Band 
Dritter Band. D bis E.
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Deutschland von 1648 —1808

Unterpfand ihrer Glaubenssicherheit besaßen. Der päpstliche Stuhl bot Alles auf,um nur einen festen Punkt in Deutschland sich zu erhalten, und fand die Mittel inden immerwährenden Nunciaruren zu Wien , Brüssel und diel», und dann in derVerbreitung des schon 1510 gestifteten DrdenS der Jesuiten . Ferdinand erließauch eine Reichshofrathsordnung. Leines Nachfolgers, Maximilians II. , Re-gierung (1564 —16) ward unfreundlich bezeichnet durch die kirchlichen Streitig-keiten unter den Protestanten, die Widersprüche zwischen Melanchihon und Calvin ,die Erscheinung der bor,null , c»ncoi,Iü,c, durch welche die Trennung derRefor-mirten von den Lutheranern vollendet wurde, und endlich durch die Grumbach scheuHändel. Unter seinem Lohne, Rudolf II. , ward allmälig der schreckliche dreißig-jährige Krieg in der Errichtung der Union und der Ligue vorbereitet; die Utragui-sten in Böhmen erhielten in dem sogenannten Majestäisbriefe die freie Religions-übung, die Universität Prag und das Recht, neue Kirchen und Schulen anzulegen;allein kurz darauf, unter Matthias (1618), griff man schon zu den Waffen. Fer-dinand II. (1618 — 31), ein fanatischer Katholik, war ganz dazu geschaffen, denglühenden Funken zur verwüstenden Flamme zu bringen. Der dreißigjährige Kriegbeginnt mit allen seinen Schrecken: das Blut der Union stießt in Strömen; Tillyund Wallenstein unterwerfen den größten Theil des Reichs dem kaiserlichen Willen;das Restitutionsedict, nach welchem alle seit 1552 von den Protestanten eingezogeneoder secnlarisirte Stifter, Güter u. s. w. der katholischen Kirche zurückgegeben wer-den sollten, die katholischen Stände aber das Recht erhielten, ihre protestantischenUnterthanen zu ihrer Religion anzuhalten oder zum Auswandern zu nöthigen, wurdeschon hier und da mit Gewalt vollzogen; Ferdinand glaubte am Ziele zu sein, alsGustav Adolf von Schweden , nach des CardinalsRichelieu Plan, (1630) zur Racheund Rettung, erschien. Nach seinem Tode trat Frankreich gegen Östreich auf, dergroßeKursurstFriedrich Wilhelm vonBrandenburg ergriff 1610 die Sache der Pro-testanten als seine eigne; Banner und Torstenson , Wrangel und Turenne erkämpf-ten sich Ruhm, und der westfälische Friede (1648) gab dem erschütterten Europa nach dreißig schrecklichen Jahren die langentbehrte Ruhe wieder. Noch bevor sichBrandenburg einmischte, hatte, nach Ferdinands II. Tode, sein Sohn Ferdi-nand III. (1631 —51) die Regierung angetreten. Dieser mußte, von Frankreich und Lchweden besiegt, dem Gesetze jenes Friedens sich unterwerfen, welcher, außer-dem daß völliges Gleichgewicht und Gewissensfreiheit der Katholiken und Protestan-ten, mit Einschluß derRcformirten, und freie Religionsübung, außer in den östreich.Lrblanden, festgesetzt wurde, auch die Unabhängigkeit der freien Schweiz und derNiederlande anerkannte. Für das Haus Pfalzbaiern wurde die achte Kurwürdeerrichtet, und jeder interessirte Theil, bis auf den Kurfürsten von der Pfalz , erhieltseine Entschädigungen. Unter die großen Folge» dieses Friedens, welcher Deutsch-lands Verfassung besonders durch scharfe Abscheidung in den Verhältnissen der all-gemeinen Reichsverwalkung befestigte und mit allem Recht ein Actenstück des eu-ropäischen Völkerrechts genannt werden kann, gehörte auch die Einschränkung desbanfeatischen Bundes, dem nur noch Hamburg, Bremen und Lübeck übrig blieben,die Beibehaltung stehender Heere und ein ausgebildeteres Besteuerungssystem. Sogedieh denn die schon mit Luther angebrochene Morgenröthe immer mehr zum lich-ten Tage, als Leopold I. 1651 den deutschen Kaiserlhron bestieg, unter welchemder Reichstag von 1663 an fortdauernd wurde. So friedlich Leopold gesinnt war,so sah er sich doch in mehre Kriege mit der Türlei und Frankreich verwickelt; dasEnde des spanischen Erbfokgekrieges erlebte er nicht. Für den Herzog von Hano-ver errichtete er die neunte Kurwürde. Unterdessen hatte Preußen sich ;um Kö-nigreich erhoben und erhielt ein vermehrtes Gewicht in den Angelegenheiten Deutsch-lands. Leopolds Sohn, Kaiser Joseph I. (1105— 11), setzte den spanischenKrieg fort und sprach über die Kurfürsten von Baiern und Köln die Acht aus, da