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1555 förmlich bestätigt. Nur durften die Dündnisse der Reichöstände nicht gegen dasReichsoberhaupt, und eben so wenig gegen die Reichsverfassung gerichtet oder demReiche nachtheilig sein. Auch sollte kein Reichsstand ein Offensivbündniß gegenseinen Mitstand eingehen, außer im Fall einer Gewaltthätigkeit, deren Vergü-tung 3 Jahre lang von dem Urheber verweigert worden war. Der westfälischeFriede erlaubte dann dem Beleidigten, sich durch die Waffen Recht zu verschaffen.
Dies waren die Grundzüge einer Verfassung, welcher man sehr viel Gu-tes und sehr viel Böses nachsagen konnte. Sie gab den Deutschen wederEinheit noch Kraft und machte das größte Volk Europas zu einem der ohn-mächtigsten. Aber eben dadurch bewahrte sie die Deutschen vor dem Unglück,ein eroberndes und unterdrückendes Volk zu sein, und führte sie zu einer All-gemeinheit, Vielseitigkeit und Gründlichkeit der Cultur, in welcher sie vielleichtvon keinem andern übertreffen werden, den meisten aber weit voraus sind. DieReichsverfassung hatte wenig Mittel positiven Wirkens, allein manches Übel ver-mochte sie zu hindern; die Zerstückelung Deutschlands machte es allein möglich,daß die Reformation gedeihen konnte, welche der Bekenner des evangelischen Chri-stenthums für die segensreichste Begebenheit der neuern Zeit zu halten berechtigt undgedrungen ist. Diese Zerstückelung ist eine Aufgabe, welche die Vorsehung demDeutschen gegeben hat. um daran seine Kräfte zu üben und in bestimmter Rich-tung zu entwickeln, dergleichen Aufgaben sich in der Geschichte eines jeden andernVolkes gleichfalls erkennen lassen. Das Princip der Reichsversassung war von An-fang an mehr das eines StaarenbunteS als das eines einfachen Staats, und eshat sich auch in der neuern Zeit ebenso rasch als konsequent weiter fortgebildet. DerKrieg gegen das revolutionnaire Frankreich und die verschiedenen seit 1795 geschlosse-nen Friedensschlüsse zeigten die gänzliche Unhaltbarkeit der Reichsverfassung, undihnen danken wir eine Zusammenziehung der ehemaligen 300 Staatsgebiete auf39 größere Massen. Die Auflösung des deutschen Reichs am 6. Aug. 1806 wardas Zerfallen einer nur dem schein nach noch bestehenden Form. Selbst der Reichs-tag war schon vorher durch die-Vecularisation der geistlichen Gebiete desorganisier,und die Vorschläge der Reichsdeputation zu dessen neuer Einrichtung waren vom Kai-ser verworfen worden. Der Rheinbund (s.d.) beruhte auf denselben Grundlagenals jetzt der Deutsche Bund (s. d.); der Mißbrauch, welchen Napoleon vonjenem machte, war nur ein zufälliges Übel, welches nicht in seinem Wesen lag undgehoben werden konnte.
Deutsche Ritter, auch deutsche Herren genannt. Dieser geistlicheRitterorden wurde 1190 vom Herzog Friedrich von Schwaben zur Zeit der Bela-gerung von Akkon, während eines Kreuzzuges in dem heiligen Lande gestiftet und,weil nur Deutsche von gutem Adel darin aufgenommen werden konnten, der deut-sche genannt. Sie erhielten eine den Tempelherren ähnliche Regel, welche aberdurch ihren trefflichen Großmeister Hermann von Salza weiter ausgebildet wurde.Der ursprüngliche Zweck des Ordens war, die christliche Religion gegen die Ungläu-bigen zu vertheidigen und die Kranken im heiligen Lande zu pflegen. Weil derOrden der Jungfrau Maria geweiht war, so nannten sich die Ritter auch: Brüderdes deutschen Hauses U. L. Frau zu Jerusalem , oder Marianer. Die Ordensklei-dung bestand in einem schwarzen Kleide und weißen Mantel, auf welchem einschwarzes Kreuz mit einem silbernen Rande getragen wurde. Der Hochmeister(Deutschmeister , Großmeister), d. i. das Oberhaupt dieses Ordens, wohnte anfangsZu Jerusalem , nachher aber, als das heilige Land wieder an die Türken verloren ge-gangen war, zu Venedig und zu Marburg (seit 1297). Nach und nach machte ermehre Eroberungen und gelangte zu großen Reichthümern. Den höchsten Gipfel sei-ner Macht hatte er zu Anfange des 15. Jahrh, erreicht, wo er sich von der Oder biszum finnländischen Meerbusen erstreckte, und seine jährlichen Einkünfte auf 800,000Mark berechnet wurden. - Allein in der Folge brachten ihn Schwelgerei, Der-