er bey den Alten ein all-gemeiner Grundsatz der Schulen war. (Unterden Neuern haben sich hierin, neben Correggso,velasquez, und Rembrandr besonders her-vorgethan). In unserm Bilde ist namentlichdas Kind Jesu ein vollkommenes Werk, nichtnur wegen des Helldunkels, sondern auch we-gen des Colorits, des Jmpasto's, der Zeichnungund der höchsten Grazie, und giebt ein neuesBeyspiel an die Hand, wie gut Eorreggio sichauf Verkürzungen, und zumal darauf verstand,zu machen, daß die Umrisse aus den Formender Körper selbst entstuhnden, was überausschwer ist, und worin kein andrer Künstler gleicheStärke besaß, Michael Angela und Raphaelallein ausgenommen ('09). — I» der großenSakristei) des Eskurial dann verwahrt man ein:Maria knieet vor Christo, als Gärtner (Nolime längere) des Unsrigen auf Leinwand, mitFiguren von Höhe „Dasselbe" (sagtMengs ('?")) gon eben dem Styl, wiedie Madonna und das Christuskind zu Florenz ,von welchem unten die Rede seyn wird"('^).Dann sah man bey dem Herzoge von Alba einauf Leinwand gemaltes Bild, welches einerseiner Vorfahren, nebst einer Sammlung Ra-phaelischer Zeichnung, bey der Versteigerungder Kunstsammlung des enthaupteten KönigesCarl 1 . zu London erstanden hatte. Dasselbestellte, gleich den beyden schon oben angeführtenzu Wien und in der Galerie Orleans , denMerkur dar, wie er den Amor in Gegenwartder Venus lesen lehrt. „Diese letztre Figur"
(l 6 O S- oben Anm. - 6 c>.
(>65) Gestochen ist es in altern Lagen (-640 nicht -460, wie es in der oben angezogenen Note vonVasari heißt) von D. Curti, und in neuern, nach R- MengS Zeichnung (177z) sorgfältig vonI. Dvlpato. Noch nennt Heiuecke zwey Stiche nach diesem oder einem andern ähnlichen Bilde,von Ungenannten; das eine, in Querfol. mir, das andre in Quarto, ohne die Wache.
(»66) l. e. »56—67.
(167) In dem Schreiben an pons I. <-. 5Z—55.
(- 68 ) Die gleich vorhergehende, so wie die ff. Stelle braucht freylich Nachdenken, um deutlich verstandenzu werden; und wenn schon hier gewissermaaßen außerwesentlich, schien ste uns zu wichtig, umsolche wegzulassen.
(169) Wir kennen keinen Stich davon.
(>70) l. c ,5g.
(,7>) Auch von diesem Bild ist unS kein Stich bekannt.
I.