Band 
Erster Band. A bis Bl.
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593
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Bacchylides Baccio dclla Porta 593

Bacchanalien, Dionysien, auch im Allgemeinen Orgien. Besonders feierlich wur-den sie in Athen begangen, wo man die Jahre danach zählte. Wahrend ihrerDauer war die geringsteGewaltthätigkeit gegen einen Bürger ein Todesverbrechen.Die großen Dionrsien wurden im Frühlinge begangen. Das Wichtigste der Feierbestand in einer Processen, welche den Triumph des Bacchus vorstellte. Es er-schien dabei derselbe oben beschriebene Zug von Bacchanten und Bacchantinnen, die,von wahrem oder angenommenem Weinrausche begeistert, schwärmend und tobendumherzogen und sich dem zügellosesten Taumel ihrer aufgeregten -Linne überließen.Sie waren maskirt, mit Hirschhäuten bekleidet und mit Epheu bekränzt, und tru-gen in den Händen T rinkgeschirre und ThrrsuSstübe. Mitten unter dieftm wahn-sinnigen Haufen zogen in schöner Ordnung die von den Phratien (Dürgergemein-den) abgeordneten Chöre auf. Sie trugen auf ihren Köpfen heilige Körbe, welchedie Erstlinge der Fruchte, Kuchen von verschiedener Gestalt und andre geheimniß-volle Symbole enthielten. Diese Processen geschah gewöhnlich Nachts. Den Tagwidmete man Schauspielen und andern Lustbarkeiten. Schon früh ging man indas Theater des Bacchus, wo theils Wettstreite der Chöre in Musik und Tanz,theils neue dramaiische^rucke ausgeführt wurden. In ganzArhen herrschte Aus-gelassenheit und Schwelgerei. Diese Feste kamen von den Griechen zu den Rö-mern, die sie mit noch ärgerer Zügellosigkeir begingen, bis der Senar sie 187 vorChr. gänzlich untersagte. Vgl. über deu,Bacchusdienst, die eleusinischen Myste-rien, die 1)ü>nv»üma u. s. w., die von der .VasO, cle» iu-eriplinnL ot belle» lettrezzu Paris gekrönte Prcisschrifr des dasigen Stadtbibliothekars P. N. Rolle:„lleeberebes »nr le eulie ele Ibweliu» ete." fPariS 1824, 3 Bde.).

Bacchylides, aus Julis, einer Stadt der Insel Keos , gebürtig, derletzte der 10 großen Lyriker Griechenlands , welche der alepandrinische Kanon fürclassisch erklärte. Als Verwandter des Simonides und Zeitgenosse des Pindar wirb er als Dichter Beiden an die Seite gesetzt. Hiero, an dessen Hofe er lebte,schätzte ihn sehr hoch und zog ihn selbst dem Pindar vor. Uns sind leider von seinenLiedern, Hymnen, Päanen und SiegeSgefängen nur wenige Bruchstücke geblie-ben, welche in einigen Ausgaben des Pindar und rn Brunck's Analekren gesammeltsind: es finden sich manche Spuren von ihn, in Horaz'S Oden. Ohne Pindar'sstürmischen Adlcrstug zu haben, fehlte es ihm doch weder an Feuer und Kraft, nochan Anmuth und Fülle.

Baccio della Porta, bekannter u. d. N. Fra Bartolomeo diSän Marco, geb. 1t69 zu -Lavignano bei Prato in Toscana , lernte in Floren;die AnsangSgrunde der Malerei bei Cosimo Rosselli , machte schnelle Fortschritte undgewann durch das Studium der Werke Leonardo da Vinci'S jene schöne und großeManier, jene Kraft des ColoritS und Umrisses, die seine spätern Arbeiten auszeich-net. Aus dieser Zeit ist sein berühmtes Frescogemälde auf dem Gottesacker desHospitals eccanta-Maria-Nuova, welches das jüngsteGericht vorstellt und von sei-nem Freunde Albernnelli vollendet wurde. Verfuhrt durch die Predigten des fa-natischen Savonarola , verließ er Alles, um ihm zu folgen, und schloß sich mit ei-ner großen Anzahl Anhänger desselben in das Kloster eccan-Marco ein, als dieserwüthende Aufruhrprediger mit gewaffneter Hand verfolgt wurde. Das Klosterward belagert, und Baccio that das Gelübde, Mönch zu werden, wenn er der Ge-fahr glücklich entginge. In Folge dieses Gelübdes nahm er 1500 in demselbenKloster das Kleid des heil. Dominicas und nannte sich Fra Bartolomeo . Dies Er-eignis halte ihn so erschüttert, daß er 4 Jahre keinen Pinsel anruhrre und ihn spä-terhin nur wiedernahm, um ihn Gegenständen der Andacht Zu widmen. Die Ge-mälde, welche er in dieser letzten Periode ausführte, sind seine vollendetsten. Ra-fael war 1504 nachFlorenz gekommen und hatte großen Einfluß aufdie glänzendenErsolzeFraBartolomeo's. Dieser lernte diePerspective von seinem jungen FreundeCoiwersarions - Lericon. Bd. 1. 88