298 Dionysius (der Kleine) Diopter
den Märtyrertod erlitt, ist durch die ihm beigelegten griechischen Schriften und alsvermeinter Schutzheiliger Frankreichs merkwürdig. Diese wegen schwerverständ-licher Mystik dunkeln Schriften über die himmlische Hierarchie, die Namen Lottes,die kirchliche Hierarchie und die mystische Theologie, nebst einer Anzahl Briese, diedurch Styl, Inhalt und historische Beziehungen augenscheinlich einen Vers. ver-rathen, der nicht vor derMitte des4.Jahrh, gelebt haben kann, kamen alsWerkedes D. erst im 6. Jahrh, auf verdächtige Weise zum Vorschein. Blendende neu-platonische Phantasien über das göttliche Wesen und die Ordnungen der Engelund seligen Geister, glanzvolle Schilderungen der Ceremonien des katholischen Cul-tus, Verherrlichungen der Hierarchie, Lobpreisungen des Möncholebens und my-stische Deutungen der K irchenlehre gaben ihnen so großen Reiz, daß die darin vor-kommenden Ungereimtheiten für den verfinsterten Klerus des 7. Jahrh, kein Hin-derniß mehr waren, sie fleißig zu lesen und durch Voraussetzung ihrerEchtheit denapostolischen Ursprung einer Menge viel später aufgekommener kirchlicher Gebräucheund Anstalten in ihnen erwiesen zu sehen. In Frankreich , wo ein Dionysius im3. Jahrh, die christliche Gemeinde zu Paris gestiftet hatte, wurden sie im 9. Jahrh,begierig aufgenommen, und aus diesem Dionysius ohne Untersuchung derAreopa-git gemacht, um das Alter der gallicanischen Kirche bis in das 1. Jahrh. Hinauf-rücken und einen unmittelbaren Schüler der Apostel als Schutzheiligen des Reichsund Märtyrer verehren zu können. Der Gebrauch dieser oft in das Lateinischeübersetzten Schriften gab dem Mönchslebcn in der abendländischen Kirche neuenSchwung, und zur Entwickelung der mystischen Theologie den ersten Anstoß. En-gelhardr in Erlangen hat sie inS Deutsche übersetzt und mit belehrenden Anmerkun-gen begleitet (Salzb. 1813, 2 Thle.) Das Kloster St.-Denys bei Paris , ur-sprünglich dem Stifter des Christenthums in Paris , nun dem Areopagsten D.gewidmet, stritt sich im 11. Jahrh, mit dem Kloster St.'.Eninieran in Regensburg über die Echtheit seiner Gebeine, die beide zu besitzen mdinten und vom Papste an-erkennen ließen, und im 14. Jahrh, hatte eine Kirche i» Paris von dem Kopfe desHeiligen noch ein drittes Epemplar. Daß aber ebensowol diese Reliquien als jeneSchriften unecht sind, und D. der Areopagit weder solche Schriften hinterlassennoch je in Frankreich gelehrt habe, ist im 17. Jahrh, durch die franz. Kritiker Daille,Swinont und Launoi außer Zweifel gesetzt.
Dionysius. der Kleine (wegen seiner kurzen Gestalt), ein scythischerMönch, der in der ersten Hälfte des 6. Jahrh. Abt eines Klosters in Rom war undum 545 starb, ist als Urheber der christl. Zeitrechnung unvergeßlich. Er berechnete526 einen OstercykluS und setzte nach den zuverlässigsten alten Angaben die GeburtChristi in das I. 753 nach Roms Erbauung. Die dadurch begründete, jetzt gel-tende Zeitrechnung nach Iabren seit der Gebu,-' Christi kam erst im 8. Jahrh,öffentlich in Gebrauch. Schnellern Beifall fand seine Sammlung von Kirchenge-setzen, nämlich von sogen, apostolischen Kanonen, für die römischen Bischöfe gün-stigen Beschlüssen der Concilien und amtlichen Briefen römischer Bischöfe seitdem Ende des 4. Jahrh., die nian Decretalen nennt. Die Gleichstellung derletzter» mit den Concilienbeschlüssen war diesen Bischöfen so schmeichelhaft, und derInhalt der Briefe ihrer Vorgänger eine so erwünschte Auffoderung, ältere Anma-ßungen zu erneuern, daß diese Sammlung bald das Ansetzen einer anerkanntenQuelle des kanonischen Rechtes erhielt. D. war, wie sein Freund Cassiodor ihmnachrühmt, ein guter lateinischer Stylist und Kenner der griechischen Sprache,aus der er viel übersetzte. Sonst weiß man von ihm nur, daß er den Aberglaubender Ttzeopaschiten begünstigte.
Dionysos (Dionysus ), s. Bacchus.
Diopter, 1) die Schaurihen eines Astrolabiums oder andern Meßinstru-