Band 
Dritter Band. D bis E.
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Deutscher Orden Deutsche Philosophie 207

ten Gattungen bald verdrängt zu werden. — An L iedercomp ositionen istDeutschland , besonders das nördliche, außerordentlich reich, aber selten zeigen dieComponisten derselben einen poetischen Geschmack, und öfters ist die schwierige,vollgrissige und viel modulirende Begleitung dem Charakter des Liedes auch wider-sprechend. Neuerdings sind an Mehren Orten musikalische Gesellschaften zumVortrage kleiner mehrstimmigerGesellschafkSlieder (besonders für Männerstimmen)errichtet worden, welche den Namen Lied ertafe ln (s. d.) führen, worin sichderSinn der Deutsche » für das Lied eigenthümlich beurkundet. Dagegen ist die Lieb-haberei an Balladencompositionen fast verschwunden. Häufig singen Liebhaberauch Opernstücke am Pianoforte; aber es fehlt doch an Orten, wo keine stehende(besonders italienische, Opernbühne ist, an derAnleitungimSologesang, welche dieGesangstücke der neuern Opern verlangen. Im Ganzen darf man wol behaupten,daß die edle und, wir möchten sagen, keusche Ausübung der Tonkunst, welchedarin besteht, daß der Liebhaber oder der Geweihte in unbelauschter Einsamkeitdurch Tone seinem Herzen Ausdruck und Bewegung gibt, seltener ist als sonst, wodie Musik weniger Gegenstand der Ostenkakion war. — Daß die deutsche Mili-tair- und Tanzmusik, um auch diese Gattung der Instrumentalmusik mchrzuvergessen, gegenwärtig wenig Eigenthümliches hat, und daß die Deutschen , wie inandern Gebieten, alle fremde Charaktere (französisch, schottisch, polnisch, russisch w.)durchlaufen haben, kann jedem nur oberflächlichen Beobachter bekannt sein. Hiersucht man gegenwärtig durch Verstümmelung von Opernmelodien den augenblick-lichen Federungen der Mode entgegenzukommen, und allzu oft nur den Ekel zu ver-mehren, der durch unaufhörliche Wiederholungen pikanter Neuigkeiten zu entstehenpflegt. — Zu den Erscheinungen, aus denen sich die Pflege der Tonkunst beurtheilenläßt, gehören auch noch folgende. In der Theorie der Musik, vornehmlich in derHarmonielehre, sind verdienstliche Versuche gemacht worden, auch diesem Zweige derWissenschaft die längst vermißte systematische Form zu geben. Hierher gehörtGottfried Weber'S „Theorie der Tonsehkunst". Während diese zunächst für den Mu-siker bestimmt ist, sucht Logier'S, eines geborenen Deutschen , treffliche Methode desmusikalischen Unterrichts, in Verbindung mit einer einfach-n Harmonielehre, denWeg zu einer gründlichen Kenntniß und Behandlung der Elemente der Musik all-gemein zu machen. Von Berlin aus wirkte seine Thätigkeit auch auf entfernteProvinzen Deutschlands . Daneben stehen viele Versuche, den Gesang in denVolksschulen zu begründen. Wie die Theorie der Musik, so ist auch die Kritikder Musik jetzt kräftiger und geistvoller geworden; eine lange einzigstehende und un-ter Rochlitz'S Redaction ehemals mit großem Verdienst wirkende „Leipziger musi-kalische Zeitung" ist jetzt durch die von Marx redigirte „Berliner musikalische Zei-tung", was tiefer eindringende, umfassendere und geistvollere Beurtheilung derneu-ern Erscheinungen in der Musik anlangt, übertroffen worden. Ihr stellen sich dasbeliebte Journal „Cäcilia", in welchem man z. B.Gottfr. Weber'S Untersuchungenüber die Echtheit des Mozart'schen Requiem las, und mehre kleinere musikalischeAnzeigeblätter zur Seite. Zum Schluß erwähnen wir noch der sehr vermehrtenMusikhandlungcn, unter welchen Leipzig allein gegen 8, und unter ihnen 4 dergrößten Verlagshandlungen hat. 44 .

Deutscher Orden, s. Deutsche Ritter.

Deutsche Philosophie. Diese konnte nicht eher auftreten, als bisdie deutsche Prosa einen gewissen Grad der Bildung erreicht harte. So langedie Deutschen ihre philosophischen Werke vorzugsweise in lateinischer Sprache schrie-ben, schloffen sie sich an die herrschende Philosophie,z.B. der Scholastikeran, oderbe-strilten dieselbe, seit dem 15. Jahrh., und verbreiteten, wie Philipp Melanchthon ,durch ihre humanistische Kenntniß bessere philosophisckeAnsichten, geschöpft aus den -reinen Quellen des classischen Alterthums. (S. Deutsche Literatur und