Richardson sah' das oben erwähnte Bild derMadonna und ihres Neugebornen in der Tribuneschon früher als Lochin und Mengs, undkann es ebenfalls, besonders für Ausdruck müt-terlicher Zärtlichkeit nicht genug rühmen; einzigbemerkt er, als seltsam, daß der Schleyer dersitzenden Mutter bis aus den Boden niederfällt,und das Kind auf einem Zipfel desselben liegt,so daß sie nicht aufstehen könnte (^), ohneihr Kleines umzuwälzen. Dann fand unserBritte damals zu poggio a Cajano von demUnsrigen einen jungen Mannskopf in Pastell(nicht unwahrscheinlich den oberwähnten Blond-kopf (2°r). Noch wch P, vorenzi in der Galerieeine H. Familie, mit dem Bildnisse der Gerech-tigkeit (?) kennen, welche er gestochen habest).—Und endlich nennt das Tüb- Morgenbl. 1810S. 1206 eine stehende Magdalena, als in derGalerie befindlich, wovon wir sonst nirgendseine Spur gefunden haben.
Zu Rom sah' Mengs in der Galerie Colonna,auf Holz gemalt, ein Ecce Homo mit der H.Jungfrau, die hinter einem Soldaten in Ohn-macht fällt, und in der Ferne Pilatus, lauterHalbfiguren. Dieses Bild gehörte dem GrafenPrati zu Parma , und scheint eher von der mitt-lern, als von der letzten ausstudirten Manierdes Unsrigen zu seyn; dessen ungeachtet aber istes sehr schön, von gutem Charakter in der Zeich-nung, außerordentlich impastirt, und vortreff-lich colorirt (^Z). — Im Pallaste Dorr'a pam-phili sah' Ebenderselbe das unvollendete in Was-serfarbe auf Lemwand gemalte Bild der vondem Ruhme gekrönten heroischen Tugend, nachder nämlichen Composition, wie das schon obenangeführte in der königl. Galerie zu Paris .„Wenn dieses Gemälde'' (sagt Mengs) „auchnicht die äußerste Vollkommenheit von Allegri'sBildern in Oel hat, so ist es dafür ein Be-weis, daß seine Grazie und übrige Vorkrefflich-keir, weder von der Lange der Zeit, die er aufseine Werke verwendete, noch von dem wieder-holten Farbenauftrage, sondern von dem wich-tigern Hauptgründe herrühre, daß er die we-sentlichen Punkte der Wahrheit stets vor Augen
hatte. Denn hier sind einige Parchieen bloßmit Schwarz und Weiß leicht scizzirt, und den-noch leuchtet daraus die nämliche Grazie, wieaus dem Vollendetsten hervor. An andern Stel-len, welche wirklich in etwas colorirt sind,erregt die große Kenntniß der VerkürzungenBewunderung, hauptsächlich in den Theilen,wo eine Muskel oder das Fleisch eine Erhöhungmacht; denn alsdann suchte er stufenweise andrefolgende Theile zu verbergen, und dergestaltgleichsam das Labyrinth der Formen zu berei-chern. Wenn also auch manche Gemälde desEorreggio schöner und ausgeführter sind, soist vielleicht in keinem sein eigenthümliches wun-derbares Verdienst deutlicher zu erkennen, alsin diesem (2°6)". — Ein parmesanischer Iesuitedann rettete, zur Zeit der Auslöschung seinesOrdens, eine Zingarella von Allegri, und ver-kaufte dies Bild nachwärts dem Prinzen Chigrzu Rom . Dort sah es Mengs, und hielt eseben so unstreitig für original, als das untenfolgende zu Neapel . Die Landschaft halte sehrgelitten, und die Drapperieen besonders vieleRittocirung. Dann aber waren der Kopf derMadonna, ihr Fuß und das Kind ganz unan-getastet geblieben, und so göttlich gemalt, daßsich vielleicht in der Welt nichts Schöneres fin-den laßt (207). — In der Kirche Luigi deglkFrancefi zu Rom zeigte man ein i hohesGemäld, welches die Madonna in Halbfigurmit dem Christuskinde, St. Joseph und zweyEngeln darstellt, das man ebenfalls für einenEorreggio, Mengs aber für einen Julius Cäsar procaccini hielt ( 2 °»). — Endlich erzähltMengs: „Vor wenig Jahren befand sich zuRom im Besitz eines Gemäldehändlers ein Bild,das die Madonna mit dem Kind und einemEngel zum Gegenstand hatte, das einem nachAllegri gestochenen Blatte von Spierre ähnlichsah, außer daß dieses rund, das Gemälde hin-gegen langlicht war. Letztres nun befand sichmit einem dicken Firniß überzogen, der dasselbeganz verdunkelte, daher es um geringen Preißan einen „gewissen" Casanova, einen Venetia-ner(2°s), verkauft wurde, der es gut wieder
(202) Sie wirb's aber auch nicht thun.
(205) Irsice cke peiarure erc. 1°. III. p. 104 er 147.
(204) Was das (nach Heinecke) sagen soll, ist uns unverständlich. Auch kennen wir keinen p., wohlaber einen Anton Lorenzini, welcher einen St. Johann Baptist im Paradiese von Engeln ge-tragen, (2. l>. über die Wolken getragen) von Hann. Carracci , aber nach Allegri's Erfindung,gestochen habe (, welches Bild sich edensallö in der Galerie zu Florenz befinden soll.Rost IV. 92.
(205) Gestochen ist es (-587) von Aug. Carracei, mit der Aufschrift: karins- in -eälku; pr-vrorum(Haus Prati), ein seltenes Blatt. Nach winkler gab C> Galle (früher oder später?) ein ähn-liches; und (nach Helnecke) zwey Ungenannte, der eine in Muette's Verlage zu Lilie, der andreganz ohne Namen und Zeichen. Bey Heinecke heißt es: Daß St. Magdalena die H. Jungfrauhalte. Gegenwärtig soll sich dieses Bild im Hause Rubeis zu Rom befinden. In der Allg- R- A.8». 1802 S. 148 u. s. f. wird solches beschrieben, wie folgt: „Halbfiguren. Der Römische Prefektruft —aus einem Fenster, sein: Ecce Homo! Maria sinkt Johannes in die Arme. Hinter dem Chri-stus sieht man den Kopf eines Soldaten, der ihn höhnisch anblickt. Die Hauptfigur ist zwar keinIdeal, aber doch im Antlitz und im gebeugten Körper namenloses Leiden, und zugleich innige Er-gebung sehr wahr, und dennoch mit weiser Mäßigung ausgedrückt, was auch von der schönenGruppe der Mutter und des Johannes giltet. Den Pilatus möchte man wegwünschen. In neuernTagen hat solches, nach Tofanelli's Zeichnung, Bettelini gestochen (5 st- 24 kr.) der sich hier bravgehalten, und wieder zu seiner ersten bessern Monier zurückgekehrt zu seyn scheint. Doch mitCorreggio mag er noch nicht vertraut genug seyn".
(206) I. c. 151—5Z.
(207) Oper« II. 171—72 in einer Note die sich kn prange'« Uibersetzung nicht findet.
(209) Man merke hier, wie Mengs so halb wegwerfend von dem nachherigen berühmten Dresdner -Professor Johann Casanova spricht, den er, so wie auch Winkelmann, und der Verfasser ge-genwärtiger Schrift, wohl nicht ohne Grund, für «inen gefährlichen Spitzkopf hielt.
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