Band 
Erster Band. A bis Bl.
Seite
385
JPEG-Download
 

Arbeitslohn 365

von Lohn, ohne welchen eine solche Classe von Arbeitern gar nicht entsteht, und mitdessen Verminderung sie, wenn sie auch entstanden ist, bald wieder verschwindet.Unterdessen gibt es mehre Ursachen in der menschlichen Gesellschaft, welche machen,daß der Preis des Lohnes einer jeden Art von Arbeit über sei» Minimum herauf-steigt, und andre, welche machen, daß er wieder zum Minimum heruntcrsinkt.Dieses rührt von der Concurrenz der Nachfrage und des AngebotS (s. Concurre n z)her. Da nämlich Arbeit ein Bedürfniß ist, welches Alle nöthig haben, die Etwas,das sie nicht selbst machen wollen oder können, besitzen wollen, so kommt es nur dar-aufan, 1) ob Arbeiter der Art, welche man sucht, vorhanden sind, und 2) ob Die, welchedergleichen suchen, die Mittel haben, sie zu bezahlen. Nun sind da, wo viele Men-schen beisammen sind, immer solche da, welche gern für Andre arbeiten. Tenn eSist das einzige legale Mittel für sie, sich ihre Betürfnißmittel Zu erwerben. Undsobald sich die Gesellschaft so gestaltet, daß Mehre in derselben Überfluß oder mehrGüter haben als sie selbst verzehren, sind auch immer welche da, die Arbeitsuchen.Da nun Arbeiter gar nicht vorhanden sein können, wenn sie nicht wenigstens dasMinimum, was zur Entstehung und Unterhaltung dieser Arbeit nöthig ist, erkal-ten, so müssen Die, welche Arbeit suchen, das Minimum des Lohnes zum allerwe-nigsten nothwendig bezahlen. Wird aber mehr Arbeit solcher Art gesucht, und essind nicht genug Arbeiter dazu vorhanden, so wird die Zahl der Arbeiter oder ihrFleißnur durch einen höher» Lohn vermehrt werden können, und es entsteht daher durchvermehrte Nachfrage nach Arbeit auch ein höherer Arbeitslohn. Diesen erhaltennicht bloß die neu hinzutretende», sonder» auch die alten Arbeiter, da sie durch Ver-weigerung ihrer Arbeit einen Theil der Nachfrage unbefriedigt lassen würden, unddie Arbeitsuchenden daher auch diesen den höhern Lohn zugestehen müssen. DieZunahme und die größere Verbreitung des Reichthumes unter dem Volke ist dieUrsache sowol der Erhöhung, des Arbeitslohnes überhaupt als der Vervollkomm-nung und der Vervielfältigung der verschiedenen Arten der Arbeiten, und des hoher»LohneS der künstlichen Arbeiten, verglichen mit den gemeinen Arbeiten. Denn derReichthum besteht in dem fortdauernden Überflüsse der Güter über Das, was zurBefriedigung der nothwendigen Bedürfnisse dient. Mit diesem Überflüsse kann aberNiemand etwas Andres anfangen, als ihn zu Bezahlung von Arbeiten entweder selbstoder durch Andre anzuwenden. Also vermehrt der Reichthum die Nachfrage nachArbeit um so mehr, je mehr er sich ausbreitet, und der Arbeitslohn muß nothwen-dig dadurch gesteigert werten. Durch den erhöhten Lohn aber wird die arbeitendeClasse selbsi wohlhabend und erhält Überfluß über die Nothwendigkeiten des Lebens.Dieser aber wird zur Bezahlung neuer Bedürfnißmittel, folglich neuer Arbeit, ver-wandt. Also wird durch die Ausbreitung des Wohlstandes unter den gemeinenArbeitsclassen nothwendig die Nachfrage nach Arbeit vermehrt und dadurch der Ar-beitslohn gesteigert. Auch wird leicht begreiflich, wie sich der höhere Preis der künst-lichern Arten der Arbeit bildet, uzid der Lohn für jede Art wiederum der Einwirkungder Concurrenz ausgesetzt ist. Denn sobald die Bedürfnisse, zu deren Befriedigungnur gemeine Arbeiten gehören, gestillt sind, so entsteht, wo Überfluß ist, die Be-gierde nack Bedürfnissen, welche künstliche Arbeit ersodern. Diejenigen, welcheaber dergleichen Dinge begehren, werden Die, welche Geschick zu solchen Arbeitenhaben, nicht anders bestimmen können, ihr Geschick und ihre Zeit auf die Hervor-bringung solcher Dinge zu wenden, als wen» sie ihnen mehr dafür bezahlen alsfür gemeine Arbeit. Diejenigen aber, welche dergleichen verrichten können, werdenebenfalls darauf sinnen, künstliche Dinge hervorzubringen, welche die Reichern rei-zen, weil sie wissen, daß diese froh sind, für ihre Reichthümer Etwas zu erlangen,was neue angenehme Empfindungen in ihnen erweckt. I? mehr sich nun der Ge-schmack in solchen Dingen ausbreitet, und je mehr sich die Personen vermehren, würbeMittel haben, dergleichen Producle zu bezahlen, desto mehr wird der Preis dieserCvnv.iLe.r. Siebente Anst. Bd. l. 25