Band 
Dritter Band. D bis E.
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Declaination

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Theorie kaum über Etwas so in Verlegenheit, als über sie. -Lste stößt zuvörderst, auf die Bedenklichkeir, ob Gemälde dieser Art überhaupt zulässig seien. Daß sieeinen beschwerlichen Standpunkt für den Beobachter haben und uns zumuthenwollen, in einem verschlossenen Platze über uns das Freie zu sehen, werfen ihnenihre Gegner vor. Dieser Äorwurf muß wenigstens den Künstler darauf aufmerk-sam machen, daß er fein Locale auf eine andre Art zu benutzen habe, als sonst derMaler thut, wenn nicht das Auge, statt angenehm angezogen, beleidigt, und alleWahrscheinlichkeit grob verletzt werden soll. Zweierlei hat er dabei stets zu berück-sichtigen: Gegenstände und Behandlung. Der Abbe Laugier wurde gewiß voneinem sehr richtigen Gefühle geleitet, als er weder Terrassen noch Berge, wederGebäude noch Flüsse, weder Wälder noch irgend etwas von Demjenigen duldenwollte, was nie über uns sein,kann. Die Deckenstücke von Peter von Cortonaund Lebrun mit der Flotte deZ Aneas und den Thaten des Hercules möchten in die-ser Hinsicht nicht zu billigen sein. Dem gesunden Menschenverstände leuchtet esein, daß sich für Deckenstücke nur Gegenstände auS dem Luflreiche schicken, undwenn wir zu diesen die mythischen Wesen aller Religionen rechnen, so geschieht es,weil wir dies a»S einer von Kindheit an gewohnten Convenienz natürlich finden.Die allegorischen Wesen hingegen, welche Sulzer noch gestattet, dürften schonmanche Einschränkung erleiden. Hat nun aber der Künstler seinen Gegenstandschicklich gewählt, so hat er »och viel zu erwägen über dessen Behandlung. Dauns die Decke durch die Malerei gleichsam weggehoben, und der Blick ins Gebietdes Himmels geöffnet ist, so versteht sich von selbst, daß das Gemälde in einemluftigen Colorit ausgeführt sein müsse. Die Figuren müssen so gezeichnet sein,daß sie aus dem Standpunkte des Betrachters, von unten hinauf, wirklich die An-sicht über uns schwebender Figuren darbieten, oder sie müssen, nach dem Kunstaus-drucke plafoniren. Dies erfokert eine tiefe Kenntniß der Perspeciive, welche eineandre Anordnung bei flachen, eine andre bei gewölbten Decken nöthig macht.Innigst zusammenhängen mit dieser Perspeciive die künstlichen Verkürzungen,ohne welche das Plafoniren nie gelingen wird. Deßhalb war auch Correggio Mei-ster darin, wie seine Kuppeln der Domkirche und St.-Iohanniskirche von Parmabeweisen, da hingegen Rafael, der die Verkürzungen so gern vermied, in seinemPlafond der Farnefina hinter ihm zurücksieht. Wenn MengS , der die Deckenstückebloß für an der Decke aufgehangene Gemälde wollte angesehen wissen, jenen Decken-stücken Correggio'S das Studium der Werke Michel Angelo's ansehen will, soheißt dies wol nichts Andres als: auch Correggio war groß in Verkürzungen wiedieser. Übrigens sei es beiläufig gesagt, daß die Kuppeln Correggio'S die beidenersten im Ganzen gemalten sind, da man sie vorher immer theilweise oder mit Fä-chern zu malen pflegte. Die dargestellten Gegenstände müssen endlich jederzeit inÜbereinstimmung stehen mit dem Zwecke und Charakter des Gebäudes selbst; nurDecken von einiger Höhe eigne» sich zur Verzierung durch Deckenstücke; die ge-wölbten vielleicht am meisten.

D e c l a m a t i o n, die Künstdes vollkommenen Dortrags eines in Wortegefaßten Gedankenganzen durch Redelöne; declam iren heißt folglich ein Rede-ganzes vollendet schön vortragen. Die Neigung für diese Kunst ist in unsern Tagensehr hoch gestiegen, wie die öffentlichen Ausstellungen dieser Kunst (Declamaiorien)beweisen. Gleichwol sind ihre Federungen so mannigfaltig, daß eine wahre De-clination noch ziemlich selten ist; denn nicht allein, daß hierzu besonders körperlicheVorzüge, namentlich gute, beugsame -Lprachwerkzeuge und ein edler Anstand, er-fodert werden, so heischt diese Kunst auch noch die besondern Vorzüge eines gebildetenVerstandes, eines feinen, geläuterten Zartgefühls und anderweitige wissenschaft-liche Kenntnisse, deren Mangel sich bei Dem, was so Mancher als Deklamationaufstellt, der oft nur richtig ausspricht oder rccikirt, sehr leicht verräth. In den

Loiwerftilivns - LezKon. Bd. »l. 6