Band 
Dritter Band. D bis E.
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242 Deutsche Sprache

bergen der Alpen und Karpathen, lind in den westlichen und südöstlichen Flachlän-dern. Dort (in Oberschwaben , Oberbaiern und Ostreich) ist sie rauher in denGrundlauten, reicher an Zischlauten; hier (im westlichen Westfalen, am Nieder-rhein, in Mecklenburg und Sommern) verschwimmt sie in breitem Grimdlautenund matter Weichheit: Verschiedenheiten, die größtentheils in dem Einflüsse desKlima aufdieSprachwerkzeuge begründet sind. Freier von jenen Eigenheiten undgeläuterter ist das Hochdeutsch im mittlern Deutschland , besonders in Obersachsen,wo es aber, dem Riesengebirge sich nähernd, theils rauher, theils singend, undnach den brandenburgischen Niederungen hin, wieder weich und matt wird; imsüdlichen Niedersachsen Hanover, Braunschweig, Göttingen ) ist es noch reiner,und auf,er Deutschlands Grenzen nvird die deutsche Sprache unter den Abkömm-lingen deutscher Ansiedler in Kurla'nd und Liefland am reinsten gesprochen, weilhier eine landschaftliche Volkssprache keinen nachtheiligen Einfluß haben kann.Über den Ursprung der deutschen Sprache weiß man nichts Zuverlässiges. Einigewollen sie aus der indischen, Andre aus der persischen ableiten, und noch Andregeben ihr einen gemeinschaftlichen Ursprung mit der griechischen, ja Morhof lei-tet sogar die griechische Sprache aus der ältesten deutschen ab. (Vgl. auch Kanne,„Verwandtschaft der griechischen Sprache mit der deutschen".) „Die Untersu-chung der beiden Sprachen", sagt Voß, „ergibt gemeinsamen Ursprung, und inder Kindheit der teutonischen sogar sanftere Anlagen. Die älteste Sage lehrt,daß die altgriechischen Horden Anbau und Sittlichkeit mit dem Dienste des Bac-chus und der begeisternden O.uellnymphen aus der Nordgegend Thraka empfingen;und die Geschichte zeigt uns in diesem thrakischen, oder, wie man später es nannte,scythischen Nordlande ei» deutsches Geschlecht, Gothen am schwarzen Meere, die,obgleich über ein Jahrtausend von den Urvätern entfernt, dennoch in den Sprach-sormen eine auffallende Ähnlichkeit mit der griechischen behaupteten. Die südlicheSchwester gelangte durch Weltverkehr, heitern Himmel und Freiheit zur höchstenAusbildung, die nördliche sank zurück. Aber bei allen Stürmen erhielt sie auchin der Verwilderung das Vorrecht einer unvermischten, kraftvollen, und aus in-nern! Triebe sich bildenden und veredelnden Stammsprache, die unter den Bastar-dinnen des bezwungenen Europa allein mit der griechischen wetteifern darf". Daßdie deutsche Sprache eine „»vermischte Stammsprache sei, d. h. eine solche, dienicht aus einer wesentlichen Vermischung mit andern entstanden ist, erhellt ausder Vergleichung mit andern, und, nach Adelung'S Bemerkung, auch aus der be-sondern Eigenschaft, das; in jedem Worte die Skammsylbe allemal den Haupttonhat, die Nebensvlben aber entweder ganz tonlos oder doch schwächer betont sind.Leider ist uns aber aus dein ältesten Zeitraum unserer Sprache nur Wenig übrig,nur einzelne Wörter, und noch dazu meist Eigennamen; jedoch auch dies Wenigereicht hin, uns zu überzeugen, daß sie schon damals alle die Wurzelwörter hatte,aus welchen sie noch jetzt besteht, aber auf eine den damaligen Sprachorganen desDeutschen angemessene Art. Daß dies eine sehr rauhe Art müsse gewesen sein,erhellt aus den Zeugnissen andrer Nationen. Mela sagt, daß ein römischer Munddiese Wörter kaum auSsprechen könne, und NazariuS versichert, der Klang der-selben errege Schauer. Wahrscheinlich bestanden sie aus gehäuften harten Eon-sonanten, starken Hauchlauten, tiefen Vocalen und Doppellauten. Doch ist auchden Zeugnissen der damals schon sehr verweichlichten Griechen und Römer keinunbedingter Glaube beizumessen. Sie nannten die Sprache unserer Vorfahrenrauh und barbarisch, vielleicht nur, weil sie ihnen fremd war; und daß die An-häufung von Mitlauten eine Sprache nicht nothwendig rauh mache, wissen wiraus dem Beispiele der heutigen polnischen Sprache, deren Consonantenmenge unsschreckt, und die dennoch in dem Munde gebildeter Leute sehr wohlklingend ist.fjbrigens mochte wol das A ltdeutsche reicher sein in Bezeichnung sinnlicher als nicht-