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Deutsche Sprache
genommen schien zu großen Hoffnungen für die Muttersprache zu ermächtigen,und es durfte nicht Wunder nehmen, daß eine teutsche Akademie der Wissenschaftten bereits 1801 es an der Zeit hielt, auf ein vollständiges System der deutschenSprachgesetzgcbung einen namhaften Preis auszusetzen. Daß derselbe von Keinemgewonnen ward, mußte nach solchen Vorarbeiten allerdings befremden, sofern mannicht schon damals die Überzeugung festhielt, daß eine Sprache, wie die unsel ige,als ein lebendiges, sich aus sich selbst herausbildendes und nach unumstößlichen Ge-sehen zum Vollkommneren oder Unvollkommneren fortspinnendes Ganzes, sich keineGesetze vorschreiben lasse, wie alle ähnliche frühere und spätere Versuche zur Genügebeweisen. Es ist Thorheit, den Entwickelungsgang einer lebendigen Sprache, die,wie alles Organische, das Princip ihrer Bildung und Fortbildung in sich selbstträgt, durch Grammatiken binden und aufhalten zu wollen. Mag man in Scheulen, zum Behufe des gemeinen Fortkommens und als Übung des Denkvermögens,die Sprache nach ihrem dermaligen Stande, auf Regeln zurückgeführt, auch fernernoch als Norm aufstellen: die eigentliche Wissenschaft hat damit nichts zu schaffen.Für sie giebt es neben dem philosophischen und kritischen, nur noch den historischenWeg, der allein jenen beiden den Erfolg sichern kann, indem er in ihrer allmäli-gen Entwickelung, ohne Vorliebe für diese oder jene Zeit, von Stufe zu -Stufe ver-folgt und nachweist, wie das Vorhandene nach innern nothwendigen Gesetzen auseinem Frühern hervorgegangen ist und in diesem Frühern seinen Grund wie seineErklärung findet. Mit welchem Glücke dieser Weg von Jakob Grimm , dem Er-sten, der hier richtig sah, in seiner deutschen Grammatik eingeschlagen worden, dar-über ist unter den Kenner» nur Eine Stimme. Sein Zweck, die Führung des Be-weise«: „daß und wie alle deutsche Sprachstämme innigst verwandt, und die heu-tige Form unverständlich sei, wo man nicht bis zu den vorigen, alten und ältestenhinaufsteige, daß folglich die gegenwärtige grammatische Struktur nur geschichtlichaufgestellt werden dürfe", muß schon jetzt für gelungen erkannt werden. Jetzt erstist der Weg zu tiefer Einsicht in das Wesen der Sprache gebahnt. Die frommeSorgfalt für die poetischen Überreste einer untergegangenen Zeit, die man endlichals ein theures Erbe, als einen unablöslichen Theil unsers innigsten Wesens zu be-trachten angefangen, eine Sorgfalt, der allein die Behandlung der Mutterspracheihre bessere Richtung verdankt, begnügte sich in den letzten Jahren nicht mehr mitdenl »othdürftigen Abdrucke und modernisirenden Umarbeitungen des Alten, son-dern zeigte in besonnener Kritik und sorgsamer grammatikalischer und lexikographi-scher Erläuterung, daß ihr das höhere Bedürfniß der Zeit deutlich geworden. VorAllein werde hier auf die reichbedachten Ausgaben des Boner'schen Edelsteins unddes Wigalois von Beneken, auf Groote's und Hagen's Ausgaben des Gottfried v.Strasburg, auf Hagen's und Primisser's Heldenbuch ic. verwiesen; dabei aberauch der gleichzeitigen Bemühungen Lachmann's, Mone's, Grorefend's u. A. ge-dacht. Die weitverbreitete Liebe für altdeutsche Poesie, die viel von ihrem frühernUngestüm verloren, dagegen an Innigkeit gewonnen hat, und mancher glücklicheZufall bieten einander die Hände, um jene Bestrebungen zu lohnen und zu fördern.In den zu Mailand neu entdeckten Bruchstücken der gothischen Bibelübersetzungdes Ulfilas , wie in dem vom Grafen Mailath herausgegebenen koloczaer Codexund der von Laßberg'sche» Sammlung altdeutscher Gedichte und in Anderm, wasmühsame Forschung uneigennützig zu Tage gefordert, sind dem sprachlichen Wis-sen neue willkommene Fundgruben geöffnet worden.
Hier ist auch der Gesellschaften für deutsche Sprache zu gedenken,deren der neuerwachte Spracheifer mehre inS Leben gerufen hat. Schon im Laufedes 11. Jahrh, veranlaßte die überhandnehmende Sprachmengerei den Zusammen-tritt solcher Vereine, so entstanden: der Palmenorden oder die fruchtbringendeGesellschaft zu Weimar (1611), die aufrichtige Tannengesellschaft zu Strasburg