298 Dionäa DionysiuS (der Ältere und der Jüngere)
rief man ihn zurück, und er war eben beschäftigt, die republikanische Regierung wie-derherzustellen, als ihn 354 I. v. Cbr. sein verrätherifther Freund, Kalippus ausAthen , ermordete. So starb disscr Mann von erhabener DenkungSart, hohemMuthe und unerschütterlicher Vaterlandsliebe. Plato war sein innigster Freund.Sein Leben haben Plutarch und Cornelius Nepos beschrieben.
Dionäa, rneniaiprila, VenuSfliegenfalle. Diese merkwürdige Pflanzewächst in feuchten und schattigen Gegenden des nördlichen Amerika , vornehmlich inSüdcarolina, wild, und hat viel Ähnlichkeit mit unserm rundblätterigen Sonnen-thau (Uro8era rntnnüiüili.'i). Setzt sich ein Insekt, z. B. eine Fliege, auf dieOberfläche eines Wurzelblattes, so klappt sogleich der lappige Rand desselben zu-sammen und fängt das Insekt, wie in einer Falle. Die Randborsten verschließendas Blatt von der Seite und die Ncbenborsten von vorn, sodaß das Insekt garkeinen AuSgang findet und umkommen muß. Will man es mit Gewalt befreien,so muß man das Blatt zerreißen. Nur wenn das Insekt todt ist und also durchseine Bewegung die Theile des Blattes nicht mehr reizt, öffnet fleh dieses und läßtdas Insekt fallen. Die Insekten scheinen übrigens durch den süßlichen Saft, deraus den Drüsen der Blätter schwitzt, angelockt zu werden. Reifen Samen hatdiese Pflanze in Europa noch nicht bringen wollen.
D i o n e, Mutter der Venus, daher Dionäa, Beiname der Letztem, auchLetztere selbst.
Dionysien, so viel wieBacchanalien, vonDionysos. (S. Bacchus.)
Dionysius von Halikarnaß in Karlen, ein gelehrter Künflrichter undLehrer der Beredtsamkcit, kam etwa 30 vor Chr. nach Rom und schrieb zurBelehrung seiner Landsleute eine römische Archäologie in 20 B., worin er die ältereGeschichte und Verfassung Roms bis zum ersten punischen Krieg erzählt. Wir be-sitzen davon die 11 ersten Bücher, und von den übrigen einige Bruchstücke, heraus-geg. nach Hudson von Rciske (Leipz. 1714 — 77, und übers. von Schalter, Stuttg.1827 fg.). -Lein 22jähriger Aufenthalr in Rom , der Umgang mit den gelehrtestenRömern und die Benutzung der alter» Annalisten machen ihn für den kritischen Ge-schichtsforscher sehr wichtig, wiewol seine Behandlung bedeutenden Einstich aufdie Darstellung der römischen LMzengeschichre gehabt hat. Auch als ästhetischerSchriftsteller hat D. einigen Werth, nur verdienen die hierher gehörigen Werkeeine kritische Sichtung. So gehört die „ 1,8 , lwtorioa" herauSgeg. von Schott,Leipz. 1804) nur zum Theil dem DionysiuS, und ist nach ihrer gegenwärtigen Zu-sammenstellung wahrscheinlich aus dem 3. Jahrh, nach Chr.
DionysiuS der Altere schwang sich aus gemeinem Stande zum Feld-herrn, und dadurch zum Tyrannen (d. i. Beherrscher) von «yrakus (um 406 vorChr.) auf. Die bei Eroberung AgrigentS durch die Carthager geflüchteten Agri-genter klagten namlkch die syrakusanischen Feldherren der Verrätherei an; D.unterstützte ihre Klagen und brachte es dahin, daß das erzürnte Volk andre Heer-führer wählte, unter denen er sich selbst befand. Bald aber wußte er auch dieseverdächtig zu machen und sich zum Oberfeldherrn ernennen zu lassen. In diesemPosten ward es ihm nicht schwer, mit Hülfe der gewonnenen Truppen sich derFestung von SyrakuS und aller darin befindlichen Waffen und Lebensmittel zu be-mächtigen; worauf er sich im 25. Jahre seines Alters zum Könige erklärte. Umseine Macht noch mehr zu befestigen, heirathete er die Tochter des Hermokrates,dessen Geschlecht in SyrakuS das vornehmste war. Nachdem er einen kurzenKrieg mit Carkhago geendigt und verschiedene Empörungen gedämpft hatte, sodaßer sich auch andre L)tadte der Insel unterwarf, rüstete er sich zu einem großenKriege gegen Carthago. Das Waffenglück, das ihm anfangs günstig war, wandtesich bald zu seinem Nachtheil. Schon wurde er in SyrakuS selbst belagert, als diePest unter den Carthagern große Verwüstungen anrichtete. D., der zu derselben