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dresdner Hofthcater hat gegenwärtig einen großen teutschen Dichter und feinenKenner alles Dramaturgischen zum leiientcn Berather, und wenn der Einfluß die-ses (Geistes sich bis jetzt weniger, als man erwarten möchte, zeigt, so liegt davon derGrund wol mehr in andern Umständen. — Da aber, um aufs Allgemeine zurück-zukommen, in den mehrsten Fällen in Deutschland bei weitem eine oft völlig unbe-gründete Privatliebhabei-ei, oderConvenienz, oder ähnliches Bedeutendes entschei-det, so entsteht auch fast immer nur Einseitiges und Unzulangendes daraus, unddie Kunst hat davon so wenig Gewinn, wie der Kenner Freude. Ein schlagendesBeispiel gibt hierin die einst mit vollem Rechte so hochgefeierte Bühne von Wei-mar , die, geleitet von einem der größten Kenner und Dichter unserer Nation, besebüktvon einem kunstsinnigenFürsten, der sie unterstützte, ohne sie in die Fesseln des Hof-zwanges zu schlagen, mit vcrhälinißmäßig sebr beschränkten Mitteln sich zu einemMusterbilds für alle Anstalten dieser Art erhob, und es war, bis der Geist, der dasGanze leitete, sich scheu vor dem Gebell des Aubrp'schen Hundes zurückzog, und seit-dem nun in Deutschlands einstigem Athen das Histrionenwesen ebenso zersplitterndund einseitig waltet wie an den mehrsten andern Orten.
Eine Übersicht der gegenwärtigen (bedeutender») deutschen Theater möge die-ser kurzen Andeutung des künstlerischen Zustandes derselben — der freilich genug-sam zeigt, dass sie im Ganzen nicht niehr sind, was sie waren — noch folgen. DieQuantität (die Zahl) hat allerdings in neuerer Zeit insofern bedeutend zugenom-men, daß in mehren Städten, die sonst nur von gleichsam nomadisirenden Schau-spiel-rhordcn — zusammengewürfelt auf gut Gluck ohne innern Halt und ohneeine andre Tendenz als Frisiung des kunstentfernren, rohe» und zerfahrenen Le-bens — dann und wann, wie die Wüste von Beduinen, heimgesucht worden,eigne, stehende Gesellschaften errichtet wurden; die Qualität (das Kunstwerlheund das Streben nach Kunst) ging aber nicht immer gleichen Schritt, und wiefast in allen Verhältnissen des neuern bürgerlichen Lebens, siehr man auch hier,statt der sonstigen innern Gediegenheit, ein Stellen auf den Schein und aufdas schimmernde Äussere, was nothwendig über kurz oder lang, da wie hier, denvölligen Verfall des Ganzen herbeiziehen muß. — Wie billig, erhalten die Thea-ter der Residenzen und Hauptstädte den Vortritt. Zn Wien sind deren zwei.Eins nächst der Burg oder dem Residenzschlosse, für das recitircnde Drama,das andre nächst dem kärnthner Thore, für die Oper und das Ballet. Beide sindeigentliche Hoftheaker, genießen Unterstützung von daber, und ihre Mitgliedersind in einem lebenslänglichen, zu einstiger Pensionnirung sich gualisicirendenEngagement, gleich andern Staatsdienern. Außer diesen hat Wie» noch dreiandreTkeatcr, das an der Wien , wo Dramen aller Art, große Opern, Singspieleund BalletS gegeben werden; das in der Leopoldstadt und das in der Iosephstadt.Diese drei sind Privatunternehmungen, und die letzten beiden eigentliche Volks-bühnen, aufweichen die Localpoffen, Operetten u. dgl. zur Darstellung kommen,die entweder ganz im Geiste des Volks der Hauptstadt gedichtet, oder aus dem täg-lichen Leben desselben, oft in der Mundart der Menge, genommen sind. Dasneuerdings neu aufgebaute und neu organisirte josexhstädter Theater besucht auchzu manchen Zeiten Presburg und den Badeort Baden. — Berlin hat jetzt einekönigl. Bühne, die sich sonst, in ihrer Blüthenzeit, Nationaltheater, jetzt etwas selt-sam „königliche Schauspiele" nennt. RecitirendeS Drama jeder Art, Oper, Sing-spiel und Ballet sind hier wie bei allen andern deutschen Bühnen, wie oben beschrie-ben, vermischt; jedoch wechselt dos Local, Opernhaus und Schauspielhaus; seiteiniger Zeit wird auch zuweilen in Poisdam und Charlotte,iburg gespielt. Zn derKönigsstadt bat eine Gesellschaft ActionnairS ein neues Theater begründet, das zueinem Dolksrheater bestimmt war. Davon ist aber keine Spur mehr, oder es istrichtiger nur ein Versuch der Art gemacht worden. Französische VaudevilleS, wie-