Band 
Dritter Band. D bis E.
Seite
245
JPEG-Download
 

Deutsche Sprache 245

salem: „Über teutsche Sprache und Literatur", Berlin 1781, von I. Möserun«ter gleichen! Titel, Dsnabr. 1791, von TralleS: „Schreiben von der deutschenSprache und Literatur rc.", Breslau 1781, und von Wezel: „Über Sprache,Wissenschaften und Geschmack der Deutschen", Leipzig 1781), widerfahren ließ,rechtfertigen; allein jene Schrift erschien zu einer Zeit, der nicht nur Besseres be-reits vorhergegangen war, sondern in welcher bereits auch Klopsiock, Lessmg, Wie-land, Engel u. A. durch eine edle Bildung des poetischen und prosaischen Aus-drucks den Deutschen den Rang eines wohlredenden Volkes unbestreitbar erwor-ben hatten. Wie viel aber gewann nicht unsere Sprache seitdem noch unter denbildende» Händen eines Voß, Schlegel u. A.? Lese jeder Deutsche, der seinem Va-terlands noch nicht ganz entartet ist, hierüber das vortreffliche Werk vonKolbc:„Über den Wortreichthum der deutschen und franz. Sprache, und beider AnlagenzurPoeffe" (Berlin , 2. Aufl. 1819 — 20, 3Bde.). Dreierlei ist es besonders, wasden Geist der deutschen Sprache charakterisier: ihre Bildsamkeit, in der ihr bei-wohnenden unerschöpflichen Kraft bestehend, durch Hülse ihrer BiegungS- und Ab-leitungssylben, sowie durch Wortzusammensetzungen neue Bildungen zu erzeugen;ihrReichtbum, denn die Summe ihrer Wörter übersteigt auch die reichste der nochlebenden Sprachen und mehrt sich, bei der Freibeit unserer Dichter und Prosaiker,fast täglich; endlich ihre Universalität, d. h. das Vermögen, den Geist aller gebilde-ten Sprachen zu umfassen, und das Beste jeder sich zuzueignen. Welche Nationvermöchte Homer's und Virgil's Gedichte wie Voß, Plakon's Dialogen wie Schleier-macher, Shakspeare'S und Calderon's Schauspiele wie Schlegel, GrieS und Mals-burg, Ariosto's, Tasso's Gedichte wie Gries und Streckfuß, den Dante wie der Letzt-genannte und Kannegießer, den Cervantes wie Tiecknachzubilden? Mögen immer-hin manche Versuche, ausländische Formen zu uns überzutragen, unglücklich genugausgefallen sein, für Das, wessen unsere Sprache fähig ist, beweisen sie doch. Undwie viel inchr würde sie noch leisten können, wenn wir nicht einseitig uns zu sehr be-schränkt hätten ? Es ist in der That ein großer Verlust, daß das sogenannte Hoch-deutsche allein Schriftsprache geworden ist und das Niederdeutsche so sehr verdrängthat. Wer weiß aber, wozu die Versuche von Voß in plattdeutschen Idyllen, Hebel's„Alemannische Gedichte", Grübel'S „Gedichte in nürnberger Mundart" u. m. A.uns noch führen! Ein Wörterbuch, das den ganzen Reichthum unserer Spracheumfassen soll, muß alle Mundarten berücksichtigen und nächst den Idiotikenauch die Glossarien zu Rathe ziehen. Erkennen wir übrigens mit Dank, was inlexicalischer Hinsicht Adelung, Campe, Fulda , Kinderling, Doigtel, Stosch, Eber-hard, HeinsiuS w. geleistet haben; es sind treffliche Vorarbeiten. Die erste deut-sche Sprachlehre schrieb im 16. Jahrh. Valentin Ickelsamer unter dem Titel:„Teutsche Grammatika, darauß einer von ihm selbs mag lesen lernen". Im 17.Zahrh. verdienen die grammatischen Arbeiten eines Opitz, Morhof, Schotte! :c.rühmliche Auszeichnung. Die neuern vorzüglichsten Sprachlehren sind von Ade-lung, Heynah, Moritz, Roth, Hünerkoch, Reinbeck, Heyse, HeinsiuS, Pölitzund Grimm (der in der Darstellung der Gesetze unserer Sprache eine neue, der ge-schichtlichen Entwickelung folgende Bahn bricht). Durch Werke, wie Klopstock's„Grammatische Gespräche", die Schriften von Radios, Doß's „Zeitmessung" undähnliche, kann unsere so bildsame Sprache nur noch gewinnen. <1-1.

Deutsche Sprache. Gesellschaften für deutscheSprache. Philosophische Untersuchungen über das Wesen der Sprache im All-gemeinen, Wörterbücher aller Art, Sprachlehren für Alt und Jung, für akade-mische Hörsäle und für Dorfschulen, Hülfsbücher nach unzähligen Lehrweisen, da-neben tiefere, aber vereinzelte Forschungen über mundartliche Eigenthümlichkeitenund den Bau der alten Sprache, so weit derselbe aus längst vorhandenen oder neuer-dings entdeckten schriftlichen Denkmälern zu erkennen war — alles Dies zusammen-