Band 
Erster Band. A bis Bl.
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577
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Ausweichung

schreiten von einer Harmonie zur andern ist ein Accordenwechsel; aber nicht jederAccordenwecbsel ist auch ein Wechsel der Tonarten. Es gibt daher eine doppelteArt der Modulation im weiter» Sinne: entweder geht nian von einer Harmoniezu einer andern fort, die in derselben Tonart liegt (Gottfr. Weber nennt dieses eineleitereigene Modulation), oder zu einer dem vorigen Accord fremdartigen Tonart,und diese Art der Modulation, oder der Übergang von einer Tonart zur andern,ist Ausweichung, Modulation im engern Sinne (nach Weber leitersrcmdc Modu-lation). Eine solche findet also statt in folgenden Beispielen:

Diese Beispiele lehren zugleich 2 Hauptarten der Ausweichung kennen. In demersten nämlich ist der Fortschritt von der Art, dasi man bei dem neuen Accord denersten völlig vergißt, und diese Art der Ausweichung mag die vollkommene hei-ßen. In dem andern Beispiele wird die erste Tonart nicht auü dem -Ohre vertilgt,und die fremde Tonart kaum als neu empfunden, welches immer der Fall ist, woeine Tonart vorübergehend zwischen die herrschende tritt, und dies nennt man eineunvollkommene Ausweichung. Weber berechnet in s. „Theorie der Tonsetzkunst",daß man auf46 verschiedene Arten von einer Tonart zur andern fortschreiten könne.Es gibt nämlich 11 Ausweichungen aus einer harren in eine andere harte, und 11aus einer weiche» in die andern weichen, 12 aus einer harten in eine der 12 wei-chen, und 12 aus einer weichen in die 12 harten Tonarten. Erwägt man nunauch, dasi jede Tonart verschiedene Harmonien hat, von welchen und zu welchenfortgeschritten werden kann (nämlich von jeder der 14 Harmonien einer harten Ton-art zu einer der 14 Harmonien der 11 übrigen, und von jeder der 10 Harmonieneiner Molltonart zu den 10 der übrigen 11 Molltonarten; sowie ferner von jeder der14 Harmonien einer Durtonart auf eine der 10 Harmonien der 12 Molltonarten,und von jeder der 10 Harmonien einer Molltonart zu einer der 14 Harmonien der12 Durtonarten): so ergeben sich im.Ganzen 6616 verschiedene mögliche Fälle derAusweichung. Die meisten Ausweichungen sind Fortschreitungen von den: Drei-klang 1) zu dem tonischen Dreiklang einer neuen Tonart, und zwar vonDurtonartzu Durtonart (z. B. von c,-dnr nach O-dnr. l>-dur, 4-dn, , Iö-d»r. Il-dnr,b'-<>»r, ll-dur, tl-i-dur, 4^-d»r. Iier-d»i), Durtonart zur Molltonart (z. B.von O-dur nach dem weichen tonischen Dreiklang von I>, 6. Il, 4) und umgekehrt(z. B. von 0-,»<iII nach dem harren tonischen Dreiklang von 4-.. !)<>. ! ;, <>); 2)durch den Dreiklang der Dominante nach allen Tonarten, odcr 3) durch den Haupt-septnnenaccord. Die Ausweichung durch den Hauptseptimenaccord (auch mit hin-zugefügter kleiner oder großer Ilone, nur dasi letztere immer in dieDurtonart führt)ist die gewöhnlichste und bestimmteste. Außerdem weicht man, wiewol seltener,aus 4) durch den Dreiklang der O. uarte oder Secunde der neuen Tonart oder durchandreNebenharmonien. Im Allgemeinen ist eine Ausweichung um so leichter undnatürlicher, je verwandter die Tonart, in die man ausweicht, dcrTonart isi, vonwelcher man ausgeht. Solchen Ausweichungen ist das Ohr am leichtesten offen;dagegen Ausweichungen in entfernte Tonarten dem Gehör auffallender sind. Al-lein dieses Auffallende kann durch besondere Mittel gemildert werten, z. B. durchchromatische Übergänge der Melodie, ferner dadurch, dasi der Übergang in tie neueTonart durch einen mehrdeutigen Accord (d. i. einen solchen, der das Ohr über dieTonart, zu welcher er gehört, zweifelhaft läßt), oder durch einen solchen geschieht,welcher sowol der Tonart, von wAcher man ausgeht, als auch der'Touark, in welcheman ausweicht, zukommen kann; ja, dieses Auffallende, Grellere gewisser Aus-Eoiivers.itions-Lexico». Bd. l. 3?