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Deklamation
Anten des alten Roms und Griechenlands stand die Redekunst in so hohem Ansehen,daß in den griechischen Freistaaten Niemand leicht zu hohen Ehrenstellenemporstei-ßgen konnte, der nicht ein guter Redner war; denn die Rednerbühne war damalsder Ort, wo sich der Republikaner bewährte. Daher wurde sie zu den Haupkstückender Erziehung gerechnet. Von der Musik, welche im Sinne der Alten vorzüg-lich Dasjenige umfaßte, was überhaupt den hohen Sinn für das Schone wecken,üben und schärfen lehrte, war ein wichtiger Theil die Declamation, mit welcher dieMimik verbunden war. Für die Lehre dieser Wissenschaft hatten die Alten eigneKlanggeschlechker und eigne Zeichen zur Betonung der Sylben, eine Art unter oderüber den Text geschriebener Noten, oder vielmehr eine Art von Tabulatur, indemdurch die verschiedenen Richtungen und Wendungen der Buchstabe» diese Klangge-schlechter und Töne angegeben wurden. So wenig Zuverlässiges nun aber auchüber den eigentlichen Umfang und das Verhältniß dieser Töne bis aufunsere Zeitengekommen ist, so bleibt doch wol so viel ausgemacht, daß, auch bei wirklich vorhan-denen bestimmtern Nachrichten, eine allzu strenge Nachahmung der Musik durch-aus fehle, baft, und die Dcclamatorik, sowie sie die griechische Sprache und das da-malige Zeitalter federten und das griechische Ohr liebte, sehr wenig zu unsererSprache, zu unserm Zeitalter und zu unserm Ohre passen möchte. Der Vertragder Redner des Alterthums näherte sich mehr dem Gesänge oder unserm heutigenRecitativ. Während des Vertrags ließ der Redner gewöhnlich einen Lindern hin-ter sich treten, der ihm auf einer» musikalischen Instrumente von Zeit zu Zeit denGrundton und die vorzüglichsten Abweichungen der Töne angab. Auf diese Artbegleitete der AuloS die Declamation auf der Bühne (vgl. Chor); in den Nach-richten von den römischen Lustspielen finden wir, daß sie mit iiläi; clcxt, ix undxini-it, ix begleitet waren, wobei auch zugleich Derjenige mit genannt wurde, welcherdie IIIO.Ü,,-,. die Composition und Melodie, machte. Bei der Declamation beruhtAlles auf den verschiedenen Tonarten oder Grundtönen, den mancherlei Biegungenund Bewegungen der Stimme und den Accente». Der Charakter des zu decla-mirenden Stücks bestimmt die Wahl des Grundkons, und für diese verschiedenenGrundtöne nehmen Einige seit Schocher (einem bekannten Lehrer der Declamation,der in Naumburg gestorben ist eine oratorische Scala an, welche die verschiedenenHaupt-oder Grundtöne mit ihren Semitonien und der übrigen Tonfolge genaubestimmen soll, und durch die Vocale a, e, i, o, u, oder in ihrer Folge: u, o, a, e, i,bezeichnet wird. Auch hier wird, sowie in der Musik, die Stimme in die Mittel-,hohe und tiefe Stimme eingetheilt, um hiernach die verschiedenen Tonarten undGrundtöne zu bestimmen, welche für den jedesmaligen Ausdruck der Gemüthsbe-wegungen und Leidenschaften nöthig sind. Jede stärkere oder schwächere Gemüths-bewegung ferner hat ihren eigenthümlichen Ausdruck im Tone und in dem ganzenGange der Stimme. Ganz anders spricht der frohe als der traurige Mensch;ganz anders ist der Ton des Zornigen als der des Zufriedenen und Ruhigen u. s. w.;hieraus gründet sich die Lehre von den Grunttönen i» der Declamation und in denverschiedenen Tonarten. Denn sowie bei einer musikalischen Composition immerein gewisser Hauptton zum Grunde gelegt wird, innerhalb dessen Grenzen die Com-position sich fortbewegt, so ist es auch in der Declamation, indem der Charaktereines z» declamirenden Satzes, Gedichtes oder einer Rede w. eine» demselben ge-nau entsprechenden Grundton heischt, nach welchem die übrigen Töne und Ab-weichungen der Stimme während des Vertrags sich genau richten müssen. Esgehörigen übrigens mehr als alltägliche Kenntnisse dazu, um den Federungen derwahren Declamation Genüge zu leisten; indem der Declamawr nicht allein Künst-ler ist, sondern das Vorzutragende auch richtig denke» und fühlen, also besondersbei der Declamation im eigentlichen und vollendeten >Linne, d. i. bei dem mündli-chen Vortrage der Poesie, poetischen Sinn und Kenntniß der Dichtkunst besitzen