Buch 
Theatrum architecturae civilis : in drey Bücher getheilet : das ist: eine kurtze Beschreibung, was die Architectura sey, neben dem Methodo, so die Alten zum beständigen und zierlichen Bau gehalten und observiret haben, wovon im ersten Buch gehandelt wird : im andern, wird durch sechs Authores parallelischer Weiss die Modulation der Columnato als mit Palladio, Vignola, Scamotzi, Pietro Cataneo, Sebastian Serlio, Branca angewiesen : im dritten die Proportion der Arcaden, Gemächer, Stiegen, Thüren und Fenstern, neben denen dazu gehörigen Observantien ein vollkommenes Gebäu auffzuführen, gezeuget / erstlich durch Carlo Philippo Dieussart Romano Architectum, auss obgemeldten Authoribus zusammen getragen und in Truck gegeben; weilen aber der Exemplarien sehr wenig getrucket worden ... dass ich mir belieben lassen ... diese Kupffer ... nachdem ich solche an mich erkaufft, auff meinen eigenen Kosten zu verlegen und in Truck zu geben ... Leonardus Dintzenhoffer ...
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Vorrede an den günstigen keser.

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M Kunst» begierigen undgenetgten*.. Hestr.

Günstiger Leser!

^Ie tliÜOrien, Me CiceroLehret/ seynd Zeugen der Zeiten/ einLiecht der Warheit/ ein Leben der Ge-I dächtnuß/ eine Meisterin deß Lebens/

' und ein Bott der Antiquitäten. Zeu-gen der Zeiten seynd sie / weil demMenschen durch die Historien kund gethanwird/ wasvomAnfang der Welt her / biß auff den heutigen Tagvorgenommen/und geschehen ist / und darff Niemandan dieser 8encencx zweifflen: Dann wäre es von Zei-ten zu Zeiten dem Menschen nicht kund gethan wor-den / was geschehen ist / so würde es unmöglich seyn zuwissen/ was von Erschaffung der Welt her / biß auffHeut vorgegangen / der Mensch würde auch keine/oder gar wenige Osscoursen führen/ nichts vortreffli-ches fürnehmen/nichtö uocables wissen und lehren kön-nen/ uni dergestalt mästen alk Tugenden und Künste,inVergessenyeit vergraben/ ja das Gedächtnuß allergeschehenen Ding/ mäste müffig und todt dawider lie-gen/ angesehen die Historien der memori» Leben seynd.l.u6ovieus Vive8sagt gar recht/ daß die Historien vielherrlicheFrüchte bringen/und grossen Nutzen schaffen/denn ohne denenselben müssen alle Künste zu Grundgehen/und daHistorienftynd/da seynd dieJungen alt/daaber dieselbige nicht seynd / da seynd die Alte jung.

Über diß nutzen die Historien dem Menschen eingrosses / weilen jhme durch fieissigs Lesen derselbender Verstand eröffnet / die Memoria conscrviret/ dieZunge entbunden/ und dadurch dteWohl-Aedenheitzu weeg gebracht wird. Die Historien lehren einenjeden die Approbarion seiner kunäion. insonderheit diejenigen / so zu denen Künsten ein Belieben tragen/ und«yffrigst darob bemühet seynd / dergestalt/ baß auchöffters derselbe / welcher nur einen geringen Anfanghat/die Perfection, ftcil jhme die läea annoch im Ge-dächtnuß stehet/ erlanget.

Vitruvius , wenn er von denen Tugenden redet /womit ein Archicectus müsse begäbet seyn/ saget: daßselbiger zuforderst in denen Historien müsse erfahrenseyn/damit wann er von einer oder andern Sachge-fragetwird/ die Ursachunverständige Antwort da-^Zeben könne. Ist nun dem also (wie es dannrucbt anders ist) so wird derselbe auch dadurch/zu ge-' ei üs. n * n Kriegs/undLstsr-Sachen/durchhohe Häupter und heroischen Gemüther verrichtetworden / erfahren/ daß em Ar«hkectus sich zu allen

Studiis appliciren müsse / von welchen allen jhMdtebackest? als Mutter aller Künste / den Weeg bahnet/und das Gemüth dermassen eröffnet/ daß man nichtgnugsamb sämiriren kan der übsrauß schönenWcrcke/so darauß entspriessen/ von welchen die Archkectonica.weil selbige viele Partn in sich hält/ eine der Vornehm-sten ist/ und der wahren Weißhcit gar nahe gekom-men/ wie Daniel Larbaro solches bejahet.

Dieses ist genugsamb darauß zu ersehen/ da dieWunder der Welt/ ich will sagen die Theatra unDAm-pbickeacra,mit höchster Verwunderung zuRom auff-geführet gewesen/davon Lueron-cap.y.schreibct/daßder Käyjer Vespafianus, nach Abgang deß KayserSAugusli, mitten in der Statt ein höchst- verwunderli-ches A wpbicbeatru m auffgerichtet/ welches sein SohnLirv8 nach seines Vattcrn Todt concinuirer, und zurPerfection gebracht/ in welchem Biebfn mi> Achtzig-tauftnd Menschen zur Anschauung der Schauspielsitzen können / wie P. Viüor referirer, Amphichearrumquoll capic loca octoginca sepcetn milJia, Dahet'0auch Cassiodorus, ö(5er fcicfc molem mit Verwunde-rung betrachtet/in diesen Worten heraußgebrochen/

Hoc Titi pocencia principalis diviciarum proflufo flu-mine cogicavic aedificium fieri. und« capuc urbiumpocuislfec.

Und Marcialis rühmet tS also.

Omnis 6re5areo cellac labor Ampbitböcktro ,Unum pr« cunctis fama loquatur opus.

Die Griechen haben die Ehr / daß sie durch jh.ren ohnersparten Fleiß und emdflges Bemühen/ dieerste ldeamderArcbiceLtur erfunden/und/wekches anjhnen zu rühmen/damit selbige zur Vollkommenheitund besseren Aufnehmen kommen möchte/ haben siedie jenige / so in Künsten excellkec, in allen Ehren ge-halten/und mit denen vornehmsten Digmtäten der ste-pubiic , ihren Fleiß dadurch zu cemuneriren/ begäbet/welches dann eine grosse Begierde/ diese hohe Wis-ftnschafften / und deren endliche Perfection zu erlan-gen/verursachet/ und wäre zu wünschen/daß solcheMaximen auch heutiges Tages/ von denen Hohen undGewaltigenderW^lt oblervirec würde/ und man denMißbrauch der Künste fahren ließe/es würden ohnezweiffel ihrer viele Tag und Nacht bemühet seyn/ undihren besten Fleiß anwenden/ die Vollkommenheit ih-rer Profeffion zu erlangen/ zumahl er der flcherenHoff-

Ol Mimi.