856 Bewegung der Erde
gerweise die Rüde der Erde gelehtt und geglaubt hat. Alle Meinungen der Altenüber die Bewegung der EHde waren Philosopheme, die aus der Pythagoräischenschule entsprangen, welche bekanntlich das Feuer für den Mittelpunkt der Welthielt, um den sich Alles bewegte. So muß auch die Stelle von Aristarch von Sa-mos gedeutet werden, welche Aristoteles in seinem „Arenario" anführt. Aristarch kam alsPvthagoräer darauf, daß er sagte: die Erde drehe sich um ihre Achse undzugleich in einem schiefen Kreise um die Sonne; und die Entfernung der Sternesei so groß, daß dieser Kreis gleichsam nur ein Punkt gegen die Fftsternensphäresei, woher dann die Bewegung der Erde keine scheinbare Bewegung an den Ster-nen verursache. Auf diesen Satz konnte jeder Pythagoräer kommen, der die Sonneoder das Feuer für den Mittelpunkt der Welt hielt, und der dann zugleich ein soguter Kopf und ein so guter Astronom war, wie Aristarch von Samos. Alleindieses war nicht die kopernicanischc Weliordnung. Die Bewegungen der Planeten,ihr Stillstehen und ihr Rückwärtsgehen, dieses war Dasjenige, was die Astrono-men nicht erklären konnten, und was sie aus die verwickelte Bewegung der Epicykelgebracht, wodurch die Planeten in Radlinien um die Erde liefen. Aristarch lebte280 I. v. Chr., Hipparch , der große Astronom des Alterthums, 150 Z., alsoum 130 Z.nach ihm. Damals waren noch alleL:chriften des Aristarch vorhanden,und wenn diesen die kopernicanische Weltordnung bekannt gewesen, so hätkeHipparchnicht verzweifelt, die Bewegungen der Planeten zu erklären. Ebenso Pwlemäus, derln seinem „Almagest", dem vollständigsten Werke des Alterthums über Astronomie,von der koperiücanischen Weltordnung des Aristarch keine Erwähnung thut. ZederKöper,ticaner spricht von der Bewegung der Erde, aber nicht Zeder, der von derBewegung der Erde spricht, ist ei» Kopernicaner. Kopernicus kam durch den ver-wickelten Planetenlauf auf sein System, und in der Zueignung seines unsterblichenWerkes: „I4o levolutiviübu» »ilüuin", an den Papst Paul III. sagt er: daßHerade aus den, Planetenlaufe die Wahrheit seines Systems hervorgehe, weil ihrLtillstehen und Rückwärtsgehen und wieder Stillstehen und wieder Vorwärts-gehen ganz einfach und eine nothwendige Folge der Bewegung der Erde um dieSonne sei, und man nicht nöthig habe, zu den verwickelten Epicykeln seine Zu-flucht zu nehmen. Kopernicus erlebte die Dei-solgungen nicht, welche die römischenPriester gegen sein System erhoben. Diese fingen erst 100 Z. später an (gegen1610), als das Fernrohr erfunden, als die Zupitermonde und die sichelförmigeGestalt der Venus entdeckt, und hierdurch die Theilnahme an der Astronomie leb-hafter aufgeregt wurde. Zede Stadt in Ztalien war damals ein kleines Athen ,worin Künste und Wissenschaften blühten. Galilei lebte in großem Ansehen, undtiefer vertheidigte die neue Wxttiwdnung. Die römische Znguifition lud ihn vor,und er mußte diese Lehre abschwören. (W. Galilei.) Die Theilnahme an demSchicksale des alten Mannes vermehrte die Theilnahme am System, und mansuchte es von der einen Seite ebenso heftig zu beweisen, als von der andern es zubestreiten. Unter den Gründen gegen die Umdrehung der Erde hatte man den ange-führt: daß ein Stein, der von der spitze eines Thurmes falle, nicht nach Westenzurückbleibe, ungeachtet während der 4 oder 5 Secunden seines Falles der Thurmdoch um mehre hundert Fuß »ach Osten rücke. Hierauf hatteKopernicuS richtiggeantwortet: daß der Stein beim Thurme bleibe, rühre daher, weil er dieselbeBewegung nach Osten habe, und indem er falle, verliere er diese nicht, sonderngehe mit nach Osten. Galilei sagte Dasselbe und behauptete, daß ein Latein, deraus einem schnellsegelnden Schiffe von der Spitze des Mastes herabfalle, ani Fußedesselben niederfalle, ungeachtet der Mast sich wäbrend des Falls vielleicht um 10oder mehreFuß fortbewege. Gassendi stellte dieseVersüche im Hafen von Marseille an, und die Steine fielen am Fuße des Mastes nieder, wenn das Schiff auch mitvollen Segeln ging, Galilei behauptete daher: man könne überhaupt keine Der-