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Deutsche Poesie (11. Zeitraum)
land das heilige Abendmahl genoß, nnd welche nachher dessen Blut aufnahm). Un-ter den Gedichten aus diesem Fabelkreise zeichnen sich vorzüglich aus: Wolf-rams von Eschenbach „Markgraf von Narbonne", „Tnurel" und „Parci-val", Gottfrieds von Strasburg „Tristan", Hartmanns von derAue „Iwain " u. ?l. m. Endlich bearbeitete man auch die antike Sage undGeschichte, jedoch in ritterlich modernem Gewände. Dahin gehört Heinrichvon Veldeck'S „Fneidk" und „Der trojanische Krieg" des Konrad vonWürzburg. Mit Rudolf von Habsburg und der ihm folgenden unruhvollenZeit des FausirechtS beginnt der Verfall des eigentlichen Rltterthums in Deutsch-land und der ihm eigenthümlichen und von ihm untrennbaren Poesie. In derÜbergangsperiode des Minnegesanges und der Rilterpoesie zu dem Meisterge-sänge und der bürgerthümlichen Dichtkunst finden sich einige didaktische und satyri-sche Werke von Bedeutung, namentlich „Der Renner" des Hugo von Irymberg (um1300) und die Fabeln des Boner, „Der Edelstein" betitelt um 1324). Die epi-sche Poesie geh' zu den Reimchroniken über, und die alten Rittergedichte werden zuprosaischen Volksbüchern verarbeitet. Die Gesangkunst, vorher ei» freies Eigen-thum der gebildetsten Stände und vorzüglich der Ritter, wird, durch zünftige Re-geln und Gesetze beschränkt, in den Meistersängerschulen eingeschlossen ge-halten. Diese Schule» bildeten sich um die Mitte des 14. Jahrh., namentlich inNürnberg, Strasburg und Mainz , als ein Mittelding zwischen Akademie» undHandwerksgilden aus, und die Handwerker würdigten die poetische Kunst zu hand-werksmäßiger Reimerei herab. Nichtsdestoweniger gingen aus diesen Instituten,wenn auch nicht als Ergebnisse ihrer zünftigen Thätigkeit, ein Hans Sachs ,und schon vor ihm die ersten Keime des deutschen Theaters in den Fastnachtsspie-len des Hans Rosen blüt und Hans Folz hervor. Überhaupt wurde indieser zweiten Hälfte des zweiten Zeitraums nur eine Dichtungsart mit entschie-denem Glück behandelt, nicht ohne Einfluß des großen geistigen Umschwunges, wel-cher endlich die Reformation herbeiführte, nämlich die moralisch-satyrische. Wirnennen zum Belege dafür den „Reineke Fuchs " des Heinrich von A lkmar, das welt-berühmte „Narrenschiff" des Sebastian Brandt, Thomas Murncr's„Narrenbeschwörung" und „Schellenzunft", Rollenhagen'S „FroschmäriS-ler" und den deutschen Rabelais, Johann Fischart . Es offenbart sich indem Zeitalter der Meistersänger eine überschivenglich komische und satyrischeLaune, wie sie kaum zu einer andern Zeit unter den Deutschen zu finden ist,nnd sie zeigt sich unter der eigenthümlichen Form gutmüthiger Drolligkeit undDerbheit, welche den Deutschen angehörte. Als ein tüchtiger Repräsentantdieser Volkslaune ist der Eulenspiegel auszuführen. In diesen Zeitraum gehö-ren, wie schon oben bemerkt worden, die originellen Anfänge der dramatischenLiteratur der Deutschen (seit der Mitte des 15. Jahrh.), welche wir der Schule derMeistersinger zu Nürnberg verdanken. Vorher kannte man nur die Musterten,Dramansirungen biblischer Geschichten, größteniheils in lateinischer Sprache.Hans Folz , ein Barbier, Rosenblük u. A. führten die Fast» acht spiele ein (s. d.).Sie übertrifft der geniale und ersindungSreiche Hans Sachs (1494 —1516), viel-leicht neben dem Spanier Lope de Vega der fruchtbarste Dichter, dem auch ein Wie-land und Göthe ein Denkmal zu sehen nicht unter ihrer Würde achteten. AndreVolksdramen, wie z. B. „Faust ", blieben eingedruckt. Dies- dramatischen Ver-suche scheinen vorbereitet worden zu sein durch die im 13. Jahrh, sich ausbildendendeutschen Volkslieder, w-lche durch die Mannigfaltigkeit un Sioffe, indem sie sichauf alle Stände, Stimmungen und Lagen des damaligen Lebens beziehen, fernerdurch ihre» sinnlichen, handelnden Charakter und ihre ungezügelte Freiheit, Frischeund Munterkeit, eine in dieser Art neue Erscheinung darbieten. Sie sind jedoch,wie auch andre lyrische Gedichte, z. B. die trefflichen Kriegslieder Veit Weber's