Band 
Dritter Band. D bis E.
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Deutsche Poesie (II. Zeitraum)

denkmäler werthvoll. Dtlssried'S „Evangelienharmonie" in kurzen vier,eiligen Reim --strophen aus Ludwigs des Deutschen Zeit ist unter diesen biblischen Gedichten dasbedeutendste. Das erste deutsche Lied feiert den Lieg desWestsrankenkönigS Lud-wigs lil. über die Normannen (881), und aus den Zeilen Kaiser Heinrichs IV.hat sich der Lobgesang auf dessen Erstehen, den keiligen Anno, Erzbischof von Köln ,in niederrheinischer Mundart erhalten. In den übrigen Gedichten, die wir ange-führt haben, berrscht die oberdeutsche Mundart, und namentlich die fränkische.

I I. Die Regierung der schwäbischen Kaiser aus dem Geschlechte der Hohen-staufen nimmt den ersten Theil dieses Zeitraums ein, das eigentliche Blükhenalkerder romantischen Ritterpoesie und des Minnegesanges, gewöhnlich das schwäbi-sche Zeitalter auch in der Geschichte der Poesie genannt, theils wegen jener Kaiser-herrschaft, theils weil die meisten und vorzüglichsten Dichter dieser Periode aleman-nischer Abkunft waren, theils weil die schwäbische Mundart, als die gebildetste undreichste, die allgemeine Sprache der Poesie geworden war. Der zunehmende Wohl-stand Deutschlands und die dadurch beförderte Cultur, die nähere Bekanntschaftmit Imlien und Frankreich , vortüglich müder gesangreichen Provence, die Kreuz-züge, welche dem ritterlichen Geiste der Deutschen einen schwärmerisch-romantischenSchwung gaben, der edle Kunstsinn des Hohenstaufischen Kaiserstammes bewirktenmit manchen andern kleinern Förderungsmüteln die schnelle und reiche Entwickelungder Poesie in diesem Zeitraume. Deutsche Kaiser und Fürsten sangen selbst Min-nelieder oder schmückten ihre Höfe mit den Liedern einheimischer und fremderwandernder Sänger, und poetische Wettspiele (Krieg auf der Wartburg ) wrchselienmit Turnieren. Dem Beispiele der Fürsten folgten die Ritter, und die Poesie tratauf diese Weise als ein wesentlicher Bestandtheil in das Leben und die Litte derhöhern Stände ein. Die Reihe der Minnesinger oder Minnesänger, d. b. derSän-ger der Liebe, beginnt mit Heinrich von Deldeck (1170), und man kennt dieNamen von beinahe 300 Dichtern, welche in diesem kurzen Zeiträume dieLiebe, die Frauen und ritterliche Ehre und Zunft in Liedern gefeiert haben. Einevon teni Züricher Ritter Rüdiger von Manessa um 1313 veranstalteteSammlung enthält ihrer 140 (herauSgeg. von Bodmer und Breüinacr, Zürich 1758— 50, 2 Bde., 4.). Als die berühmtesten nennen wir Wolfram vonEschenbach , Walthcr von der Vogelweide, Heinrich von Ofter-dingcn, Hartmann von der Aue, Ulrich von Liechtenstein, Gott-fried von Strasburg, und einen der letzten, Konrad von Würzburg .Die meisten Minnesänger haben sich aus Das beschränkt, was dieser Namebezeichnet: sie besingen die Liebe und ihre Geliebten in lyrischen Weisen, voll 'An-muth, Zartheit, Tiefe und Wärme der Empfindung, jedoch, bei aller romantischenSchwärmerei, nicht überall ohne sinnlichen Beigeschmack. Aber viele unter ihnenhaben auch große epische Gedichte geschrieben, theils nach vaterländischen, theilsnach fremden Liessen. Der vaterländische Sagenkreis, zum Theil wol noch Er-innerungen aus der heidnischen Vorwelt mit sich führend, bewegt sich in den Stür-men und Zügen der großen Völkerwanderung, und Attila der Hunnenkönig(Etzel) und Theodorich der Gothenkönig (Dietrich von Bern ) sind die Hauptheldendesselben, deren geschichtliche Herkunft am sichersten nachgewiesen werden kann.Die Gedichte aus diesem Sagenkreise sind: das große NakionalepoS, das „Ni-belungenlied ", das Werk eines unbekannten, aber ewigen Ruhms werthenSängero aus der schönsten Blürhenzeit der Ritterpoesie, und die von verschiedenenVerfassern herrührendengrößern und kleinern Gedichte des sogenannten „Helden-buches". (S. beide Art.) Die fremden Stoffesind größtentheils proven, a!i-schen, nordfranzosischen und altbrüannischcn Ursprungs, nämlich.Hie Sagen vonKarl dem Großen und seinen Paladinen, und von der Tafelrunde deS-KönigS Artusund dem heiligen Graale (d. h. 8ai>§ roval, der Schüssel, aus »velcher der Hei,