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nicht immer sind die Ansichten und die Federungen eines Hofes die der Kunst, undwo sich die Kritik, die ehrliche, offene, unumwundene, nur dos Höchste der Kunstim Auge habende, nicht ohne Rücksicht — die jeder Hof federt — aussprechen kannund darf, da ist es um so schneller um das Wahre, worauf es eigentlich ankomme,geschehen, je lockender derSchimmer der Sicherheit vor ihr, je äußerlich belohnen-der das Fügen in Wünsche und Ansichten ist, die unter solchen Verhältnissen als dieersten berücksichtigt werden müssen. — Betrachtet man nun nach diesen Rücksich-ten die dermaligen TheaterDeutschlandS, so wird man ein Divergiren in ihren Rich-tungen, ei» gleichsam gespaltenes streben, vereint mit einer überall sich zeigendenUnvollkommenheit der Einrichtung, wie des Personals, finden, welches alles zu-sammen das Erreichen des wahren Ziels derselben ungemein schwer, wo nicht un-möglich macht. Vorzüglich hemmend tritt hier den Vorstehern solcher Anstalten,Mögen sie nun von einem Hofe oder durch eigne Wahl und Neigung dazu berufensein, das persönliche Interesse und der Egoismus der Schauspieler in den Weg,und veranlassen theils, daß die Directioncn, ohne Ausnahme, mehr denn zu häufiggezwungen sind, bloß darum manches Individuum zu besolden und ihm Rolle» an-zuvertrauen, weil die Schwester oder der Bruder, der Mann oder die Frau dessel-ben nicht füglich entbehrt werden kann; anderntheils, daß sehr häufig einzelneDarstellungen allein darum verpfuscht werden, weil Dieser oder Diese im aufgebla-senen Künstlerdünkel sich nicht entschließen können, eine sogenannte HülfSrolle zuübernehmen, und selbige daher, aus Noth, Händen übergeben werden muß, derenungeschicktes Eingreifen augenblicklich jede Art von Illusion bei dem Zuschauer zer-trümmert: einer Illusion, die, seit der Decoraleur und der Maschinist gewisserma-ßen die Hauptpersonen der Theater geworden sind, ohnedies selten genug sich zeigt.— Wenn nun im Allgemeinen, wie wir gezeigt haben, die teutschen Theater sichsämmtlich (mit einziger Ausnahme der beiden wiener Hoftheater, das an der Burgund das am kärnthner Thore nämlich) der verschiedenartigsten Leistungen befleißi-gen müssen, und hierin nicht einmal das der Hauptstadt in der preuß. Monarchieausgenommen ist: so ist doch fast auf jedem der größer» derselben ein besonderesHinneigen zu dieser oder jener Gattung von Vorstellungen sichtbar, und wird diesesHinneigen entweder durch den Geschmack des Hofes, von welchem die Bühne ge-rade abhängt, öfter aber noch durch die individuelle Vorliebe, Kunstansicht oderStellung ihres Vorstehers, Regisseurs u. s. w., am seltensten durch den entschiede-nen Willen des Publicums bestimmt, das hundertköpfig, wie es ist, bekanntlichselten einen eignen festen Willen für die Dauer hat und sich immer dann im Ganzenam zufriedensten zu zeigen pflegt, wenn ihm recht Viel und Mancherlei, und nurrecht oft etwas Neues geboten wird. So war z. B. das Theater in Berlin , solange es unter Iffland's Leitung stand, am stärksten im recitirenden Fache, dieOper daselbst hingegen weit weniger bedacht. Ieht hat sich dies geändert, undKenner und Liebhaber stimmen darin überein, daß die Musen des Gesanges undder Tanzkunst, oder vielmehr die Göttinnen des Ballets und der rauschenden In-strumentalmusik, den Sieg über das bescheidener und weniger pomphaft auftretendeSchwesterpaar, Melpomene und Thalia, davon getragen haben. In Darmstadt ist derselbe Fall; auch hier ist die Oper der Glanzpunkt des Ganzen, während inHamburg , wie man versichert, das ConversationSstück unter den daselbst gegebe-nen Leistungen die oberste Staffel einnehmen soll. Andre Bühnen folgen andernImpulsen dieser Art, oft mit, oft ohne Glück. So war vor nicht langer Zeit dasbresdner-leipziger Theater, unter Direktion von Franz Seconda , mehr aus Ge-wohnheit wie aus künstlerischer Überzeugung, gleichfalls besonders auf das Con-versationSstück gestellt und von ihm das bunte Kind der Phantasie, die Sinnebestechende Oper, ganz verbannt; das neue leipziger Stadttheater dagegen sich,wie man sagte, mit einiger Vorliebe zum Trauerspiele hinneigend erfunden. Das